Würde es Libyen ohne westliche Intervention besser gehen?

(Thomas von der Osten-Sacken)  Wie oft hat man das Argument im Zusammenhang mit Syrien schon gehört? Libyen sei doch ein abschreckendes Beispiel, was passiere, wenn es zu einer westlichen Intervention im sogenannten „arabischen Frühling“ käme. Dem Sturz Gaddafis sei doch nur Chaos und Bürgerkrieg gefolgt. Ein guter syrischer Freund von mir reagierte jüngst erbost auf eine solche Diskussion und erklärte, er wünsche sich, Syrien sähe heute so aus wie Libyen, denn zwischen Derna und Tripolis stünden die Städte immerhin noch, es regnete keine Fassbomben und niemand sei bei Giftgaseinsätzen umgekommen. Angesichts der Lage in Libyen fünf Jahre nach Beginn der Intervention mögen solche Argumente in Europa seltsam klingen, aus nahöstlicher Perspektive haben sie durchaus ihre Berechtigung….. (weiterlesen hier)

12 comments

  1. Thomas Holzer

    Die übliche “Was wäre wenn” Frage.
    Zuvorderst sollte man sich aber die Frage stellen, ob es so sinnvoll ist, in Staaten zu intervenieren, deren Bevölkerung zum überwiegenden Teil “den Westen” als Antithese zur eigenen Lebensart erachtet.
    Ich denke, der Mehrheit dieser Menschen geht es nicht um eine Änderung des politischen Systems im Sinne von Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit (was ja bei uns leider auch schon zunehmend erodiert) sondern nur darum, einen Führer, Diktator oder eine herrschende Klasse loszuwerden, um dann weiterhin unter dem “uniformen” Islam zu leben.

  2. cmh

    @TH: Sehe ich auch so!

    Jede Intervention in ein muslimisches Land wird entweder damit ausgehen, dass sich die verfeindeten Parteien offen oder hinterrücks gegen den Eindringlich verbünden, oder dass sich ein noch schlimmeres Regime ergibt oder dass der Eingriff keinerlei Auswirkungen zeitigt. Wobei dies auch eine Frage der Fristigkeit ist, denn längerfristig wird es keine Auswirkungen geben. Oder will man die Museln (statt wie Vietnam in die Steinzeit,) in das Raketenzeitalter bombardieren?

    Im übrigen stellt sich die im Artikel unbeantwortete Frage, ob der “syrische Freund” Mohamedaner, Alewit oder Christ ist. Abweichende Meinungen dürften da mit ruhigem Gewissen angenommen werden.

    Und zuletzt noch die Frage: Was hindert die Länder der islamischen Welt überhaupt daran, aus eigenem eine bessere, humanistischere Alternative zum verrotteten Westen zu entwickeln? Sicher nicht der Westen. Eine Alternative hingegen, die zwar den islamischen, nicht aber den westlichen Anschauungen entspricht, hat der Westen schlicht und einfach nicht zu kritisieren, wohl aber in seine Lagebeurteilungen miteinzubeziehen.

  3. Mona Rieboldt

    Thomas Holzer
    Der sogenannte “arabische Frühling” fing damals in Tunesien an. Und es waren “Hungerrevolten”, da die Lebensmittelpreise derart gestiegen waren, dass sich die Leute das nicht mehr wirklich leisten konnten. In Ägypten kamen nach Mubarak die Moslembrüder an die Regierung, Ägypten hat es selbst geschafft, sie wieder loszuwerden und das gegen Deutschland. Zum “arabischen Frühling” wurde das Ganze nur durch die deutsche Presse, was dann bald ein Ende fand.

    Die deutsche Presse hatte auch wochenlang eine Kriegsrhetorik gegen Russland, Putin. Abwechselnd war entweder Putin der größte Bösewicht oder Assad ein Schlächter. Nur von den islamistischen Kampftruppen in Syrien wurde so gut wie gar nicht gesprochen. Als es dann aber doch durchsickerte, wurden sofort die “gemäßigten Rebellen” erfunden.

  4. Falke

    Es geht ja nicht nur um Libyen. Begonnen hat es mit dem Irak: da wurde der böse Diktator und Mörder Saddam Hussein unter Vorspiegelung falscher Tatsachen von den USA gestürzt, um dort Freiheit und Demokrartie einzuführen – und was herrscht dort seit 13 Jahren? Täglicher Terror, Mord und Totschlag mit tausenden Toten, dazu der IS. Ägypten: Mubarak gestürzt, dafür Muslimbrüderschaft, jetzt Militärdiktatur, um keinen Deut besser als unter Mubarak, dazu islamistischer Terror. Syrien: Assad ist zweifellos ebenfalls ein blutrünstiger Diktator, aber erstaulicherweise gab es unter seiner Herrschaft keinen einzigen Flüchtling, dazu hatten die 3 Mio Christen ein relativ ruhiges Leben, vom IS gar nicht zu reden. Zufrieden sind übrigens die Tunesier auch bei weitem nicht, dazu haben sie ebenfalls den islamistischen Terror zu sich geholt.

  5. Johannes

    @Falke: Ich bin ebenfalls ihrer Meinung, in Syrien war leben in vielfältigster Weise möglich, allein die Tatsache das alle Religionen die es dort gab friedlich existieren konnten, es Kirchen und sogar Synagogen gab mutet aus jetziger Sicht vollkommen unmöglich und dennoch war es unter Assad so. Ich bin der letzte der einem Land eine undemokratisch Führung wünscht, dennoch muß die Frage gestellt werden was haben die Syrer mit ihrer Revolution gewonnen bzw besser, verloren? Zu den Demokratiebestrebungen: waren es wirklich solche? War es nicht ein Aufstand von verschiedenen Clans die doch nur selber an die Macht kommen wollten? Wo war denn die Geschlossenheit der Bevölkerung wenn doch ihre Vertreter die einzelnen sogenannten Gemäßigten Gruppen zuerst zusammen dann wegen Meinungsverschiedenheiten untereinander mit immer wieder wechselnden Bündnissen kämpften und schließlich dem IS den Weg bereiteten.
    Auch wenn El_Gawhary nicht müde wird die Demokratiebestrebungen der arabischen Länder als einen Wunsch der Mehrheit der Menschen dieser Länder darzustellen, so glaube ich es nicht. Diese Länder sind auf Grund ihrer Religion und Familiensippen schon gar nicht in der Lage Demokratien zu bilden. Zu sehr ist der Islam das Feuer und Schwert im alltäglichen Leben. Zu sehr sind anachronistische Vorstellungen ein Hindernis um Demokratie auch nur zu begreifen. Diese Länder sind, und das meine ich nicht böse oder abwertend im Mittelalter und man kann sie nicht dazu zwingen demokratisch nach europäischen Muster zu werden. Hier hätte man in Jahrzehnten denken müssen und durch vorsichtige Schritt für Schritt Methoden ein langsames heranführen an mehr Demokratie versuchen sollen.
    Stattdessen sind die Cowboy durch den Nahen Osten gefegt und haben Chaos hinterlassen.

  6. dieter

    Der Westen wird von arabischen Konfliktparteien ausgenutzt

    Thomas von der Osten-Sacken hat all die westlichen Interventionen in der linken, anti-deutschen Jungle World und andernorts stets vehement verteidigt. Er hat den Kritikern Dummheit und moralische Verwerflichkeit unterstellt und konkrete Vorhersagen zur Konsequenz von Intervention und Nichtintervention getätigt. Kein Wunder, dass er sich getriggert fühlt, wenn er an seine Fehlprognosen erinnert wird.

    Der syrische Freund, hinter dem sich Osten-Sacken versteckt, dürfte durchaus existieren. Die Interventionisten glaubten stets, die Unterstützung der lokalen Bevölkerung zu haben und beriefen sich immer wieder auf ihre Kronzeugen.

    Was beide Seiten der Debatte völlig ausblenden, ist die Möglichkeit, dass der Westen gar nicht am Steuerrad sitzt, bzw. von den lokalen Konfliktparteien in die Irre geleitet wird.

    Auf taktischer Ebene haben die Amis ständig damit zu kämpfen, dass die lokalen Verbündeten völlig unzuverlässig sind und die amerikanische Luftwaffe zur Ausschaltung persönlicher Rivalen missbrauchen wollen.

    Es liegt im rationalen Interesse von Bürgerkriegsparteien, möglichst viele nützliche Idioten vor ihre Karren zu spannen. Das bizarre, widersprüchliche Geflecht westlicher Verbindungen und Interventionslagen im Nahen Osten ist ein starker Hinweis darauf, dass genau das geschieht.

    Arabische Flüchtlinge verstehen es ja auch blendend, unsere Systeme bei Bedarf zu umgehen, oder für sich auszunutzen und die ganze europäische Politik lahm zu legen. Warum sollte man ihnen die gleichen Fähigkeiten auf dem internationalen Parkett absprechen?

    P.S.: Das gilt auch für die Ukraine

  7. aneagle

    Die arabischen Machtinterventionisten des mittleren Ostens besitzen ein ungemeines Talent den Westen zu schröpfen, ohne etwas substantielles dafür geben zu müssen. Alleine was die Palästinenser jährlich aus dem Westen herausgeleiert haben, genügt um Millionen Flüchtlingen Appetit zu machen. Nicht Öl sondern doofe westliche Politiker mit Großmanns- und Gefallsucht sind das wahre Geschenk Allahs an seine Söhne in der Wüste.

  8. mariuslupus

    Der Autor sollte sich nicht mit dem “was wäre wenn” beschäftigen, sondern mit der aktuellen Unfähigkeit der NATO, der EU und der USA sich aus den Stammeskonflikten im Morgenland herauszuhalten. Die politische Weisheit kann auch sein, nicht zu handeln. Aber aktuell sind nur einfältige Personen am Ruder, die im blinden Aktionismus beschlossen haben überall wo es ihnen gefällt, Menschenrechte und Demokratie zu exekutieren. Bis der letzte ins Grass beisst, aber dann in der Gewissheit das er demokratisch gemeuchelt wurde.
    Es gibt keine arabische Solidarität. Dass wusste schon Lawrence, der unbedingt nach Arabien gehen musste, Die arabischen Staaten kennen keine Solidarität mit ihren arabischen Brüdern. Die Palästinenser unterstützt die EU, die Flüchtlinge marschieren nach Europa. Warum eigentlich nicht nach Saudi Arabien, Dubai, Kuwait ? Warum verhandelt Merkel mit Erdogan, der kein Araber ist und der Araber aus historischen Gründen, nicht leiden kann, aber nicht mit den Scheichs ? Warum kennen die Scheichs keine Willkommenskultur für Refjutschis ?

  9. Rado

    Ist doch völlig uninteressant wie es Libyen geht. Die Frage ist, ob es Europa und speziell Österreich nach der westlichen Intervention besser geht. Und die Antwort ist NEIN.

  10. Tom

    @Rado

    Sie sehen das etwas einseitig. Ich denke Europa, insbesondere Österreich profitieren sehr wohl von den westlichen “Interventionen”. Schließlich kommen seit Monaten sehr, sehr viele, hochqualifizierte Wissenschaftler und Fachkräfte genau aus diesen “befriedeten”, von Diktatoren gesäuberten Gebieten, nach denen sich unsere Wirtschaft seit Jahren der Stagnation sehnt.

    Natürlich könnte ich auch etwas missverstanden haben. Andererseits wurde das ja von Politik und Medien über einen langen Zeitraum doch genauso kolportiert. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass uns Politik, oder Medien, im großen Stil belügen …

  11. Rado

    @Tom
    Libyen ist übrigends ein sehr reiches Land. Die haben Wasser und Öl im Überfluss und auch eine Küste, mit der man mit Tourimus alleine ein Vemögen machen könnte. Dieses Land kann Millionen Afrikanern Wohlstand bringen!
    Ich würde von dort keinen einzigen Menschen aufnehmen.

  12. Falke

    @Tom
    Gerade gestern in der ZiB1 wurde uns wieder einmal – wörtlich – in Erinnerung gerufen: “Unter den syrischen Flüchtlingen befindet sich eine große Anzahl von Ärzten”. Zweifellos ein Beweis, dass Sie nichts missverstanden haben 🙂

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