Worum es in Hongkong wirklich geht

In Hongkong kämpfen tapfere Demonstranten gegen das böse kommunistische Regime in Peking um Demokratie und Freiheit, lesen wir rundum. Doch so einfach ist das, schreibt China-Kenner Stefan Baron im Handelsblatt: lesenswert, hier

15 comments

  1. astuga

    Ohne jetzt weiter auf den Artikel einzugehen, da Bezahlartikel…

    Ist ja nicht so, dass sich China nicht auch überall einmischt.
    Und angesichts von Tibet und Sinkiang muss China froh sein, dass man sich nicht noch viel mehr einmischt.

  2. AD

    Hong Kong ist Teil Chinas …..eben nur eine Sonderverwaltungszone mit (zugesagten) Sonderrechten bis 2049 ….also noch für 28 Jahre. China mischt sich in Hong Kong also nicht in einen souveränen Staat ein – es ist eine innerchinesische Angelegenheit.

    was Tibet betrifft sollten wir nicht nur – in imperialistischer Manier – das westliche Geschichtsverständnis verwenden sondern auch den chinesischen Standpunkt beachten – schließlich war Tibet seit Jahrhunderten unter chinesischem Einfluss (bzw. chinesischer Herrschaft). Wir im Westen tun immer so als ob Tibet über Jahrhunderte ein eigenständiger, anerkannter Staat gewesen wäre. …

    die Provinz Xinjiang ist ein Teil Chinas ….

  3. Selbstdenker

    Worum es in Hongkong geht?

    Darum, ob der Westen seine Prinzipien dem de facto wertlosen Versprechen auf kurzfristige Profite (zu Lasten unserer Zukunft) unterordnet.

    Und auch darum, ob der Westen jene Menschen in Stich lässt, denen Freiheit noch etwas bedeutet.

    Und auch darum, ob eine informelle Interessensgemeinschaft westlicher und chinesicher Korporatisten zum Schaden aller anderen ungefragt weltweit das chinesische Modell verbreiten darf.

    Trump wird total unterschätzt. Und der Hass vom Establishment in den USA und in Europa zeigt, wie sehr diese Leute bereits von China korrumpiert wurden.

  4. CE___

    @ AD

    “Hong Kong ist Teil Chinas …..eben nur eine Sonderverwaltungszone mit (zugesagten) Sonderrechten bis 2049 ….also noch für 28 Jahre. China mischt sich in Hong Kong also nicht in einen souveränen Staat ein – es ist eine innerchinesische Angelegenheit.”

    Dies SO stehen zu lassen heisst das Narrativ der totalitär-kommunistischen Volksrepublik zu übernehmen.

    Laut der British-Sino-Joint-Declaration von 1984 ist die Volksrepublik China für die Verteidigung Hong Kong’s nach aussen zuständig (sofern dass überhaupt nötig ist, wer will den Flecken denn angreifen?), hat sich allerdings genauso wenig in die inneren Angelegenheiten Hong Kong’s einzumischen wie jeder andere Staat.

    Der Leitspruch “Ein Land, zwei Systeme” hat ja gerade den Sinn darin dass Hong Kong bis 2047 weiterhin autonom innen entscheiden darf, kann, hinsichtlich Politik, Wirtschaft, Justiz, Gesellschaft bis hin zum Sport wo man sogar mit eigener Mannschaft unter eigener Hong Kong Flagge auftritt.

    Als Realist darf es natürlich nicht wundern dass sich Kommunisten um den Geist von Verträgen nichts pfeifen und heute schon zum baggern und unterminimieren beginnen.

    Zusätzlich dazu dass das lokale Hong Kong Parlament eh’ schon in der Mehrzahl von von Peking handverlesenen und hörigen Leuten gestellt wird.

    Die Aggressivität mit der die VR China auf die Proteste reagiert (wie auf jeden Protest) legt für mich sehr nahe dass dieser Auslieferungsabkommen-Gesetzesvorschlag seine Wurzeln in Peking hat und keine lokale autonome (schlechte) Idee des dortigen weiblichen Chief Executive ist und war (auch wenn da ein vor ein paar Jahren begangener Mord unter Teenagern mit anschliessender Flucht in die Republik China, aka Taiwan, als Vorwand hergezogen wird)

    Und ja, es geht “uns” als westliche Demokratien etwas an, und zumindest das UK hat bis 2047 auch etwas mitzureden dort wenn die VR China den Geist der Joint Declaration unterminiert.

    Da bin ich ganz bei @Selbstdenker der auch gerade vor ein paar Minuten was dazu geschrieben hat.

  5. AD

    @Selbstdenker

    ich teile nicht die Ansicht, dass der Westen seine Prinzipien anderen Ländern aufzwingen soll. Und die Bürger von HongKong wurden “vom Westen” zu jenem Zeitpunkt im Stich gelassen als den Bürgern von Hong Kong das Aufenthaltsrecht in GB genommen wurde – war etliche Jahre vor der Übergabe an China in 1997.

    Ihre Meinung zu Trump teile ich

  6. Selbstdenker

    @AD:
    China verletzt regelmässig ungestraft Verträge im Allgemeinen und die Regeln der Reziprozität im Speziellen.

    Auch in Sachen Hongkong handelt es sich um einen Vertragsbruch in dem das Abkommen ein Land, zwei Systeme mittels Salamitaktik entsorgt wird. Und genau das spüren die Einwohner von Hong Kong sehr deutlich und daran entzündet sich auch der Protest.

    Ich habe gestern in einem anderen Kommentar auf das Buch III, Kapitel 2 Der Intoleranteste gewinnt aus Skin in the Game von Nassim Taleb hingewiesen. Wenn eine Partei das Brechen von Reziprozitätsregeln (genauer: die dauerhafte Etablierung von Asymetrieregeln) hinnimmt – z.B. weil sie sich einen kurzfristigen moralischen oder pekuniären Gewinn verspricht – wird diese mittel- bis langfristig immer den Kürzeren ziehen.

    Genau das ist gesellschaftlich in der Begegnung vom Westen mit dem Islam der Fall. Und es ist auch ökonimisch in der Begegnung vom Westen mit China der Fall.

    Die Stichtworte lauten “Toleranz” und “Reziprozität”.

    Hinzu kommt, dass sich ja nicht zwei Parteien im Sinne von zwei Individuen gegenüberstehen, sondern zwei komplexe sozioökoniomische Systeme mit Millionen / Milliarden von Menschen.

    “Unsere” korrupten Eliten im Westen stehen auf der Payroll von Regimen, die den Westen verachten aber sich seine Errungenschaften aneignen wollen. Bei manchen dürfte auch das Risiko kompromittierender Enthüllungen ein zusätzlicher Motivationsanreiz sein, die Dinge im Sinne ihrer Herren zu besorgen.

    Während also die “westliche Partei” als Ganzes aufgrund der zunehmend unter dem Begriff “Toleranz” etablierten Asymetrieregeln verliert, externalisiert “unsere” korrupte Elite die Kosten auf alle anderen. Häufig profitieren sie auch davon.

    Die Deplorables und deren Kinder sind den Clintons, Soros, Clooneys und Epsteins egal, solange sie ihre Position sowohl absolut als auch relativ halten können.

  7. astuga

    @AD
    Ich bezog mich bei der chinesischen Einmischung nicht auf Hong Kong!
    Obwohl sie auch dort ihre politischen Befugnisse überschreiten.

    Und selbst wenn nicht, jeder Bürger überall auf der Welt hat das Recht gegen eine Regierung auf die Straße zu gehen wenn er mit dieser unzufrieden ist.
    Bei totalitären Regimen ist halt das Risiko höher.

  8. astuga

    Nachtrag: Ihre Ausführungen zu Tibet und Sinkiang sind Unsinn.
    Wenn es hier einen Imperialismus und Kolonialismus gibt, dann einen chinesischen!

    Chinesischer und russischer Imperialismus und Kolonialismus sind ja überhaupt die historisch erfolgreichsten und beständigsten.
    Wohl auch weil diese Länder weder durch Demokratie noch durch einen Rechtsstaat in ihren Handlungen geschwächt wurden.
    Sie standen nie unter Legitimationszwang.

  9. astuga

    @Selbstdenker
    Scheinbar gute Backgroundinfos.
    Allerdings muss man aufpassen, ich habe mal kurz gegoogelt und das ganze stammt von der Sekte Falun Gong.
    Die werden zwar vom Regime brutal verfolgt, sind aber deswegen selbst noch keine Heiligen.

    Fazit: legitime und richtige Kritik am kommunistischen Regime Chinas, aber von religiösen Spinnern die ihre Mitglieder auch schon mal sinnlos ins Verderben treiben.
    Mehr dazu, sehr empfehlenswerter Kanal:

  10. astuga

    Ergänzend: die im Video ebenfalls erwähnten “Konfuzius Institute”, welche weltweit Propaganda für das chinesische Regime betreiben haben auch einen Ableger in Wien.
    Und zwar gleich in der Universität.
    Damit jeder der Sinologie studiert gleich auf Linie gebracht wird.
    https://www.konfuzius-institut.at/

    Das ist in etwa so wie wenn Erdogans AKP unhinterfragt im Institut für Turkologie, die Ayathollahs in der Iranistik oder Putins Partei im Institut für Slavistik sitzen und Vorträge abhalten.
    Etwas mehr Äquidistanz würde der Uni Wien gut anstehen.

  11. Selbstdenker

    @astuga:
    Es wird im Video völlig korrekt dargestellt, dass in China nur jene Religionsgemeinschaften zugelassen werden, deren Führer bzw. Verbände der KP eine übergeordneten philosophischen und politischen Rang einräumen.

    Zum Thema Spinner: die Nine Commentaries betrachte ich als eine durchwegs faktentreue und gut recherchierte Dokumentation über den Werdegang der chinesischen KP, die stellenweise etwas esoterisch reflektiert wird. Mich interessieren aber nur die Fakten, die sich nachprüfen lassen – und davon gibt es hier sehr viele.

    Spinner sind für mich Leute, die sich weigern ihre Vorstellungen an der Realität messen zu lassen. Abweichende Fakten (sowie: Leute, die auf diese Fakten hinweisen) werden als Störgröße gesehen, die es auszuschalten gibt. Ihnen bleibt nur die Flucht nach vorne indem sie ihre ideologische Wette verdoppeln.

    Die Charakterisierung der KP als bösartigen Kult ist meiner Meinung nach durchwegs treffend. Der an mehreren Stellen erwähnte evil specter ist ausgezeichnete Metapher für einen Kult, der existenziell auf die intellektuelle Abschottung jener Axiome angewiesen ist, auf die er aufbaut.

    Falsche Grundannahmen können nicht zu richtigen Ergebnissen führen. Wie falsch und inhuman die Grundannahmen der Sozialisten sind, zeigt sich an der immerwiederkehrenden blutigen Historie sozialistischer Experimente.

    Ultimativ ist jedes sozialistische System immer ein Kult, in dem das Individuum aufzugehen hat.

    Neben zahlreichen anderen Hinweisen in diese Richtung, hat mich die Geschichte der Rajneeshees (Bhagwan-Sekte), die im Grunde genommen das Template aller Kommunen linker Philosophenkönige ist, zu dieser Einschätzung gebracht:
    https://www.oregonlive.com/rajneesh/page/post.html

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