Wo der islamische Staat wirklich herkommt

” Ein Irrtum wäre die Annahme, es handle sich bei den IS-Leuten aus Saddams Rängen um ‚glaubensfreie Ingenieure der Macht‘ .Bereits Anfang der achtziger Jahre nämlich,(…) hatte Saddam Hussein als Reaktion auf die iranische Revolution ein umfassendes Projekt zur Verschmelzung von Ba’athismus und Salafismus begonnen. Zu den bösen Früchten dessen zählten die Mannschaften der Hussein direkt unterstellten paramilitärischen Aufstandsbekämpfungstruppe ‚Fedayin Saddam‘, heute ebenfalls wiederzufinden im IS. Sie bilden eine Einheit mit kampferprobten Jihadisten und den jungen Männern aus Nordafrika und Europa, die die sadomasochistischen Machtgelüste ihres autoritären Charakters im Herrschaftsbereich des IS mit Vorliebe als Sittenpolizisten verwirklichen oder sich als Selbstmordattentäter betätigen.“ (weiter hier)

8 comments

  1. Selbstdenker

    “Bereits Anfang der achtziger Jahre nämlich […] hatte Saddam Hussein als Reaktion auf die iranische Revolution ein umfassendes Projekt zur Verschmelzung von Ba’athismus und Salafismus begonnen. Zu den bösen Früchten dessen zählten die Mannschaften der Hussein direkt unterstellten paramilitärischen Aufstandsbekämpfungstruppe ‚Fedayin Saddam‘, heute ebenfalls wiederzufinden im IS. Sie bilden eine Einheit mit kampferprobten Jihadisten und den jungen Männern aus Nordafrika und Europa […]”

    Wie bereits erwähnt: ein Hybrid aus halal-konformen Neoprogressivismus und Salafismus.

  2. cmh

    Und mit den vormaligen Gegnern Saddhams, den Iranern machen die Amiländer Atomdeals.

  3. Rennziege

    Es war immer schon bequem, einem verblichenen Diktator die Schuld an der Gegenwart ins Grab nachzuwerfen. Aber unter Saddam war der Irak, an orientalischen und nahöstlichen Parametern gemessen, ein stabiler, teilweise sogar westlich orientierter Staat. Weder Christen noch Juden mussten dort um ihr Leben fürchten. An der Uni Bahdad ünterrichteten britische und deutsche Professoren, und das Land erlebte einen gewissen Aufschwung.
    Freilich war der Überfall auf Kuwait einer idiotischen Hybris geschuldet, für die Saddam heftig auf die Birne bekam. Der wahre Verfall begann mit der Invasion der Amis, den sogar Bush mittlerweile bereut.

  4. Rado

    Dann gibt es da natürlich auch die Türkei und Saudiarabien, engste Verbündete der USA in der Region, welche den islamischen Staat mehr oder weniger offen unterstützen.
    Und dann gibt es da noch das Photo mit US Senator John Mc Cain wie er dem spätern “Kalifen” al Baghdadi 2011 am Vorabend der Ausufung des Kalifates die Hand schüttelt.
    Die Sache mit der Enthauptung von James Foley war McCain dann übrigends sichtlich unangenehm. es gibt da sehr originelle Interviews in US-Fernsehstationen wobei sich der Herr US-Senator gleich mehrmals verplappert.
    Der Islamische Staat ist ein Monster welches die USA mitgeschaffen haben und über welches sie bis heute im Wesentlichen ihre schützende Hand halten, es bewaffnen und finanzieren!

  5. Selbstdenker

    @Rennziege:
    Der Bevölkerung ging es im Irak, in Syrien unter der sozialistischen aber zunächst säkularen Baath-Partei sicherlich besser als heute. Selbst Afghanistan war in den 1970iger-Jahren ein vergleichsweise lebenswertes Land.

    Als “Lessons Learned” aus dem Iran-Irak Krieg in den 1980iger-Jahren und zur Förderung vom eigenen Machterhalt hatte Saddam Hussein eine Verschmelzug vom Baathismus und Salafismus vorangetrieben. Einerseits islamistische Rebellengruppen bekämpfen und anderseits die eigene Partei für religiöse Einflüsse zu öffnen war im Milieu arabischer Diktatoren in den 1980iger- und 1990iger-Jahren das Mittel der Wahl.

    Saddam Hussein verkündete noch kurz vor seinem Sturz, dass er für die einmarschierenden Amerikaner eine “Überraschung” parat hätte.

    Die Entstehung vom IS ist meiner Meinung nach der enormen Inkompetenz bei der Situationsbeurteilung durch die Amerikaner einerseits und der Starthilfe durch Saudi Arabien, Katar und der Türkei anderseits geschuldet.

    War die enorme Polarisierung und die Reduktion potentieller Entscheidungsmöglichkeiten auf unbrauchbare Alternativen der “Verdienst” von Bush, so war es der “Verdienst” von Obama, dass er glaubte den Wahnsinn von Bush mit vermeintlich umgekehrten Vorzeichen weiterbetreiben und überkompensieren zu können. Wahnsinn hat aber kein Vorzeichen; Wahnsinn ist absolut.

    Die vom Irak-Krieg und der globalen Finanzkrise 2008 desillusionierte internetaffine Generation der “Millenials” wurde von Obama bei seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf sehr umworben. Die verschiedenen Grassroots-Bewegungen wurden als indirekte Wahlkampfhelfer mit Geld ausgestattet, ideologisiert und organisiert: der Neoprogessivismus hielt Einzug in die Generation der Millenials.

    Islamistische Ideologen und die Muslim-Brüder als deren im Westen hoffähige Lobbyisten, sind durchwegs wache und scharfsinnige Beobachter. Sie haben dieses Ausschlagen vom politischen Pendel innerhalb der Millenials erkannt und sprechen daher gezielt Jugendliche und junge Erwachsene im Westen an.

    Sie nutzen ihre Medien, sprechen ihre Sprache und kennen viele ihrer Einstellungen besser als deren Eltern. Als weltweit finanzkräftigste Terrororganisation ist der Islamische Staat zum “Content Producer” aufgestiegen, den er als “Appetizer” über die alten und als permanent-Programm über die neuen Medien verbreitet.

    Die alten Kader von Saddam Hussein mit ihrer Mischideologie aus Baathismus und Salafismus bildeten die Vorgängerversion vom Islamischen Staat. Um den eigenen Aktionsradius zu erweitern und sich eine wachsende Anhängerschaft im Westen zu erschließen, wurde ein Upgrade vom Baathismus zum aufwärtskompatiblen Neoprogressivismus vorgenommen.

    Es entstand damit der Islamische Staat in seiner heutigen Form: ein Hybrid aus halal-konformen Neoprogressivismus und Salafismus.

  6. Tom K.

    @Selbstdenker

    … schön zusammengefasst und jetzt ? Mich würde interessieren, wie Sie die zukünftige Entwicklung sehen. Im Moment erblicke ich da in absehbarer Zeit keinerlei “Lösungsansätze” für alle Beteiligten. Schlimmer noch, befürchte ich ein “Revival” der mittelalterlichen Kreuzzüge / Glaubensschlachten, die uns alle nur zu Verlierern macht.

  7. Selbstdenker

    @Tom K.
    Einen asymmetrischen Krieg gewinnt man nicht primär mit Panzern und Kampfhubschraubern, sondern in dem man die Logik des Gegners knackt.

    Wer ist der Gegner und wovor hat er am meisten Angst?
    Worin liegt seine Kraft und wie kann ich ihn dazu bringen, dass er diese gegen sich selbst richtet?
    Wie zertrümmere ich seine Macht in zig Einzelteile?
    Wie kann man seine Kommunikation derart stören, dass er sich nicht mehr koordinieren kann?

    Das Hauptproblem in der gegenwärtigen Strategie vom Westen liegt darin, dass man nicht wissen möchte mit wem man es wirklich zu tun hat. Das Offensichtliche darf nicht benannt werden.

    Drei Maßnahmen kann man meiner Meinung nach jetzt schon klar benennen:
    1) Angelika Merkel muss zurücktreten
    2) Die Grenzen müssen schnellstmöglich geschlossen werden – das ist eine Überlebensfrage!
    3) Abschaffung sämtlicher Meinungs- und Verhetzungsparagraphen

    Insbesondere der Punkt 3) hat es in sich. Sehr vieles ist ja offensichtlich und die Leute sind bei weitem intelligenter als man sie einschätzt.

    Wir haben es mit einem Gegner zu tun, der zum Teil recht einfach bekämpft werden kann, wenn man ihn öffentlich benennen und Lösungen diskutieren darf.

    Zu Punkt 2) Die Grenze ist besser als ihr Ruf. Ein sich anbahnender Krieg kann nur durch eine in jeglicher Hinsicht gesicherte Grenze abgewendet werden.

    Zu Punkt 3) Angela Merkel vereint sowohl den Wahnsinn von Bush als auch den von Obama in einer Person. Merkel verursacht durch ihre politische Methodik existenzielle Krisen. Selbst wenn sie gute Absichten hätte, wird sie die falschen Fragen stellen und es bleiben desaströse, “alternativlose”, eigenmächtig getroffene Grundsatzentscheidungen übrig. Mit Merkel wird es keine Lösung geben.

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