Wohlstand – oder “gerechte Verteilung”

(ANDREAS TÖGEL) Das Forum Alpbach hat „Ungleichheit“ zum Generalthema des heurigen Jahres erkoren. Da diese einst respektable Veranstaltung mittlerweile leider von abgehalfterten Politikern und Zwangsstandesvertretern dominiert, wird, ist von daher mit nennenswerten Impulsen nicht mehr zu rechnen. Wo Leute wie der rote Arbeiterkammerkapo Rudi Kaske das große Wort führen (die AK ist Sponsor der Veranstaltung!), ist es mit dem Erkenntnisgewinn naturgemäß nicht weit her…

Fest steht indes, dass das Thema des heurigen Forums dem Zeitgeist Rechnung trägt. Die angeblich wachsende materielle Ungleichheit ist zur allgemein empörenden Binsenweisheit geworden. Die den Hauptstrom der öffentlichen Meinung beherrschende Linke hat es überdies geschafft, materielle Gleichheit für erstrebenswert zu erklären und Ungleichheit als Teufelswerk zu brandmarken. Merke: Gleichheit = Gerechtigkeit. Wer es wagt, die Richtigkeit dieser Behauptung anzuzweifeln, muss das Abenteurer lieben und könnte genauso gut auch ins Mienenfeld Sackhüpfen gehen. Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Basta.

Dass nicht nur Einkommen und Vermögen, sondern auch Intelligenz, Gesundheit Schönheit und Witz höchst ungleich verteilt sind (die Natur ist eben notorisch ungerecht – wer Ulrike Lunacek und Heidi Klum miteinander vergleicht, weiß, wovon die Rede ist!), wird ausgeblendet. Wer eine wirklich egalitäre Gesellschaft schaffen will, muss nicht nur die Reichen ausrauben, sondern auch den Schönen die Gesichter verunstalten, die Hochgewachsenen zu gebücktem Gang nötigen und die Intelligenten lobotomieren. Ohne Unterdrückung, Zwang und nackte Gewalt ist Gleichheit nicht zu haben – auch die materielle Gleichheit nicht.

Der liberalen Denkfabrik Agenda Austria gebührt daher größte Anerkennung für ihre unermüdlichen Bemühungen, der auf blankem Neid und – absolut berechtigten – Minderwertigkeitsgefühlen basierenden Meinungshegemonie der Sozialisten in allen Parteien, belastbare Fakten entgegenzustellen. Jüngst etwa mit dem „Handbuch zu Armut, Ungleichheit und Verteilung“. Darin wird mit einer ganzen Reihe von den Diskurs beherrschenden, so gut wie niemals hinterfragten Gemeinplätzen aufgeräumt.

„Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf“, ist einer davon. Dass daran – selbst wenn es stimmte – nichts schädlich wäre, solange nur die Reichsten reicher, die Ärmsten aber nicht noch ärmer würden, sollte selbst Sozialisten, Gewerkschaftern und Caritasfunktionären einleuchten. Die vergleichen indes leidenschaftlich gerne Äpfel mit Birnen und foltern die verfügbaren statistischen Daten – wie beispielsweise der neue Popstar der Verteilungsgerechtigkeit, Thomas Piketty – so lange, bis die von ihnen gewünschten Ergebnisse herauskommen, die stets eine solide Basis für Forderungen nach noch höheren Steuerlasten, noch mehr Staatseinfluss und eine noch stärkere Politisierung der Gesellschaft bilden.

Die Studie der Agenda Austria beleuchtet dagegen eine Fülle von Ungleichheit fördernden Aspekten, die überhaupt nichts mit dem schon von Marx herbeiphantasierten Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit zu tun haben. So etwa abnehmende Haushaltsgrößen, eine zunehmende Zahl von Rentnern, die Zunahme von freiwillig gewählter Teilzeitarbeit, die Auswanderung gut ausgebildeter und eine Einwanderung minderqualifizierter Personen, die fehlende Berücksichtigung des Kapitalwerts von Pensionsansprüchen und vieles andere mehr. Alle diese Phänomene ziehen notwendigerweise die Messung größerer Verteilungsunterschiede nach sich.

Erstaunliches Detail: In Staaten mit besonders stark ausgeprägten Umverteilungssystemen (wie Schweden, Deutschland und Österreich) bestehen die vergleichsweise stärksten Vermögensunterschiede. Erklären lässt sich dieses Phänomen damit, dass die Bürger sich in derart paternalistischen Gouvernantenstaaten in weit stärkerem Maße auf staatliche Wohltaten und Sicherungssysteme verlassen als in liberalen Ländern und daher deutlich weniger Vermögensaufbau (etwa in Form des Erwerbs von Wohnungseigentum) betreiben. Fazit: Nirgendwo sonst wird häufiger zur Miete gewohnt als in Deutschland und Österreich. Da Eigenheime und/oder Eigentumswohnungen für private Haushalte aber in aller Regel den größten Vermögensbestandteil bilden, reduziert sich dadurch – im Vergleich zu den „Südländern“ der Union und den ehemaligen Ostblockstaaten (wo Wohnungseigentum den Regelfall bildet) – der Kapitalbesitz pro Haushalt.

Auch der in Österreich herrschende Mangel an unternehmerischer Begeisterung schlägt sich – negativ – in der Einkommens- und Vermögensstatistik nieder. Leider fällt insbesondere die akademisch ausgebildete Elite für produktive Tätigkeiten mehrheitlich aus, da sie stressfreien Karrieren im Staatsdienst oder in staatsnahen Sektoren den Vorzug gibt. Ein großer Teil der in Privathand befindlichen Vermögen ist jedoch in Unternehmen gebunden. Dieses Produktivkapital verteilt sich auf entsprechend wenige Hände und verstärkt daher die gemessenen Vermögensunterschiede.

Dennoch belegen die Daten – entgegen den von den Massenmedien kolportierten Behauptungen – dass die Armutsgefährdung in Österreich seit 2008 nicht zu- sondern abgenommen hat: Sie ist von 15,2 auf 14,1 Prozent gesunken.

Wer sich mit der routinemäßigen Desinformation durch die linke Medienlandschaft nicht begnügen will, wendet sich an folgende Adresse zum Gratisdownload der zitierten Untersuchung: http://www.agenda-austria.at/inhalte/publikationen/

 

Tagebuch

4 comments

  1. Erich

    Nicht so ganz O.T.:
    Frau Wörgetter meint heute auf Seite 1 der SN unter anderem: “Die Hypothek aus den NS-Zeit verpflichtet UNS immer noch zur Aufarbeitung UND Wiedergutmachung”. (Ich habe “uns” sowie “und” hervorgehoben). Meine Kinder, die jetzt im Midlife (ohne Krise) stehen und fleißig an ihrer Zukunft arbeiten, wird dieser Satz zusammen mit den Erkenntnissen aus Alpbach sicher ganz gut gefallen; den Enkerln kann ich altersbedingt noch nicht klarmachen, wofür sie später einmal zahlen sollen.
    Der Leitartikel ist natürlich im Zusammenhang mit der Aufforderung, alle Neueinwanderer willkommen zu heißen und zu unterstützen, zu verstehen. Dass jetzt sogar die nationalen Sozialisten als Argumentationshilfe herhalten müssen?

  2. Psychoscope

    Gleichheit = Gerechtigkeit?
    Wer (von den Linken) behauptet das? Welche seriösen Quellen dies?

    Es geht doch vielmehr um etwas anderes: z. B. um (1) die “Gleichheit” aller Menschen vor dem (jeweils) geltenden Gesetz (zumindest solange das Postulat von Rechtstaatlichkeit gültig ist) oder auch (2) z.B. um Chancengerechtigkeit in Bezug auf Aus- und Weiterbildung sowie um so etwas wie bspw. (3) Lohngerechtigkeit, d.h. den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit (u.a. ohne Ansehen auf das Geschlecht).
    Leider verweisen Fakten darauf, dass bis dato keiner der drei Aspekte realisiert scheint – so zumindest empfinden es die Menschen subjektiv.
    Bei aller Anerkennung gezeigter Leistungen einerseits hat sich in Bayern ein Fusballmanager strafbar gemacht und sollte also wie ein Straftäter (rechtstaatlich) behandelt werden (ad 1). Kinder von Akademikern werden sehr viel häufiger selbst Akademiker – weil das Bildungssystem dies nahe legt (ad 2) und (bedauerlicher Weise) bekommen in vergleichbaren Positionen Frauen weniger Lohn / Gehalt als ihre männlichen Kollegen (ad 3).
    Dies ist kein Beitrag, der das Thema erschöpfend behandelt. Gleichwohl wage ich eine These: Wir Menschen müssen uns neu eine intelligente, passende und tragfähige Kommunikation erarbeiten. Diese sollte jenseits aller Links/ Rechts Klischees Lösungsorientiert, menschlich und gewaltfrei sein. Andernfalls, wenn wir kommunizieren wie gestern, werden wir die Probleme von morgen nicht meistern. Eine globale Weltwirtschaft, neue internationale Strukturen, vernetzte Produktion, digitalisierte Prozesse etc. erfordern Anpassung- auch unserer Gewohnheiten zu Kommunizieren. Unklug dabei wird eher sein, Vorurteile, Standesdünkel und Besitzstandwahrung zu unternehmen anstatt in Kooperativ, kritisch-hinterfragend und mit viel Liebe sich den neuen Anforderungen zu stellen…

  3. Psychoscope

    … und übrigends: Wohlstand kommt nie aus dem Nichts. In der Regel wird er erzeugt durch (oft gerechte) Wertschöpfung (d.h. Arbeit) oder (oft ungerechte) Umverteilung (d.h. Kriege, Zinsen, Steuern, Diebstahl etc.)!
    Und: Wohlstand verpflichtet! Davon ist indes zu wenig zu spüren…

  4. H.Trickler

    Das üble an der linken Scherendiskussion liegt darin, dass sie keine brauchbaren Rezepte liefern, wie man die unbestreitbaren Exzesse des Raubtierkapitalismus ernsthaft angehen könnte. Und selbst wenn sie Rezepte hätten, lassen sich diese kaum weltweit durchsetzen.

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