Wo die grausamste Terrorgruppe der Welt herkommt

Von | 16. April 2016

(von Volker Seitz) Erstmals seit der Unabhängigkeit Nigerias im Jahre 1960 kam es 2015 zu einem friedlichen Machtwechsel in dem durch Putsche und Gegenputsche gebeutelten Land. Was anderswo selbstverständlich scheint, ist dort ein Hoffnungszeichen. Wahlsieger Muhammadu Buhari ist ein ehemaliger Kommandeur der nigerianischen Streitkräfte. Er hatte sich bereits 1983 an die Macht geputscht, war aber schon 18 Monate später wegen “wirtschaftlicher Inkompetenz” von einem anderen General gestürzt worden. Vorgänger Goodluck Jonathan war als Präsident schwach und gegen den Terror von Boko Haram verhielt er sich passiv. Das frühe Eingeständnis seiner Niederlage und der friedliche Übergang von Jonathan zu Buhari machten ihn erstaunlicherweise zum Volkshelden. Buhari zeigt sich engagierter als sein Vorgänger im Kampf gegen die Islamisten. Er entließ die gesamte Führung der Armee sowie den nationalen Sicherheitsberater. Er hat die Streitkräfte neu organisiert, woraufhin die Armee große Gebiete in Nordnigeria von den Islamisten ….. (weiter hier)

6 Gedanken zu „Wo die grausamste Terrorgruppe der Welt herkommt

  1. Volker Seitz

    Durch die ungerechte Verteilung der Einnahmen aus Nigerias reichen Naturressourcen, sind soziale Spannungen vorprogrammiert, auch der Zulauf zu islamistischen Terrororganisationen findet hier eine Erklärung. Religion liefert den Vorwand für Verbrechen, die mit Religion nichts zu tun haben. Die islamische Terrororganisation Boko Haram strebt ein zweites Somalia an. Die Sekte wird mehr und mehr zu einer Bedrohung für die Stabilität Nigerias und der Region. Sie wollen in ganz Nigeria das Recht der Scharia einführen und hassen alle Formen der Modernisierung, Demokratie und Frauenrechte. (Der harte Kern von Boko Haram rekrutiert sich aus der Ethnie der Kanuri, die auf nigerianischer, nigrischer und tschadischer Seite des Tschadsees lebt.) Getrieben von dem primitiven Bedürfnis, alles zu zerstören haben sie alle zivilisatorischen Hemmungen und Menschlichkeit abgelegt. Ihre Aktionen gegen Bildungseinrichtungen haben im Nordosten des Landes bereits dazu geführt, dass viele Schulen aus Sicherheitsgründen geschlossen wurden. Die Terror-Truppe verhindert, dass insbesondere Frauen keine Bildung bekommen, um sie damit in totaler Abhängigkeit zu halten.Religion wird fundamentalistisch ausgeübt mit einem hohen Maß von sexualisierter Gewalt und Frauendiskriminierung.
    Der lange vernachlässigte Norden des Landes muß von der nigerianischen Regierung entwickelt werden. Die nationalen und lokalen Behörden müssen dafür sorgen, dass die ärmsten Nigerianer Zugang zu guter Bildung bekommen und Arbeitsplätze schaffen, damit junge muslimische Männer Alternativen haben und sich nicht mehr den Fanatikern anschliessen.

  2. Falke

    @Volker Seitz
    “Die Terror-Truppe verhindert, dass Frauen keine Bildung bekommen” – Das heißt also, mit anderen Worten: Die Terror-Truppe garantiert, dass Frauen Bildung bekommen. Dann ist ja alles in Ordnung. Oder habe ich da etwas falsch verstanden, bzw. haben Sie genau das Gegenteil davon gesagt, was sie eigentlich ausdrücken wollten?

  3. Volker Seitz

    @Falke Danke für die Korrektur: Es muss natürlich heißen: “Die Terror-Truppe verhindert, dass Frauen Bildung bekommen“

  4. Fragolin

    Erst vor Kurzem habe ich mit einem Ohr aus dem Nebengeräusch-TV vernommen, durch den glorreichen und weisen Deal Deutschlands mit dem lupenreinen Djiha…, äh, Demokraten Erdogan wäre das Problem aus dem Orient einsickernder Terroristen und Steinzeitmuslime erledigt, denn es kämen jetzt nur noch Volksmassen aus Richtung Nigeria, Somalia und Sudan Richtung Europa geströmt. Als ob es dort nur hochentwickelte Demokratien gäbe und die Menschen humanistische Ideale lebten (was dann nach den Fluchtgründen fragen lässt…).
    Der normale EU-Insasse mag es ja noch nicht bemerkt haben, weil es so schön weit weg ist und wen interessieren schon irgendwelche Afrikaner, aber gegen Boko Haram ist der IS ein Kindergeburtstag mit Ponyreiten. Was die in den letzten Jahren aufgeführt, wie viele Menschen sie geschächtet haben oder – mutige Gotteskrieger wie diese feige Bagage zu sein vorgibt – durch zu laufenden Bomben umgebauten entführten Kleinkinder in die Luft gesprengt haben, da müssen AlKaida und IS gemeinsam noch eine Weile dran stricken.
    Hat jetzt aber mal nichts mit dem Islam zu tun. Könnnte auch bei uns durch radikale Adventisten des Siebten Tages oder fanatische Buddhisten passieren. (Ist zwar Bullshit, aber dafür politisch korrekter Bullshit).

  5. Mona Rieboldt

    Fragolin
    Es ist völlig egal, wie sich diese Gruppen nennen, ob Boko Haram oder IS oder sonstwie. Es bilden sich immer wieder solche Gruppen, die möglichst viele Menschen töten, um ihre Macht herzustellen. Und egal ob in Nigeria, Libyen, Europa, eines ist ihnen allen gemeinsam. Es sind Moslems. Da können die Länder noch so entwickelt sein, es werden sich immer solche islamischen Gruppen bilden. Gedanken darüber anzustellen, welche dieser Gruppen am grausamsten ist, halte ich schon für Wahnsinn an sich.

  6. gms

    Volker Seitz,

    wie bereits an anderer Stelle dargelegt, ist Afrika trotz seiner Ressourcen geopolitisch nachrangig und daher auch kein entscheidendes Gebiet für fremde Militärbasen, die wiederum ein stabiles prowestliches Regime im Land erfordern, das mit eigenen Landsleuten dauerhaft klarkommt.
    Das Herbeibomben von vorgeblich geordneten Zuständen ist teuer und unterbleibt, solange man Rohstoffe auch mit anderen Mitteln an den lokalen Völkern vorbei abgreifen kann.

    Zynisch? Vielleicht, aber die ganze Debatte um afrikanische Zustände ist hochgradig naiv mit einem Zug ins Verlogene, solange dabei nicht handfeste Interessenslagen berücksichtig werden. Der bekannteste westliche Vermittler zu Boko Haram ist der Shell-Mitarbeiter Stephen Davis, komisch nicht wahr? Im Mai 2014 wird Nafeez Ahmand im “Guardian” noch deutliche, wenn er schreibt: ‘Islamist militancy in Nigeria is being strengthened by western and regional fossil fuel interests’.

    Das Sie rezent selbst Korruption im Ölgeschäft als Dreh- und Angelpunkt speziell im Kontext Nigeria und Boko Haram thematisieren, ist fraglos angebracht, zugleich aber befremdet der Umstand, wonach Sie mit keiner einzigen Silbe der Frage nachgehen, wer denn dort die lukrativen Geschäfte betreibt.

    theguardian.com/environment/earth-insight/2014/may/09/behind-rise-nigeria-boko-haram-climate-disaster-peak-oil-depletion

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