Wo bitte bleibt das Wirtschaftswachstum?

(C.O.) Daran, dass es auch in Österreich Jahre gab, in denen die Wirtschaft um satte drei Prozent oder gar noch mehr wuchs, werden sich bald nur noch die Betagteren unter uns erinnern können; denn derart robust war das Wachstum zuletzt vor fast schon einem Jahrzehnt. Dass sich daran so bald etwas substanziell ändern wird, ist derzeit nicht zu erwarten. Mickrige Wachstumsraten zwischen ein und zwei Prozent scheinen das neue Normal zu sein. Das dämpft nicht nur den Wohlstand der Österreicher. Das führt vor allem auch dazu, dass die Arbeitslosigkeit hoch bleibt und chronisch wird. Denn um etwa die von der Regierung angepeilte Vollbeschäftigung bis 2020 tatsächlich entstehen zu lassen, müsste die Volkswirtschaft doppelt so schnell wachsen wie derzeit. Rasend realistisch erscheint das aus heutiger Sicht nicht.

Dass die Wirtschaft derart lahmt, ist umso erschreckender, als derzeit eigentlich tolle Voraussetzungen für einen veritablen Boom herrschen: Die Zinsen niedrig wie nie, Energie zum Spottpreis und ein schwacher Euro – besser geht’s eigentlich kaum. Im Lehrbuch der Volkswirtschaft führt so eine Konstellation fast zwingend zu einem knackigen Aufschwung. Man will sich deshalb lieber nicht vorstellen, was mit dem ohnehin nur kümmerlichen Wachstum passiert, sobald die Zinsen wieder steigen, das Öl teurer und der Euro härter wird.

Dass nennenswertes Wachstum in weiten Teilen Westeuropas zu einem aussterbenden Phänomen geworden ist, dürfte nicht zuletzt der Art und Weise geschuldet sein, wie der Finanzcrash vor einem Jahrzehnt politisch beantwortet wurde: mit abenteuerlichen Mengen Geld, die nun als Schuldengebirge die Budgets über Gebühr belasten. Damit wurde zwar unmittelbar nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ein unkontrollierter Kollaps vermieden – aber gleichzeitig auch jene chronische ökonomische Schwäche begründet, unter der wir bis heute leiden und wohl auch noch länger leiden werden. Denn jeder ökonomisch auch nur halbwegs Kundige sieht, wie einsturzgefährdet Europas wirtschaftliches Gebäude seit dem Crash ist: Griechenland ist nach wie vor pleite, italienische Banken sind am Rande des Zusammenbruchs, und selbst einst prestigeträchtigen deutsche Banken sind plötzlich als Mega-Zeitbomben gefürchtet – und all das von scheinbar unbegrenzter Liquidität der Europäischen Zentralbank über Wasser gehalten.

Statt nach 2007 alle krisenbedingt uneinbringlich gewordenen Forderungen an Staaten, Banken und andere ökonomische Akteure abzuschreiben, eine schwere Rezession zu riskieren und bald wieder kräftiges Wachstum zu haben, zog Europa, ähnlich wie schon früher Japan, einen Schrecken ohne Ende dem Ende mit Schrecken vor. Weil aber alle wissen, dass die Staatsschulden von heute die Steuern von morgen sind, und gleichzeitig niemand weiß, ob der historisch einmalige und noch nie da gewesene Plan der EZB, die Zinsen so lange so niedrig zu halten und Monat für Monat gewaltige Geldbeträge zu schaffen, nicht am Ende fürchterlich scheitern wird, herrscht enorme Verunsicherung unter jenen, die Geld investieren könnten; zum Beispiel in Fabriken, die Leuten Arbeit geben – was genau jene Stagnation erzeugt, unter der wir wohl noch länger leiden werden, als uns lieb sein kann. (WZ)

10 comments

  1. Gerald

    Zieht man das Anwachsen der Scheinwirtschaft in Österreich vom verkündeten Wirtschaftswachstum ab, so befinden wir uns wahrscheinlich schon in einer Stagnation oder sogar in einer Rezession.
    Die Rundumversorgung und Bertreuung sowie Grenzschutz, Bewachung, erhöhte Kriminalität, etc. führt nur in den Köpfen der Politiker und der Statistiker zu Wirtschaftswachstum. Defacto ist es eine Verarmung derjenigen, welche für dieses Schlamassel geradestehen dürfen und das sind immernoch die Steuerzahler. Wobei nur noch Utopisten glauben, das der Großteil der Neuankömmlinge jemals Steuern zahlen wird.

  2. Thomas Holzer

    @Gerald
    Sie schreiben es!
    Aber was soll man von Politikerdarstellern schon erwarten, wenn diese in “Zeiträumen” von, wenn überhaupt, Legislaturperioden denken, vielmehr wohl eher von Schlagzeilen

  3. Kluftinger

    Rahmenbedingungen: So lange ein Gärtner drei verschiedene Gewerbescheine braucht um seine Produkte bzw. Dienstleistungen los zu werden, kann von geeigneten Rahmenbedingungen nicht gesprochen werden.
    Und wenn ein Unternehmer eine Mitarbeiter 11 Minuten zu spät anmeldet und daher mit € 2200 bestraft wird, lebt zwar das Arbeitsinspektorat gut, aber die Wirtschaft lahmt – no na! 🙁

  4. sokrates9

    Wie soll die Wirtschaft wachsen wenn jeder Unternehmer als Regierungssklave gehalten wird,
    jede Investition keine Zinsen bringt, und als Konsumenten dank unserer Refugees-Welcome
    Regierung auch das Volk befürchtet übermässig zu konsumieren?

  5. Leitwolf22

    @Gerald @Thomas Wenn ihr bloß wüstet welcher Zahlpanscherei dem Wirtschaftswachstum zu Grunde liegt, dann würdet ihr nicht solche harmlosen Verdächtigungen aussprechen.

    Die Annahme, man müsse erst irgendwelche Pseudoleistungen sinnwidrig (aber regelkonform!) ins BIP einrechnen, um auf schöne Zahlen zu kommen ist naiv. Realer ist so: man schlagt einfach ein 1 oder 2% oben drauf, bei Bedarf auch mehr, einfach so. Denn es gibt nun mal niemanden der es nachprüfen würde 😉

  6. Der Realist

    wohin soll die Wirtschaft wachsen, grenzenloses Wachstum gibt es nicht, die Wirtschaft in Schwung halten nicht die Unternehmer, sondern die Konsumenten, und die haben eben nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung um all die Produkte und Dienstleistungen nachzufragen, daher stockt logischerweise auch das Wachstum.

  7. mariuslupus

    Na, wo bleibt es, das Wirtschaftswachstum ? Die Wirtschaft sitzt im Verlies und wartet ob der Wärter gnädig ist etwas Wasser und Brot, herunterzulassen.

  8. gms

    Der Realist,

    “wohin soll die Wirtschaft wachsen, grenzenloses Wachstum gibt es nicht”

    Weder bedarf es grenzenlosen Wachstums, noch sind auch nur annähernd zufriedenstellende Zustände erreicht.

    “die Wirtschaft in Schwung halten nicht die Unternehmer, sondern die Konsumenten”

    Das ist nicht nur im Allgemeinen falsch, sondern umso mehr für jene Länder wie Österreich, die keine dedizierte Konsumgüterindustrie haben.

    “und die haben eben nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung”

    Der Popanz der Unbegrenztheit ist ziemlich abgedroschen, noch dazu wo der Globus aktuell doch mit dem Zeugs regelrecht überschwemmt wird, wovon manche meinen, es wäre Geld.

    “um all die Produkte und Dienstleistungen nachzufragen, daher stockt logischerweise auch das Wachstum.”

    Das BIP steht aktuell am Stand von 2007, bei steigender Bevölkerungszahl pro Kopf in Relation zu 2012/13 ist es sogar rückläufig, und das trotz wachsender Staatsverschuldung.

  9. Der Realist

    @gms

    Sie sind sicher auch einer dieser “Wirtschaftsexperten” die stets Wachstum fordern, wie das genau gehen soll, haben uns diese allerdings noch nie erklärt, bis auf die üblichen Standardaussagen.
    Und damit es auch alle verstehen, jeder Betrieb, jeder Dienstleister wird relativ bald zusperren, wenn keine Kunden deren Angebote nicht nachfragen.
    Und alles was wir kaufen sind Konsumgüter, angefangen vom Auto bis zur Banane, da leben auch in Österreich die Betriebe und Mitarbeiter, würden wir die Hälfte von dem was angeboten wird nicht kaufen, was wir eh nicht unbedingt brauchen, es würden so ziemlich alle Firmen und Handelsketten massive Schwierigkeiten bekommen.
    Und Sie verwechseln auch das Geld, das die Menschen mit ehrlicher Arbeit verdienen, mit dem die Finanzhaie jonglieren.

  10. gms

    Der Realist,

    “Sie sind sicher auch einer dieser „Wirtschaftsexperten“ die stets Wachstum fordern wie das genau gehen soll, haben uns diese allerdings noch nie erklärt, bis auf die üblichen Standardaussagen.”

    Das einzig Sichere hier ist die Blafasligkeit Ihrer ad hominem gerichteten Behauptungen.

    “Und damit es auch alle verstehen”

    Putziges Pfeifen im Wald.

    “jeder Betrieb, jeder Dienstleister wird relativ bald zusperren, wenn keine Kunden deren Angebote nicht nachfragen.”

    Nur hat dies nichts mit ökonomischem Fortschritt zu tun, der auf Innovation und Schaffenskraft basiert in einem Umfeld, wo der Unternehmer halbwegs begründet Zuversicht hat. Was Sie ergänzend einmal mehr nicht behirnen: Neben der Konsumgüterindustrie existiert jene für Produktionsmittel. Wenn den Kunden aus welchen Gründen auch immer das Angebot nicht behagt, wird es von der Wirtschaft geändert, bloß unterbleibt auch das, wenn die Politik das System versaubeutelt.

    “Und Sie verwechseln auch das Geld, das die Menschen mit ehrlicher Arbeit verdienen, mit dem die Finanzhaie jonglieren.”

    Es gibt nur ein Geld, und es gibt nur eine Kaste, die in sozialistischer Manier darüber bestimmt. So Sie sich ergänzend und weiterhin in körpernaher Argumentation üben wollen: Seien Sie versichert, darin haben sich schon lautere Kläffere als Sie es sind erfolglos versucht.

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