Wo sind wir da falsch abgebogen?

Von | 4. Dezember 2021

(C.O.) So unerfreulich das Coronavirus insgesamt ist, für eines muss man ihm regelrecht dankbar sein: Es hat einigermaßen schonungslos eine echte strukturelle Schwachstelle dieses Landes und seiner Bewohner sichtbar gemacht, die dringend der Reparatur harrt, auch wenn Corona irgendwann längst überwunden sein wird: eine besonders ausgeprägte Skepsis nicht nur gegenüber der Covid-Impfung, sondern bis zu einem gewissen Grad auch der Wissenschaft und Technik insgesamt gegenüber. Zu verfestigen scheint sich, was eine Eurobarometer-Umfrage schon 2014 zeigte: “Laut der Umfrage”, vermeldete die APA damals, “gehörte die Alpenrepublik zu jenen Ländern, deren Bürgerinnen und Bürger im Europa-Vergleich am seltensten einen positiven Effekt von Wissenschaft und Innovation auf verschiedene gesellschaftliche Fragestellungen sehen.”

Das fällt uns jetzt ganz ordentlich auf den Kopf, etwa in Gestalt einer eher überschaubaren Covid-Impfrate und eines massiven, quer durch alle Bevölkerungsschichten gehenden irrationalen Widerstandes gegen die wissenschaftlich gebotenen und fundierten Methoden der Pandemiebekämpfung, von Masken über Tests bis zur Impfung.
Wo sind wir da eigentlich falsch abgebogen? Ein Teil der Erklärung mag in der Geschichte des Landes liegen. Denn Österreich vertrieb oder vernichtete nach 1938 einen erheblichen Teil jenes – oft jüdischen – Bildungsbürgertums, das gemeinhin die gesellschaftliche Basis aufklärerischen, rationalen Denkens bildet. Nach dem Krieg konnte diese intellektuelle Leere nicht gefüllt werden, davon habe sich Österreich teils bis heute nicht erholt, analysierte jüngst der Ökonom Ulrich Berger von der WU Wien im “Standard”.

Gefüllt haben sie zunehmend unwissenschaftliche und irrationale Methoden und vermeintliche Therapien wie Homöopathie, anthroposophische Medizin, Steinheilung, Irisdiagnostik, Kinesiologie, Ayurveda oder die Verwendung von Bachblüten, Schüßler-Salzen und Grander-Wasser – um nur einige zu nennen. (Einen guten Überblick über die traditionelle Schwurblerszene bietet das gerade erschienene Buch “Geschäfte mit dem Nichts – Risiko Scheinmedizin” von Theodor Much und Edmund Berndt.)

Es ist wohl einer an sich sympathischen österreichischen Variante von “Leben und leben lassen” geschuldet, dass die Vertreter von Vernunft und Aufklärung diesem intellektuellen Tumor zu lange zu wenig Beachtung schenkten. Dass zahllose Apotheken heute Globuli verkaufen und auch die Ärztekammer nicht frei von Vertretern der Quack-Fraktion ist, passt leider in dieses Bild – und verleiht der Gegenaufklärung eine Aura von Legitimität.
Einen Booster für die Unvernunft in diesem Kontext stellte der politische Kampf der Grünen gegen Technologien wie die Gentechnik dar; dass in den grün-affinen Ländern Deutschland und Österreich vor allem die neuen mRNA-Impfstoffe auf Skepsis stoßen, überrascht da wenig. Dass heute vor allem rechtsextreme Corona-Skeptiker die Früchte dieser Gegenaufklärung ernten können, ist eine subtile Pointe der Geschichte. Gelingt es nicht, der Aufklärung wieder mehr Gehör und Gewicht zu verschaffen, wird Corona nicht die letzte Krise sein, an der wir weitgehend scheitern. (“Wiener Zeitung”)

18 Gedanken zu „Wo sind wir da falsch abgebogen?

  1. Mourawetz

    Ich habe auch nie verstanden, wie man erwarten kann, dass sich Leute einen mRNA Impfstoff ins Blut spritzen sollen, die seit Jahrzehnten darauf abgerichtet wurden, nur gentechnikfreie oder Bioprodukte am besten beides zu konsumieren. In Österreich Deutschland ist der Bioanteil besonders hoch. Atomstrom möchte man ja auch nicht nur grün darf die Energie sein. Lobautunnel darf keiner sein. Beim Umweltschutz sind wir besonders fortschrittlich.

  2. dna1

    Vielleicht liegt es auch nur daran, dass die Gesellschaft aufgeklärter ist und viele sich nicht mehr jeden Mist einreden lassen. Die Vorstellung, geschätzter Hr. Ortner, die Wissenschaft wäre so unfehlbar, ist ziemlich naiv, wenn sie erlauben. Und das gilt für viele Bereiche, nicht nur Medizin. Es gibt ein sehr gutes Buch über “Systemische Evolution” von Peter Mersch, bitte, lesen sie darin zumindest das Kapitel zu “Wissenschaft und Evolution”, dann sehen sie manche Dinge vielleicht anders.

  3. dna1

    Als Nachtrag zum Thema Wissenschaft und Corona. Auf welche Wissenschaft soll ich denn nun hören? Es gibt eine Unzahl an renommierten Wissenschafter, die das vorherrschende Narrativ ganz und gar nicht teilen, warum soll ich nicht auf diese hören? Es gilt doch nicht nur die im ORF verbreitete Wissenschaft, wo in Diskussionsrunden – erstaunlicherweise – Mathematiker über Corona diskutieren und meinen Virologen widersprechen zu können. ich bekomme dann immer Assoziationen mit diesem Witz, über den ich oft nicht lachen kann. “Wien, 20. November: Eine Gruppe von Wissenschafter hat festgestellt, dass die Tage im kürzer und Nächte immer länger werden. Der Mathematiker unter ihnen warnt nun, dass es ab 19. März keine Tage mehr geben wird, mit verheerenden Folgen für die Menschheit.” Haha

  4. GeBa

    WIR sind nirgends falsch abgebogen, WIR, die sich gegen etwas das sich Impfung nennt und nicht anderes als genverändernder Dreck ist, nicht spritzen lassen, WIR wehren uns gegen politische Willkür!!!
    WIR SIND DAS VOLK

  5. Leo Dorner

    Nicht erst “1938”, schon der Ausschluß von Kants Schriften aus dem katholischen Habsburg-Österreich war der Anfang vom Übel.
    Auch ist die neue “Wissenschaftsfeindlichkeit ” besser gerüstet. Sie läßt sich im Kanalsystem der “sozialen Medien” genau informieren- durch Heerscharen neuer Experten, die sich allesamt auf Poppers Falsifikationsprinzip berufen…Also kann die Vertreibung der Wiener-Kreis-Philosophen nur ein politisches, nicht ein wissenschaftliches Übel gewesen sein.
    LD

  6. Falke

    Nein, wir sind nirgends abgebogen, sondern auf dem geraden Weg geblieben, allerdings haben wir – wie es eigentlich normal und natürlich sein sollte – nicht nur auf die ein Seite geblickt, sondern auch auf die andere. Und da gab es durchaus unterschiedliche Landschaften und deren Bearbeiter. Natürlich hat jede Seite dan Anspruch erhoben, die einzig richtige zu sein – klar, jeder Händler lobt seine Ware. Wir wurden aber von klein auf so erzogen, immer zu vergleichen, bevor wir uns für das entscheinden, was unseren Bedürfnissen am besten entspricht. Und genau das tun wir auch. Neu ist nur, dass die eine Seite fürchterlich wütend ist, dass wir (also viele von uns, mindestens ein drittel) auch die andere Seite gut, ja sogar besser finden. Aber wir werden uns auch daran gewöhnen, obwohl – man muss es so hart ausdrücken – nur autoritäre Regime darauf bestehen, im Besitz der einzgen und absoluten Wahrheit zu sein.

  7. Susi

    Ich denke in der Schule/Universität sind wir zuerst falsch abgebogen (war Jahrzehnte SPÖ geführt) hier wird nicht mehr Wissenschaft gelehrt, über die man diskutiert und wo man Konsensfähigkeit lernt und sie in der Praxis anzuwenden versucht, sondern ICH mache was ICH will, ICH VERLANGE was MIR zusteht, ICH will das, was die ANDEREN haben- OHNE Leistung, es ist MIR egal ob ICH (zB mit einer Impfung) mithelfen kann eine Krise zu lösen, ICH tue es nicht weil ICH keine Lust haben….Kickl und Co lässt grüßen.

  8. klausi1

    @Susi, ja, allerdings nicht in, sondern “mit” der Uni sind wir falsch abgebogen, weil jeder noch so Unbegabte etwas studieren muss, vor allem und besonders auch wenn es eine Frau ist, damit sie dann am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, und weil Physik und IT halt schwierig sind, weil man dort etwas Nachprüfbares wissen muss, studiert man lieber Gender-Wissenschaften und sonstigen Laberquatsch, wo man nichts können muss, außer blöd daherreden. Hinterher fühlt man sich als Magistra-er-innen* dann unglaublich klug und erwartet sich einen tollen Job, obwohl für nichts zu gebrauchen. Und dann wird man halt Fahrradbeauftragte in irgendeinem Ministerium, oder irgendetwas bei den Grünen, und richtet noch mehr Schaden an.

  9. Cora

    Mittlerweile neige ich dazu, der Impfpflicht zuzustimmen. Ich hielt das anfangs für keine gute Idee, aber die Impfskeptiker (“…ICH tue es nicht weil ICH keine Lust haben….Kickl und Co lässt grüßen” .etc.) haben mich eines besseren belehrt, es geht nicht anders, leider. Alternativ wäre der Ausschluss vom österreichischen Gesundheitssystem für jene zu erwägen, die sich trotz großflächigem Impfangebot mit Corona angesteckt haben. Doch das wäre inhuman: was, wenn der Betreffende sich reumütig zeigte, soll man ihn dann verrecken lassen? Im Augenblick des Todes will niemand sterben, selbst die ärgsten Häretiker werden da plötzlich lammfromm. Nein, es bleibt nur der Impfzwang. Das ist die ethisch einzig vertretbare Möglichkeit.

  10. Walter Mitterbauer

    Faktenfreies Glauben kommt halt von Unwissenheit. Diese zu ändern ist halt in eines Jeden ein eigener Verantwortung. Tatsache ist halt die große Mehrheit der Kranken auf Intensivstationen, wo sie auf die Betreuung durch Pfleger und Ärzte angewiesen sind, sind jetzt Ungeimpfte – Ausnahmen bestätigen wie überall eine Regel.
    Darüber könnte alle auf einer Demo gegen Impfen nachdenken, wenn sie wollten.

  11. sokrates9

    Abgebogen sind die Medien, die keine freie Diskussion mehr zulassen und Andersdenkende als Klimaleugner – was für ein Idiotenwort – Klima kann man nicht leugenen, was auch niemand tut – wird nur zur Verächlichmachung verwendet.Was die Coronaspezialisten betrifft ist dies leider auch eine permanente Manipulation und Lüge die da stattfindet.Wenn man sieht wie Zahlen gefälscht werden, Nonsensdefinitiionen für Coronatoter, Pandemie, aufgestellt werden, wie Tests wo sich Österreicher Millionenstundenweise angestellt haben dann nicht mehr gelten, wo impfpässe gekürzt werden, wo es git 1 Impfung ( johnson)reicht, dann 2 jetzt 3, vierte wird in Aussicht gestellt kann man nicht von seriöser Wissenschaft reden.Auch die Schukabbrecherin Greta die in höchsten Gremien auftritt trägt doch nicht dazu bei die Begeisterung für Wissenschaft zu erhöhen! NS bin geimpft…

  12. hausfrau

    @Cora
    Alternativ und viel effektvoller und auch viel schneller – sollte man Impfverweigerer nicht eventuell erschießen?
    Vielleicht wegen dem Ausgleich, daß geimpfte viel häufiger erkranken und überraschend versterben?
    Sind doch eh alle Rechtsextreme, da hat man gleich eine gute Tat vollbracht.

  13. Wolfgang Rauh

    Vorab gesagt: Dass es Leute gibt, die im Zusammenhang mit Covid-19 puren Schwachsinn verbreiten, steht völlig außer Frage. Idioten gibt’s überall und hier sind sie vielleicht sogar besonders konzentriert. Das bedeutet meiner Meinung aber nicht, dass alle, die Kritik an der Vorgangsweise unserer Regierung üben, pauschal als “Covidioten”, “Schwurbler” etc. abgestempelt werden dürfen. Seuchen können eine tödliche Bedrohung und somit eine extreme Ausnahmesituation darstellen, die extreme Maßnahmen erfordert. Deshalb räumen Gesetze zur Bekämpfung gefährlicher Seuchen den Behörden die Möglichkeit ein, in elementarste Freiheitsrechte der Bürger einzugreifen. So berechtigt diese Eingriffe sein mögen, so wichtig ist es auch, dass über die Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit dieser Eingriffe jederzeit intensiv diskutiert werden darf und muss. Wer die viel zitierte “Spaltung der Gesellschaft” herbeiführt, sind nicht “Schwurbler” und “Covidioten”, sondern jene, die eine wichtige öffentliche Diskussion durch pauschale Herabwürdigung und Verächtlichmachung anderer Meinungen und deren Vertreter zu unterbinden suchen.

  14. Cora

    @Hausfrau: es mag für Sie wie eine Zumutung erscheinen, doch Überlegungen, ob einem Impfverweigerer der Spitalsaufenthalt verweigert werden soll, sind derzeit schwer im Gange, daran werden Sie sich gewöhnen müssen. Immerhin nehmen diese jenen, die schicksalshaft eine schwere Krankheit erleiden, das IPS-Bett und somit ihre Heilungschancen weg. “Aufgrund von Erhebungen in Österreich und Aussagen von Schweizer Medizinern kann man allerdings davon ausgehen, dass der Anteil der Impfverweigerer unter den Corona-IPS-Patienten 80 Prozent oder mehr beträgt.” (NZZ, 3. Dez. 2021, S. 7 “Ungeimpfte könnten der Triage zum Opfer fallen”) Und: “Eine mildere Variante als die Priorisierung geimpfter Personen ist der Appell an die Ungeimpften, im Fall einer schweren Covid-19-Erkrankung von sich aus auf eine Spitalbehandlung oder einen Platz auf der IPS zu verzichten. In diese Richtung hat sich zum Beispiel die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli geäussert und «echte Eigenverantwortung» gefordert. Auch der Medizinethiker Trachsel findet, dass ein Therapieverzicht die konsequente Haltung für Ungeimpfte wäre.”

    Wer darf leben, wer muss sterben? Wir sind in einer Pandemie, da sollte man sich impfen lassen, wenn möglich.
    https://www.nzz.ch/schweiz/warum-ungeimpfte-nun-der-triage-zum-opfer-fallen-koennten-ld.1658282

  15. CE___

    “…Ein Teil der Erklärung mag in der Geschichte des Landes liegen. Denn Österreich vertrieb oder vernichtete nach 1938 einen erheblichen Teil jenes – oft jüdischen – Bildungsbürgertums, das gemeinhin die gesellschaftliche Basis aufklärerischen, rationalen Denkens bildet…”

    Naja, man kann es auch anders sehen, und es ist genauso zulässig.

    Denn vielleicht ist ja gerade der Grund für das Vorherrschen des Glaubens an die neue Wunderwaffe “Impfzwang” eben derjenige dass Österreich nach 1938 einen erheblichen Teil jenes – oft jüdischen – Bildungsbürgertums vertrieb oder vernichtete, das gemeinhin die gesellschaftliche Basis aufklärerischen, rationalen Denkens bildet.

    Denn wenn ich mir seit März 2020 die vergangenen und jetzigen Darsteller der Regierung ansehe spüre ich als Ungeimpfter nicht gerade den Esprit und Hauch des liberalen aufgeklärten Bildungsbürgertums, sondern eher den dörflichen Mief und die geistige Beschränktheit von Texing bei den Schwarzen und der kambodschanischen Killing Fields bei den Grünen.

  16. hausfrau

    @Cora
    Wer darf leben ? Wer muß sterben?
    Dann beglückwünsche ich Sie zu ihrer blendenden Gesundheit, daß Sie nie mit Spitälern zu tun hatten.
    Abseits von Corona, seit Jahrzehnten wird im Gesundheitsbereich gespart. Die Leute sterben wie die Fliegen, was ihnen behandelt erspart geblieben wäre weil zuwenig Personal vorhanden ist. Leute mit Schlaganfall werden Heim geschickt beim nächsten mal fragt man sie “Sie haben ja einen Schlaganfall gehabt, haben’s das nicht gemerkt?”
    Das führt zu abgehärteten Ärzten, die selbst wenn der Patient gnädig aufgenommen wurde, die einfach aus Unlust nicht wirklich behandeln, weil wenn man lange genug wartet lösen sich viele Probleme von selbst.
    Wer je einen Angehörigen mit chronischer Krankheit im Spital hatte lernt ganz viele Ärzte kennen und ganz wenige Menschen darunter und die verschwinden immer ganz schnell.
    Man sieht auch bei benachbarten Patienten Vorgänge in Zeitlupe ablaufen wo man sich fragt wie kann das sein? – und am Montag sind sie in der Prosektur.
    Wer keine Angehörigen hat hat sehr schlechte Karten.
    Und das sind alles auch Menschen, die ohne künstliche Hysterie – sterben.
    Und seit Jahrzehnten kratzt das keine Sau.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.