Zeit für eine Geld-Wende!

“……..Jedenfalls wären heutige Staatsdefizite und Staatsschuldenberge in einem Goldstandard-Regime undenkbar gewesen. Es ist kein Zufall, dass die Staatsverschuldung und der Wohlfahrtsstaat ab 1971 mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems, das noch lose an Gold gebunden war, so richtig zu wuchern begannen…..” (hier)

6 comments

  1. gms

    So vernünftig der Artikel auch ist, so bleibt dabei, wohl unbeabsichtigt, der unzulässige Schluß im Raum stehen, alles würde sich zum Guten wenden, betrieben alle Staaten der Welt eine Abkehr vom Fiat-Money und Hinwendung zum Goldstandard.

    Teil I — der Verzicht auf staatliches Fiatmoney — ist unabdingbar, Teil II — ein Goldstandard — ist aber weder zwingend noch praktikabel. Es wäre bedauerlich, würden Libertäre für einen Goldstandard plädieren, der seinem Wesen nach eine Alleinstellung impliziert, können die Argumente hierfür doch von Luftgeld-Adepten und Geldsozialisten mit Links (pardon the pun) entkräftet werden.

    Ja, goldgedecktes Geld ist vernünftig und begrüßenswert, es kann jedoch aus logischen Gründen im 21sten Jahrhundert nicht das einzige sein. Zugleich besteht auch keine begründbare Notwendigkeit hierfür.

    Geld erlaubt die Abkehr vom direkten Tausch (Nicht-Geld gegen Nicht-Geld). So weit, so banal. Wäre weltweit allein durch Gold gedecktes Geld zulässig, könnten zeitgleich einzig jene Bezahlvorgänge durchgeführt werden, wie weltweit und wertmäßig durch Gold gedecktes Geld vorhanden ist. Jeder Bezahlvorgang wäre notgedrungen ein Tausch gegen Gold.

    Das Handelsvolumen zeitgleicher Transaktionen übersteigt inzwischen den Gegenwert des vorhandenen Goldes um ein Vielfaches, wobei ergänzend der überwiegende Teil des Goldes als Schmuck oder anderwärtig definitiv nicht als Geld im Umlauf ist. Überspitzt (und auch unzulässig) betrachtet ließe sich gerademal der zeitgleiche weltweite Goldhandel mit Goldgeld abwickeln.

    Selbst wenn Obiges nicht zuträfe und derzeit tatsächlich ausreichend Goldgeld im Umlauf wäre, wäre der etwa 2%ige jährliche reale Goldzuwachs durch Schürfung die oberste Grenze der Steigerung des Transaktionsvolumens (=aufsummierte zeitgleiche Bezahlvorgänge). Zur Umgehung dieser physischen Barriere bliebe einzig ein Vorgriff auf noch nicht geschürftes Gold und damit eine zunehmende Zeitspanne der systemimmanenten Verschuldung. (“Ja, ich bezahle in Gold, wenn es morgen, übermorgen, usw. usf. aus dem Boden geholt wurde”).

    Neben diesem dynamischen Aspekt der Bezahlvorgänge existiert jener der punktuellen Werte und deren Relationen zueinander. Gold als monetäres Urmeter ist pragmatisch und historisch betrachtet plausibel, doch erfolgte eine illegitime Aufwertung, sollte der Staat vorgeben, einzig und allein diese Deckung wäre zulässig. Neben dem inhärenten Wert bestünde ein ergänzender aus seiner Monopolstellung als Tauschmittel. Gold würde dann nicht bloß wegen seines Selbstwerts angenommen, sondern weil man es zwingend zur Teilhabe am Geldwesen benötigt.

    Dann und nur dann, wenn man Geld richtig als handelbare Ware betrachtet, von der niemand per Gesetz vorschreiben darf, sie hätte diesen oder jenen Bestimmungen zu genügen, wird sich das Blatt tatsächlich zum Besseren wenden. Ein Goldstandard kann und darf dabei nur einer von vielen sein.

  2. MM

    @gms: Sehr schöne Zusammenfassung und sehr schöne Überlegungen zu den Problemen eines Goldstandards. Im Allgemeinen sind aber Libertäre schon dafür, das sich ein Geld auf dem Markt bildet – vermutlich würden das auch zwei bis drei verschiedene Systeme. Bei Betriebssystemen gibt es ja auch im Wesentlichen drei Anbieter für PCs ohne dass es große Kompatibilitätsprobleme gibt.

    Ich glaube, das Problem ist im Moment, dass niemand eine richtig gute Idee für so ein Marktgeld hat und deshalb werden fast immer Gold und manchmal Bitcoins genannt. Ihr Punkt bezüglich des Wertgewinns von Gold bei Zuweisung der Geldfunktion scheint mir zentral und der ist bei Bitcoins noch extremer. Man sollte also nach etwas suchen, was nur einen geringen Wertgewinn erfahren würde durch die zusätzliche Geldfunktion. Das ist doch eine schöne Aufgabe für Libertäre zum Nachdenken!!!!

  3. MM

    @FDominicus: Wie gms beschrieben hat: Im Moment wird Gold bereits zu einem hohen Anteil benutzt. Durch die zusätzliche Geldfunktion erhöht sich die Nachfrage nach Gold und der Wert von Gold (bspweise im Vergleich zu Häusern) steigt.

  4. gms

    MM,

    “Ich glaube, das Problem ist im Moment, dass niemand eine richtig gute Idee für so ein Marktgeld hat und deshalb werden fast immer Gold und manchmal Bitcoins genannt.”

    Hmmm, mangelnde Ideen vermute ich weniger. Mir scheinem die staatlichen Restriktionen (Stw. gesetzliches Zahlungsmittel) weitaus einschränkender hinsichtlich Ideenfindung respektive Versuchballons zur Erkundung der Akzeptanz im Markt.
    Der Witz an Bitcoin liegt darin, wonach der Staat hier keine identifizierbare Firma in die Mangel nehmen kann, wie es in der Vergangenheit der Fall war bei Unternehmen, die eine Goldwährung angeboten hatten und hernach Repressalien erlebten, die sie zum Rückzug zwangen.
    Nachdem aktuell also nichtmal Goldwährungen geduldet werden, werden es andere mutmaßlich garnicht erst probieren.

    Interessant sind die Diametrien: Bitcoin – keinerlei physischer Wert – kein greifbarer Emittent – staatlich nicht in den Griff zu bekommen versus Goldgeld – objektiver Wert – identifizierbarer Verwahrer – staatliche Repression bzw. Nicht-Duldung.

    So es nach mir geht, kann alles Mögliche Grundlage einer Währung sein, sei es nun ein Warenkorb oder auch Unternehmensbeteiligungen. Dann aber kann exemplarisch Öl mit Dax-Zertifikaten ebenso bezahlt werden, wie eine Uhr beim Juwelier mit “Öl-Geld”. Wie gesagt: Geld ist eine Ware. Der Wert dieser Deckung wiederum firmierte bezüglich ~Objektivität~ irgendwo zwischen den genannten Extremen Bitcoin und Gold.

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