Wohnen auf Nachbars Kosten

Von | 6. April 2013

Dass SPÖ und Volkspartei unisono plötzlich das Problem hoher Mieten und teurer Wohnungen entdecken und – natürlich rein zufällig kurz vor den heurigen Nationalratswahlen – „leistbare Wohnungen“ organisieren wollen, ist nicht unoriginell: schließlich ist die Politik ja nicht ganz unbeteiligt an dem von ihr nun laut klagend aufgezeigten Missstand. Die Oppositionsparteien waren es ja nicht unbedingt, die seit Jahrzehnten einen immer dichter und undurchschaubarer werdenden Gesetzesdschungel beschlossen haben, der das Problem eher noch verschlimmerte, anstatt es zu lösen. Da schreien wohl wieder einmal die Brandstifter laut „Feuer“ – und machen sich erbötig, es auch noch zu löschen. Das hat was.

Dabei ist hier möglicherweise zumindest partiell eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Denn nimmt man den Durchschnitt der etwa in Wien bezahlten Mieten, dann ergibt sich kein sonderlich dramatischer Befund: in vergleichbaren anderen europäischen Städten wie Hamburg, München oder Zürich müssen Mieter zum Teil erheblich mehr an die Hauseigentümer zahlen. Wien ist, was Wohnungsmieten betrifft, nicht wirklich besonders teuer.

Das freilich ist kein wirklicher Trost für all jene, die dringend eine neue Wohnung suchen und feststellen, dass auch in Wien die Preise bei Neuvermietungen in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen sind und zum Teil recht sattes Niveau erreicht haben.

Ein Wiederspruch ist das nicht: denn den jetzt sehr teuer neu vermieteten Wohnungen stehen wesentlich mehr Objekte gegenüber, deren ältere Mietverträge deutlich niedrigere Mieten beinhalten. Was ein im Durchschnitt noch immer vergleichsweise günstiges Preis-Niveau für die Bevölkerung insgesamt ergeben kann.

Dabei wird von der Politik konsequent eine der zentralen Ursachen der hohen Mieten bei neuen Verträgen verdrängt wird: dass gerade in Wien noch immer sehr viele Wohnungen auf Grund der Mieterschutzgesetzgebung spottbillig vermietet werden (müssen). 90 Quadratmeter große Wohnungen in begehrten bürgerlichen Bezirken zu monatlich weniger als 100 Euro Miete sind keine exotischen Einzelfälle – und bewirken, dass dafür in dem entsprechenden Haus frei werdende Wohnungen natürlich dementsprechend teuer vermietet werden müssen, um dem Eigentümer zumindest eine magere Rendite zu bescheren.

Dass die einen schmerzhaft hohe (Neu-) Mieten berappen müssen hängt also nicht zuletzt damit zusammen, dass die anderen praktisch umsonst wohnen können – und nicht daran denken, auf dieses „wohlerworbene“ Recht zu verzichten.

Wollten die Regierungsparteien die durchschnittlichen Mietpreise erfolgreich und nachhaltig dämpfen, müssten sie deshalb als allererstes mit diesem Unfug aufräumen und den gesetzlich geschützten absurd niedrigen Mieten innerhalb einer angemessenen Übergangsfrist ein Ende bereiten.

Einen Hauseigentümer im 21.Jahrhundert dazu zu zwingen, eine stattliche Wohnung für weniger als hundert Euro an ganz und gar nicht bedürftige Personen zu vermieten, hat mit Gerechtigkeit ungefähr so viel zu tun wie der Karl-Marx-Hof mit Schloss Neuschwanstein.

Dass dieses offenkundige Unrecht wohl auch die nächsten Nationalratswahlen überleben wird, ist nicht zuletzt einem Mangel an Courage der Regierenden zuzuschreiben. Den braucht es nun einmal, um in Österreich jemandem vermeintlich „wohlerworbene“ Rechte zu nehmen. (WZ)

12 Gedanken zu „Wohnen auf Nachbars Kosten

  1. Thomas Holzer

    “Einen Hauseigentümer im 21.Jahrhundert dazu zu zwingen, eine stattliche Wohnung für weniger als hundert Euro an ganz und gar nicht bedürftige Personen zu vermieten”

    Sorry, aber das ist absolut irrelevant!
    die Miete sollte NICHT von der Bedürftigkeit der Person abhängig gemacht werden.
    Würde, so wie Herr Tögel es in einem Beitrag auf dieser website forderte, das MRG ersatzlos gestrichen werden, würde sich endlich ein halbwegs freier Markt etablieren können.
    Dann würden sich die Mietpreise entsprechend Angebot und Nachfrage entwickeln, und Mieten von EUR 600,– und mehr für ein 30qm Loch der Vergangenheit angehören.
    Abgesehen davon; niemand wird gezwungen, Wohnungen mit gefühlten “überhöhten” Mieten abzuschliessen

  2. Von Renneberg

    Nun, einzefälle sind das tatsächlich nicht. kann aus erfahrung sagen, dass sich in fast jedem zinshaus zumindest ein oder zwei mieter mit solchen alten veträgen befinden. es ist zwar jetzt schon ein bißl mehr mit dem erhaltungsbeitrag, aber mehr als 1,70,– (ganz exakt ist das nicht) pro Quadratmeter bekommt man nicht von den “friedenszinslern”

    nicht vergessen darf man auch das weitergaberecht an die ja schon immer bei der oma wohnhaften lieben enkerln….
    hier darf die miete zwar angehoben werden, aber auch nicht auf die tatsächliche mögliche und vom gesetz her ohnehin gedeckelte höhe.

  3. logos

    “Kaufen Sie Land, es wird nicht mehr hergestellt”. Wo immer eine natürliche Verknappung herrscht, muß dem Markt eben etwas unter die Arnme gegriffen werden.
    Solange di allerdings der Gemeinderat entscheidet, welche Grundstücke planwirtschaftlich umgewidmet werden, und nahestehende Genossenschaften teuer, weil “gemeinnützig” darauf bauen, kommt der MArkt nicht recht im Schwung….

  4. Dieter Zakel

    Was das Wohnen wirklich teuer macht
    • Die Geld- und Währungspolitik
    • Gebühren für Wasser und Kanäle (siehe Wien)
    • korrupte Baubehörden
    • unterschiedlichen Bauordnungen
    • Mietenschutz
    • die Schrebergärten
    • es wird primär der Neubau gefördert
    • Die Politik führt Scheindebatten

  5. Reinhard

    “Wohnen auf Nachbars Kosten” ist eben eben ein wohlerworbenes Recht in einem Land am Nordbalkan, wo “Leben auf Kosten der anderen” zur gesellschaftlichen Grundeinstellung gehört. Das trifft zB zu für Bummelstudenten, Arbeitsmotivationsbefreite, Versorgungspostenpragmatisierte, Integrationsverschlepper, Frühpensionisten etc pp.
    Es gehört sogar zu den Kernpunkten der politischen Programme einiger Parteien, ihre Klientel mit dem Geld der anderen zu alimentieren.
    Das ist also nichts ungewöhnliches, sondern nur ein weiteres Mosaiksteinchen im Bild unserer Kultur.

  6. Leitwolf

    So ein Schwachsinn! Über Altmietverträge kann man ja diskutieren, aber dass dadurch andere Mieter mehr zahlen müssten, ist eben Blödsinn. Oder glaubt denn wirklich jemand, es würde ein Vermieter den Neumietern die Miete reduzieren, weil ein Altmieter denn endlich verstirbt?

    Der Wohnungsmarkt in Österreich ist vor allem eines: kein Markt! Das ist allerdings kein rein Österreichisches Problem.

    Der Staat greift kaum wo so sehr regulierend ein wie im Immobilienwesen. Wenn da einfach wer daher käme und baut, ja wo kämen wir da denn hin? Sowas will fleissig reglementiert sein! Insbesondere schreibt der Staat vor, wo überhaupt gebaut werden darf. Anhand dieser Vorschreibung entsteht so jährlich ein Vermögen von rund 3 Mrd. Euro, einfach durch Flächenwidmung. Und gewidmet wird ganz und gar nach politischen oder korruptiven Gesichtspunkten.

    Ganz nebenbei sind diese 3 Mrd. rund 3x so viel wie die gesamte Summe der Wohnbauförderungsbeiträge.

    Daneben ist es linke und grüne Politik die Mobilität möglichst einzuschränken. Wer dezentral wohnt und sich erdreistet mit dem Auto zu Arbeit zu fahren, der gilt schon mal als Feindbild. Daraus ergeben sich freilich Konsequenzen für den Immobilienmarkt.

    Wieso nicht einfach ökologisch im ersten Bezirk wohnen und ebenda ein paar Meter ins nette Büro gehen? Im Wohlfahrtsstaat sich etwas einfach nicht leisten zu können darf ja keine Ausrede sein. Armut? Pah! Die haben wir doch längst hinter “uns” gelassen. “Uns” bzw. “wir” ist übrigens ein recht absurdes Konstrukt bei dem manch alternativer Politiker jede Alternative zur eigenen materiellen Ausstattung negiert.

    Und so lauft eine verlogene Diskussion vorbei an der Realität entlang politischer Scheingräben.

  7. Wolf

    “Wiederspruch” – shame on you, Ortner!

  8. Andreas73

    @ Wolf:
    dachte ich mir auch, zumindest bei einem Zeitungsartikel.

    Übrigens das andere Ende des Spektrums schreibt halt “Wiederstand” in riesengroßen Lettern auf das besetzte Haus. Gesehen vor einigen Monaten in Wien 🙂

    Inhaltlich stimme ich dem Bericht voll zu.

  9. Wolf

    @Andreas73
    Zwischen einem – hoffentlich – gebildeten und seriösen Journalisten und linksgrünen Chaoten aus der Gosse sollte es doch (auch in der Sprache) einen Unterschied geben…

  10. Christian

    Danke für diesen großartigen Artikel. Hallo, ich mag Ihren
    Schreibstil! Ich habe nächste Woche eine Darstellung und konnte Ihre Beiträge sehr gut
    gebrauchen.

  11. Manuel

    Wohnungssuche in Wien ist ein wahres Katz-Maus-Spiel. Bis man da mal ein gutes Angebot bekommt wird man alt. Man hört wirklich nur schlechtes über den österreichischen Immobilienmarkt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.