Wohlstand durch Selbstinteresse

(JOSEF STARGL) Es war die Idee des Stoikers und Sklaven (!) Epiktet (ca. 50-135), dass das Eigeninteresse sozial nützlich wird. Adam Smith (1723-1790), schottischer Moralphilosoph und (ökonomischer) „Aufklärer“, hat diese Idee aufgegriffen. Er betrachtete das Selbstinteresse, das selbstbezogene Streben des Einzelnen, als Leitmotiv für den Leistungswillen sowie als treibende Kraft persönlicher Entfaltung und erkannte – ohne Egoismus bzw. Selbstsucht zu befürworten – , dass das Gemeinwesen ebenfalls vom Selbstinteresse profitiert, das ohne Absicht und Kenntnis des Einzelnen, wenn es durch Mitgefühl, Ethik, Wettbewerb und Gesetze kontrolliert wird, zur Entfaltung aller produktiven Kräfte beiträgt und sozial nützlich wird.
Es ist ein realistisches Menschenbild, von dem Adam Smith ausgeht. Jeder trachtet nach seinem Vorteil und ist bestrebt, seine Lage zu verbessern. Es ist möglich, persönliche Freiheit und wirtschaftliche Leistung mit sozialer Koexistenz in Einklang zu bringen, ja, sie zum Wohle des Gemeinwesens miteinander zu verbinden.
Die Marktwirtschaft ist eine unvollkommene Ordnung, aber mit lernbereiten und lernfähigen Menschen in einem evolutionären Wettbewerb. Die Probleme der Effizienz und der Verteilung werden durch den Preismechanismus gelöst. Es ist das Preissystem (die freie Preisbildung), welches mit dem Wettbewerb das wirtschaftliche Handeln der Menschen in einer Welt der Knappheit und der Unvollkommenheit steuert. Unterschiedliche Begabungen können genutzt und die Entwicklung aller produktiven Kräfte kann gefördert werden.
In seiner ökonomischen Wachstumstheorie expliziert Adam Smith die Bedeutung der Arbeitsteilung und der Kapitalbildung für den Wachstumsprozess, die Rolle der Investitionen für die Förderung des technischen Fortschrittes und für die Steigerung der Produktivität.
Dem Staat hat Adam Smith, der Steuern als Zeichen der Freiheit betrachtete, die Schutzfunktion und die Aufgabe, Infrastrukturinvestitionen zu tätigen und zu fördern, zugewiesen.
Er meinte, dass trotz (!) Unmäßigkeit von Regierungen und größter Fehlentscheidungen in der Verwaltung der Fortschritt zum Besseren aufrechterhalten werden konnte. „Der übertriebene Aufwand der Regierung hat zweifellos die Entwicklung zu Wohlstand und Fortschritt verzögert, aber er konnte sie nicht aufhalten“.
Der heutige (zwangsum-)verteilende Sozialstaat ist auch als „subsidiärer Sozialstaat“ möglich. Das Streben des Menschen nach besseren Lebensbedingungen ist auch heute die Ursache und die Quelle des öffentlichen wie des privaten Wohlstands

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