Wir Supermarkt-Kassiererinnen

Von | 20. Dezember 2015

(CHRISTIAN ORTNER) In manchen Filialen einer großen heimischen Supermarkt-Kette ist gerade ein eher unwürdiges Schauspiel zu beobachten: Kassiererinnen, die nicht an der Kasse ihren Dienst verrichten, sondern Kunden dazu anlernen müssen, an Kassenautomaten zu bezahlen – die genau diese Kassiererinnen wegrationalisieren werden, sobald sich die Kundschaft an die neue Zahlungsweise gewöhnt hat. Was früher Dienstleistung hieß, wird immer mehr zu einer Leistung, die der Kunde gefälligst selbst zu erbringen hat. Nicht nur im Handel: Banken halten ihre Klienten zunehmend dazu an, von der Überweisung bis zum Kreditantrag selbst elektronisch zu erledigen, was früher ein Bankangestellter übernommen hätte, und bei Airlines ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Fluggäste nicht nur das Check-in selber erledigen, sondern auch ihre Menüs in der automatischen Bordküche selbst aufwärmen und die Maschine betanken müssen.

Im Grunde ist das eine Art von versteckter Preiserhöhung quer durch die Branchen. Unternehmen wälzen Arbeit auf die Kunden ab und bieten somit zum selben Preis weniger Leistung (was eigentlich auch in die Inflationsrate eingerechnet werden müsste). Rechnet man zusammen, wie viel Zeit heute ein durchschnittlicher Konsument damit verbringt, Arbeit zu erledigen, die früher Mitarbeiter von Unternehmen übernahmen, kommt wahrscheinlich überraschend viel zusammen.

Wer je auch nur ein paar komplziertere Flüge und Hotelübernachtungen selbst gebucht hat, weiß, dass dafür schnell ein halbes Wochenende draufgeht. Und natürlich jede Menge Jobs: Denn das ist ja letztlich der Sinn der Übung. So hat erst jüngst Bank-Austria-Chef Willibald Cernko die Schließung von Filialen und den damit verbundenen Personalabbau damit begründet, dass “heute ja jeder seine Bankfiliale auf seinem Mobiltelefon in der Hose hat”. Das stimmt zwar auf der einen Seite, deutet aber auch auf eine Marktlücke hin, die angesichts der allgemeinen digitalen Turbo-Rationalisierung immer größer wird, erstaunlicherweise aber kaum entsprechend bewirtschaftet wird: die gute alte Dienstleistung in höchster Qualität. Dass immer mehr Menschen Online-Banking nutzen, liegt nämlich nicht zuletzt daran, dass ihnen das Beratungsgespräch in der Filiale keine wirklich brauchbaren Erkenntnisse gebracht hat. Und das “Do-it-Yourself”-Check-in am Flughafen schätzt, wer weiß, wie herb die Behandlung durch das leibhaftige Bodenpersonal sein kann. Vermutlich würden gar nicht so wenige Menschen etwas happigere Kontogebühren akzeptieren – wenn sie dafür wirklich erstklassige Beratung erhielten. Sie fänden auch etwas höhere Preise im Supermarkt okay – wenn sie dafür etwa ihre Waren an der Kassen auch noch eingepackt bekämen, wie das in den USA Standard ist. Im Reisebüro würden sie durchaus eine ordentliche Gebühr dafür zahlen, dass ihnen ein Profi die Tickets und Hotels bucht, wie es ja da und dort auch schon heute möglich ist. Dass nicht mehr findige Entrepreneure diese Marktnischen nützen, liegt wohl auch daran, dass angesichts des massiv unternehmerfeindlichen Klimas in Österreich eine ordentliche Portion Wahnsinn nötig ist, um eine Firma zu gründen. Übernehmen wir halt alle in Zukunft auch noch den Job der Supermarkt-Kassiererin. (WZ)

30 Gedanken zu „Wir Supermarkt-Kassiererinnen

  1. Fragolin

    Es liegt in der Hand der Kunden, diese Geschäfte zu meiden und damit den anderen ein Zeichen zu geben, was akzeptiert wird und was nicht. Aber man hört nur das übliche “Mir kömma da nix moch’n”-Gesudere und die Kunden stehen brav am Automaten Schlange. SSKM.

  2. Der leiwaunde Johnny

    In Ö gibt es nur eine sehr bescheidene Bereitschaft für gutes Service mehr zu bezahlen. Als Unternehmen auf diese kleine Klientel zu bauen, wird häufig im Konkurs enden.

  3. Zaungast

    Alles, was man selber macht, ist steuerfrei. Ich freue mich daher über alles, was ich selbst erledigen kann und meide alles, was mit Bedienung und entsprechenden Kosten zu tun hat.

  4. Christian Peter

    Ganz meine Rede. Das Problem liegt an der Politik, welche Konzerne privilegiert und den Mittelstand vernichtet. Man braucht sich nur die Innenstädte österreichischer Städte anzusehen, dort gab es vor 2 Jahrzehnten fast aussschließlich Geschäfte heimischer (klein- und mittelständischer) Unternehmen, heute fast auschließlich internationale Konzerne. Wie sollen heimische mittelständische Unternehmen, die einer Steuerlast von 53 % unterliegen (Total Tax Rate), im Wettbewerb mit internationalen Konzernen (Amazon, etc.) die trotz Milliardengewinnen praktisch keine Steuern bezahlen, bestehen ?

  5. Bösmensch

    Naja, wieso soll ich auf die Bank rennen, die dann auch noch Spesen verlangt, wenn ich meine Buchungen bequem von zu Hause aus erledigen kann?

  6. Mona Rieboldt

    Man wird die Zeit nicht zurück drehen können. Auch in der Industrie sind die einfachen Arbeitsplätze weg gefallen und wurden durch fest installierte Roboter ersetzt. Und es werden speziell in der Industrie in D weitere Arbeitsplätze weg fallen.

    Ich bin ebenfalls froh, nicht wegen einer Überweisung oder Kontoeinsicht stets zur Bank laufen zu müssen.

    In Zukunft werden weniger Menschen gebraucht für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Da braucht D auch keine Einwanderung, schon gar nicht Asylanten, die unbrauchbar sind für den deutschen Arbeitsmarkt.

  7. Luke Lametta

    Christian Peter und sein nimmermüder Kampf gegen konzernige Multis. Wie heimische mittelständische Unternehmen bestehen sollen? Indem die Politik die wahnhafte, noch mehr als +10% über dem ohnehin bereits viel zu hohen EU Schnitt liegende Total Tax Rate halt einfach mal senkt. Und zwar bei ‘Gegenfinanzierung’ Null!

    In meiner Konsumentenrolle ist mir übrigens völlig wurscht, ob Amazon heimische Anbieter verdrängt oder nicht, Ich will das beste Produkt zum günstigsten Preis, und das möglichst sofort. Und den Job erledigt Amazon halt in den letzten 20 Jahren entschieden besser als irgendwelche Buchtandler mit den Öffnungszeiten eines Amts und der Kostenstelle Innenstadt-Miete. Steuern sind Kosten und Kosten sind Preise. Ich drücke Amazon deshalb auch weiterhin fest die Daumen, möge die steuerrechtliche Ausradierung sämtlicher Belastungen der eigenen Milliardenprofite auch weiterhin möglichst 100%-ig gelingen!

    (PS: Automatisierung und DIY-Wahn haben damit ziemlich gar nichts mit Steuern zu tun, auch die fehlenden findigen Entrepreneure wollen mir nicht recht gefallen. Was wieder kaum wer hören will: In den USA sind Lohnersatzleistungen und minimum wage wesentlich niedriger – das ist der einzige Grund, warum dort der Job ‘Supermarkteinkäufe-Einpacker’ entsteht und dieser für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Kunden ein Gschäft is.

    Frederic Bastiat unterschied gute von schlechten Ökonomen anhand von “What is Seen and What is Unseen” (1850). Unrentabel gewordene, ehemals existente Arbeitsplätze sieht selbst der bornierteste linke Arbeitsmarktinterventionist. Solche, die gar nie erst entstanden – sehen die wenigsten. Und wer in unseren Breiten sowas (http://f.666kb.com/i/d4tksk2kqm30691db.jpg) bezeugt, denkt halt in der Regel nicht ‘ach du scheiße, da hatten mal wieder selbst die sauteursten Anschaffungen im Vergleich zum künstlich verteuerten Einsatz von Arbeit den höheren antizipierten ROI’, sondern ‘Neoliberalismus!! Effizienzfaschismus!!! Maschinensturm!!!! Bedingungsloses Grundeinkommen!!!!!!111’… same old, same old.

  8. Johannes

    Je teurer Arbeit wird umso mehr Arbeitskräfte wird die Wirtschaft versuchen einzusparen. Unsere Gewerkschafter begreifen das nicht. Statt dessen fordert Katzian sinngemäß “wenn es weniger Arbeit gibt muss diese einfach auf mehr Menschen aufgeteilt werden“ sprich immer kürzere Arbeitszeiten bei steigendem Lohn. Es gibt zwei Möglichkeiten diesem Wahnsinn zu entgehen: Mittelständer wachsen einfach nicht weiter, sie lassen lieber den einen oder anderen Auftrag liegen.
    Größere Firmen und Konzerne lassen wie im obigen Artikel beschrieben den Konsumenten für sich arbeiten.
    Die Politik läßt keine Gelegenheit aus den Wirtschaftstreibenden so viele Knüppel wie nur möglich vor die Beine zu werfen, ich frage mich wirklich wozu die ÖVP in der Regierung sitzt

  9. Rennziege

    20. Dezember 2015 – 16:33 Luke Lametta
    Absolut d’accord.
    Bis auf “… irgendwelche Buchtandler mit den Öffnungszeiten eines Amts und der Kostenstelle Innenstadt-Miete”. Die überlebenden Buchhändler, hüben wie drüben, liefern nicht langsamer als Amazon und sind, ebenfalls auf beiden Kontinenten, liebevolle Epigonen der verblichenen Kaffeehauskultur. Außerdem sind sie überwiegend keine Tandler, sondern literaturverliebte Freaks, deren Empfehlungen man vertrauen kann; denn sie haben die Klassiker mit der Muttermilch aufgenommen und relevante Neuerscheinungen stets selbst gelesen.
    Freilich kaufen auch wir viel bei Amazon, hauptsächlich Elektronik. Aber Jeff Bezos hat uns noch nie zu einer altösterreichischen Mélange eingeladen. (Was aber mein Bookseller in Bracebridge sehr wohl tut, selbst wenn ich einmal nur blättere und nichts kaufe. Außerdem weiß er Geschichten aus seinem langen Leben zu erzählen, vor denen die meiste heutige Belletristik zu Altpapier verblasst.

  10. Luke Lametta

    Es gibt in Sichtweite des Hamburger Michels einen Buchladen, dessen gesamtes Interieur inklusive universalgelehrtem Eigentümer so wirkt, als hätte man es grad einem Filmset entnommen (irgendwas zwischen Regie Tim Burton und Buch Michael Ende). Er sieht nicht nur original aus wie Harald Schmidt, sondern erzählt ebenso lustige Anekdoten, ersäuft dich in Kontext zum Produkt, antizipiert messerscharf deine Präferenzen und ist dabei einfach irre unterhaltsam. Deshalb gibts ihn wohl auch immer noch.

    Dummerweise kann er mir abgesehen vom 3D Upgrade absolut gar nichts anbieten, was Amazon nicht auch und eigentlich viel besser kann. Selbst wenn ich in HH wohnen würde, würd ich Amazon vorziehen und Harald Schmidt nur besuchen, wenn Muße, Zeit und Weg sich irgendwie treffen würden. Extra hinlatschen hieße ja schon wieder ‘Kosten’ in irgendeiner Form. Online ist da deutlich effektiver, ich find auch nicht eine, sondern dutzende Rezensionen. Für diese gibts, wie für die Rezensenten selbst auch, einen ungemein verlässlichen Rating- und Marktmechanismus. Der ‘Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, kauften auch’-Algo ist dermaßen high-end, dass freilich selbst Harald Schmidt dagegen völlig chancenlos abstinkt. In qualitativer, vor allem aber quantitativer Hinsicht. Overnight Lieferung bietet dieser ebenso wenig an wie 24/7 Öffnungszeit, deppensichere Rücksendeoption (kostenlos + kein schlechtes Gewissen) oder Amazon Prime, also die Kombination aus unschlagbaren Versandkonditionen, Zugriff auf über 12 000 Filme und Serienepisoden sowie Zugang zur Kindle-Leihbücherei. Economies of scale and scope, capitalist magic dust, AMZN ftw! ♕

  11. Rennziege

    20. Dezember 2015 – 20:21 Luke Lametta
    Ihre Amazon-Begeisterung ist wohl nicht zu bremsen. Ich seh’ das nicht so ungefiltert wie Sie, vermutlich etwas sentimentaler und erdiger. Aber damit werden wir leben können, denke ich. 🙂

  12. Luke Lametta

    Cool with me. Hab vor ziemlich exakt drei Jahren meine CD-Sammlung samt Bibliothek komplett digitalisiert/digitalisieren lassen/mit ebook-Versionen ersetzt. CDs > verschenkt, Bücher > momox, Angeben > tu ich jetzt mit Bose Bluetooth. Zweitbeste Entscheidung nach dem Kauf von 100 Paar schwarzer Socken. Der Umzug sechs Monate später > bliss, heaven. Shelfie-Entzug, gut, tat paar Wochen weh. Seither bis inklusive heute von sämtlichen, mit Sentimentalismen bestrassten Fetischen analoger oder haptischer Natur geheilt. “Digital ist besser” (–Dirk von Lowtzow, deutscher Philosoph, 1995 seiner Zeit weit voraus)

  13. Rennziege

    20. Dezember 2015 – 22:13 Luke Lametta
    Digital ist keineswegs besser. Die *.mp3-Komprimierung ist die akustische Seuche des 21. Jahrhunderts, Meister. Mag für Uffta-Uffta und Hip-Hop genügen, die mit 100 +6dB durchknattern. Aber Musik mit dynamischen Abstufungen, das Ein- und Ausschwingen von Stimmen und Saiten, den feinen Obertönen, also Klassik im weitesten Sinn, aber auch guter Pop und Rock, verliert durch die Fraunhofersche Einebnung wesentlich an Präsenz und Kraft. (Die modische WLAN- oder Bluetooth-Anbindung, möglichst quer durch die ganze Hütte, sorgt für weitere Verluste des hörbaren Tonspektrums. Aber wer’s mag …)
    Wer seine alten CDs und besonders die Vinyl-Scheiben aufbewahrt und letztere mit Hilfe z.B. eines Tangential-Plattenspielers (ich empfehle Revox) abspielt, über solide Boxen (nicht die heute angepriesenen Schuhkartons) abspielt, hört wirklich Musik. Alles andere bleibt Geräusch.
    Wer den Unterschied nicht hört, hat mindestens einen HNO-Termin versäumt; da können Sie jeden Akustiker und Tonmeister fragen. Mit denen hab’ ich in meinem Beruf oft zu tun.
    Und wer wie Sie seine Bücher wegschmeißt, ist so modern, dass er schon wieder höhlenmenschlich wirkt. Wie sagte ein kluger Mensch? “Wer das Alte wegwirft, bevor das Neue sich bewährt hat, wird das Neue nicht lange behalten, aber auch das Alte verloren haben.”
    Trotz aller Differenzen: Herzliche Grüße!

  14. Luke Lametta

    Weggeschmissen, nevah, die Bücher hab ich gemäß kapitalistischer Verwertungsimperative erbaulicher Wiederverwendung via momox zugeführt. Nachhaltigkeit is my homeboy. Ich hör all diese O-Töne seit ewig langer Zeit und ich verrat Ihnen drei Dinge dazu: 1) Manche merken schlichtweg nix, count me in. 2) Ich kenn Audiophile, deren stolzester Besitz (in etwa zu Zeiten des K&D-Hypes) ihre krankhaft teuren, ‘sauerstoffentstörten’ Speakerkabeln waren. Die gleichen Leute hören Musik heute hauptsächlich via der erlauchten Kombination iPhone/Earpods. Moden. 3) mp3 hängt halt von der Bitrate ab. 128 kbit/s merk ich zwar, stört mich aber nicht. Wichtiger: Kein Mesch kann im Blindtest 256 kbit/s mp3 von der CD unterscheiden. Dazu gabs ja auch schon mehr als genug Science. Sollten Sie den Unterschied tatsächlich merken, gehören Sie einfach zu einer Handvoll armer Teufel. Vinyl hab ich mir ebenfalls abgewöhnt, aber ich mag Ihren Habitus schon jetzt!

  15. Rennziege

    Schön, dass Sie sich mit dieser Betäubung Ihrer hehren, hochmodernen Ohrwascheln begnügen. Meine bescheidene Wenigkeit, einer Handvoll armer Teufel zugehörig, neigt ihr Haupt so submissest wie scheidend vor Ihrer geradezu göttlichen Weisheit, vor Neid erblassend.

  16. Luke Lametta

    Different strokes for different folks. 320 kbit/s können Sie auch von der CD unterscheiden? Vorsicht, am Ende laufen wir uns mal über den Weg, ich hab ‘Music’ von John Miles in verschiedenen Bitrates zur Blindverkostung immer dabei. Natürlich auf der soundalicious Plattform iPhone/Earpods:)

  17. Christian Peter

    @Rennziege

    ‘Die MP3 – Komprimierung ist die akustische Seuche des 21. Jahrhunderts’.

    Das kann man wohl sagen, die Soundqualität hat sich dadurch in allen Bereichen massiv verschlechtert. Im digitalen Zeitalter muss 10 x mehr Geld ausgeben werden, um eine vergleichbare Soundqualität vergangener Tage zu erhalten. Aber das werden Leute, die die analoge Technologie nicht kannten, wohl kaum wissen.

  18. Thomas F.

    Die Diskussion erinnert an das Gesuder beim Umstieg der Straßenbahnen auf “schaffnerlos”.
    Ob jemand speziellen Service will und dafür zu zahlen bereit ist, wird der Markt ganz gut selbst regel, wenn man ihn nur läßt.

  19. Rennziege

    21. Dezember 2015 – 00:25 Luke Lametta
    “Vorsicht, am Ende laufen wir uns mal über den Weg …”
    Gott soll abhüten, Euer Gnaden! Wer so eine dumpfbackige und drerifach benebelte digitale Begeisterung plakatiert …
    dass die höchste mp3-Auflösung (320 kbit/sec = 19200 kb/min = 2,35 MB/min) mit der vierfachen Tonqualität einer CD (10 MB/min) mithalten könne,
    bewegt sich meilenweit, möglicherweise auch a wengerl schwerhörig, unter dem Niveau der Menschen, denen ich freiwillig begegne. Dennoch alles Gute für Ihr weiteres Leben, Lucky Luke!

  20. Luke Lametta

    Holy. Wie landeten wir jetzt nochmal hier? Komme zu Recht, danke! Unter Anwendung des wissenschaftlich-liturgischen Zaubers in Form von Doppelblindversuchen und wiederholbaren Experimenten hat sich halt erdrückende Beweislast dahingehend aufgebaut, dass das menschliche Ohr gemeinhin unfähig ist, Audio-CD und (bereits) 256 kbit/s MP3 verlässlich voneinander zu trennen. Dass Kompression die Datendichte enorm verringert? Äh, ja, das ist der Sinn. Objektive Tonqualität ≠ subjektive Tonqualität, deal with it! Wollen Sie zur Steigerung des sportlichen Werts a bissi was setzen, mia cara? (déformation professionnelle)

  21. gms

    Luke,

    “Wie landeten wir jetzt nochmal hier?”

    Darf ich vermittend eine These anbieten? — De gustibus non est disputandum. Der Eindruck entsteht auch im Anlaßfall nicht in den Ohren, sondern einmal mehr dazwischen. Wer, wenn nicht der Liberale, sollte wissen um die Berechtigung des subjektiven Werts in allen Lebensbereichen?

    Bei aller sich abzeichnenden Schärfe des Disputs bleibt erfreulich, wonach hier für den eigenen Standpunkt positiv und fachkundig gestritten wird, zugleich dies aber nicht mit einer Forderung nach allgemeiner Verbindlichkeit einhergeht.
    Als jemand, der akustisch gerademal das Tropfen eines lecken Wasserhahns von Donnergrollen auseinander halten kann, freue ich mich dennoch mit all jenen, die mit mir nicht nachvollziehbaren Mitteln aus ihrer eigenen Perspektive bessere Klangergebnisse und damit einhergehend Zufriedenheit erzielen.

    Wir sollten davon absehen, Wissenschaftlichkeit fürs eigene Anliegen zu strapazieren, solange ein freier Markt selbst gegenläufige Bedürfnisse befriedigen kann. Naheliegend ist die Sorge, das von einem selbst Bevorzugte fände weniger Verbreitung, falls das Abgelehnte sich durchsetzt, doch einmal mehr ist es der Liberale, der zwar nicht hören mag, was vom Gegenüber kommt, diesem aber die Verbreitung des von ihm Bevorzugen zugesteht.

    Analog vs. digital, DIY vs. Service, Prosumententum vs. Arbeitsteilung — all diese potentiellen Konfliktlinien mögen uns beschäftigen, doch sollen sie das Ohr nicht von der tatsächlich entscheidenden Musik ablenken: Freiheit vs. Zwang.

  22. Luke Lametta

    Sowieso, und ah geh, gar nix Schärfe, Buchstabengesumse mit Mimik, Gestik und Tonfall in einer Auflösung von 0 kbit/sec, das weiß die verehrte Rennziege scho einzuordnen. Keine Sekunde bestreite ich weiters die Berechtigung des subjektiven Werts in allen Lebensbereichen, mir is ja sogar nach Belohnung, fancy a wager principessa! Um a Kracherl!

  23. Rennziege

    21. Dezember 2015 – 16:39 gms
    21. Dezember 2015 – 17:06 Luke Lametta
    Danke, Gentlemen! Ich hab’ mich zwar aus dieser Diskussion ausgeklinkt, weil Physik und Logik von Meister Luke, dem Kreationisten der digitalen Kompression, schlicht geleugnet werden.
    Sie haben recht, gms: “De gustibus …” Das menschliche Ohr + Gehirn ist nämlich eine hochentwickelte Datenbank, und deshalb hören keine zwei Menschen gleich; denn jedes neue akustische Erlebnis wird unterbewusst mit Millionen individuell erlebter und gespeicherter Klänge verglichen.
    Und die Kracherl-Wette (“wager” ist hier ein überdehnter Ausdruck) nehm ich gern an. Ich schlage vor, dass er die Wohltöne seiner Flatulenzen mit dem iPhone aufnimmt (320 kbit/s) und den unverwexxelbaren Gleichklang mit dem Live-Erlebnis vorführt.
    (Seit wann weiß ein Preuß’ überhaupt, was ein Kracherl ist? Derf er dees überhaupt wissen? Ich wittere Spionage.) 🙂

  24. Zaungast

    Ergebnisse aus Doppelblindversuchen sowie technisches Fachwissen haben für gläubige Audiophile keinerlei Aussage-, Beweis-, Überzeugungskraft, das ist so ähnlich wie bei Homöopathen. Das Geschäftsmodell ist ja auch in beiden Bereichen das gleiche: Viel Geld für Voodoo.

  25. Luke Lametta

    Na na, einmal Mund mit Kernseife und Drahtbürste auswaschen. Saupreißn? Damische. Been there, done that. Der Revolutionär muss sich in den Volksmassen bewegen wie ein Fisch im Wasser, Verehrteste, derf a. Dass Sie meine mad skillz schon jetzt überraschen, sollte Sie skeptisch stimmen. Ko e eana do fei heifa? Wird eine Kiste Cordon Rouge Brut dem wager gerecht? 1oz sound money in Philharmoniker-Form? Bitte mehr Prosa zu Physik, Religion und Anthropologie, alles dabei, am besten gefiel mir glaub ich Logik.

  26. Rennziege

    21. Dezember 2015 – 18:19 Luke Lametta
    Ein Kisterl C.R.B. wird unserem Wettchen gerecht, sofern Sie mittels mp3- und Live -Flatuelnzen relevante Hörbeispiele darzubieten bereit sind. Ohne Ohr- und Nasenstöpsel, wenn’s beliebt.

  27. Christian Peter

    @Luke Lametta

    MP3 ist Spielzeug für kleine Kinder..

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