Zeit für einen Unternehmerstreik!

Für alle, die erst jetzt aus dem Urlaub zurück sind und die schlechten Nachrichten noch nicht kennen: Nehmen wir einmal an, die Regierung würde den Arbeitern und Angestellten in diesem Lande erklären, sie müssten als kleinen Beitrag zur Befüllung der bekanntlich nicht vorhandenen Budgetlücke in Hinkunft leider, leider auf die steuerliche Begünstigung des 13. und 14.Monatsgehaltes weitgehend verzichten: Die Republik stünde binnen Stunden in Flammen, die Gewerkschaften zwängen den Bundeskanzler zum Rücktritt und Flucht ins Ausland, der ÖAAB jagte den Vizekanzler zum Teufel. Das Weihnachts- und Urlaubsgeld ernsthaft anzugreifen hieße für jede Regierung in diesem Lande, Harakiri mit Anlauf zu verüben.

Doch was keine Regierung unselbstständig Beschäftigten zumuten würde, kommt jetzt auf die etwa halbe Million Selbstständiger zu. In ihrem irreführenderweise „Arbeitsprogramm“ genannten Abkassiererpakt haben sich ÖVP und SPÖ nämlich darauf geeinigt, die Nutzung des sogenannten „Gewinnfreibetrages“, den Selbstständige bisher beanspruchen können, um ihre Steuerlast etwas zu mildern, erheblich einzuschränken.

Das klingt langweilig und technisch, wird aber für die betroffene halbe Million Selbstständiger unerquickliche Folgen haben. „Der Gewinnfreibetrag stellt das Äquivalent für Unternehmer zum begünstigten 13. und 14.Gehalt von Arbeitnehmern dar“, beschreibt die Wirtschaftskammer Österreich den Sinn dieser nun zur Disposition stehenden steuerlichen Bestimmung. Denn nur mit ihrer Hilfe kommen Selbstständige auf den gleichen realen Spitzensteuersatz wie ihre unselbstständig werkenden Kollegen.

Mit dieser Gleichbehandlung von Erwerbseinkommen dürfte es nun, wird das „Arbeitsprogramm“ der Regierung umgesetzt, bald Schluss sein, auch wenn noch nicht im Detail ausformuliert ist, wie das in der Praxis gehandhabt werden wird.

Das dürfte, je nach konkreter Ausformulierung, jeden halbwegs gut verdienenden Selbstständigen locker ein paar tausend Euro im Jahr kosten, dafür aber zwei überaus wertvolle Erkenntnisse bringen: Jetzt wissen die Betroffenen wenigstens völlig zweifelsfrei, was die ÖVP unter „Entfesselung der Wirtschaft“ versteht (nämlich noch höhere Steuern) und was die SPÖ unter „Gerechtigkeit“ versteht (nämlich gleiche Einkommen ungleich zu besteuern).

Beides zusammen wird die Selbstständigen dieses Landes sicher unheimlich motivieren, noch härter zu arbeiten. Es wird ihre Freude, für den Fiskus zu schuften, geradezu ins Unermessliche steigern, und sie erst richtig das Vergnügen auskosten lasten, jedes Quartal 4400 Euro an die Sozialversicherung abführen zu dürfen.

Und darüber hinaus wird das Vergnügen, in Zukunft bei gleichem Einkommen wieder mehr Steuern zahlen zu dürfen als ein Angestellter, die etwa 300.000 Ein-Personen-Unternehmen dieses Landes ganz gewiss motivieren, Jobs zu schaffen.

Berechtigten Grund, sich über diese neue Schikane aufzuregen, haben die Selbstständigen freilich nicht. Denn diese Regierung ist nicht die erste, die ihnen deutlich zu erkennen gibt, dass sie eher geduldet denn als erwünscht angesehen werden. Schließlich ist „Selbstständigkeit“, als Antithese zur „Unselbstständigkeit“, so ungefähr das Letzte, was die Betreiber des hiesigen Versorgungsstaates von dessen Insassen wünschen. Denn nur eine möglichst große Zahl an „Unselbstständigen“ aller Art ermöglicht es ja den (noch) Regierenden, sich deren Stimmen durch gelegentliche Zuwendungen zu erkaufen.

Wer selbstständig wird, anstatt eine normale Laufbahn im öffentlichen Dienst oder zumindest dem weiteren Dunstfeld des Staates, der Parteien und ihrer Trabanteninstitutionen zu beginnen, muß in Österreich daher wissen, worauf er sich einlässt. Wer selbstständig wird, muß wissen, dass er von der großen Mehrheit der Unselbstständigen und deren Interessenvertretern als jemand betrachtet wird, der auf Zuruf zu zahlen hat, ohne zu murren.

Solange die Selbstständigen dieses Landes nicht in einen Unternehmerstreik treten und dem Staat für einen Augenblick den Geldhahn zudrehen, wird sich daran mit Sicherheit auch nichts ändern. (“Presse“)

20 comments

  1. Thomas Holzer

    Abschaffung aller Begünstigungen, Transferzahlungen, Freibeträge etc., Aufteilung des 13. und 14. auf 12 Monate; Auszahlung der Gehälter an Arbeiter und Angestellte brutto; die sollen selbst ihre Steuern “abführen”, und schon wäre “Waffengleichheit” hergestellt.

  2. Manuel Leitgeb

    Genau, dann wäre “Waffengleichheit” hergestellt. Nur würden die Unselbstständigen dann erfahren wieviel ihnen die Regierung tatsächlich wegnimmt und beide würden ihre Waffen gemeinsam gegen die Regierung richten. Das können die Politiker logischerweise nicht dulden.
    Merke: Divide et impera 🙂

  3. Luke Lametta

    Das einzige, was dieses Pack mal beeindrucken würde, wär ein konzertierter Steuerboykott all jener, die noch nicht qua Quellenbesteuerung ins Dasein als wehrloses Steuersubstrat transzendiert “wurden”. Aber dieses Land kriegt ja nicht mal etwas in der Größenordnung von GIS- oder Zwangskammer-Boykott auf die Beine. Dabei gäbs dafür sogar eine Anleitung – “Die Affäre Franz Walzer”, echtes Samisdat, kann ich empfehlen.

  4. Rennziege

    3. Januar 2014 – 14:49 — Luke Lametta
    “Die Affäre Franz Walzer”, echtes Samisdat, kann ich empfehlen.
    Gibt’s dazu eventuell einen Link, der unsereiner umständliches Googeln erspart?
    Wär’ schön; denn “time” ist in der stillren Zeit des Jahres nicht “money”., sondern “honey”.
    Danke schon jetzt, Luke!

  5. Pingback: Zeit für einen Unternehmerstreik! | FreieWelt.net
  6. gms

    Rennziege,

    “Die Affäre Franz Walzer” von Axel Ulrich
    amazon.de/Aff%C3%A4re-Franz-Walzer-Axel-Ulrich/dp/393895910X

  7. Reinhard

    @Luke Lametta
    Steuerboykott? Ja wie denn? Ich bekomme meine Vorschreibung, nicht etwa errechnet an meinem wirklichen Gewinn sondern in den Hirnen pragmatisierter Finanzbeamter durch vorjährige Gewinne und selbsterdachte Steigerungsraten herbeiphantasiert, und ich bekomme meine Fälligkeit – und dann zahle ich entweder (bei weniger Gewinn als von den Beamten erwartet zur Not vom Sparkonto…), oder schon einen Tag später erhöht sich der Betrag um eine saftige 10%-ige Strafe. Bis zur Übergabe an ein Gericht ist es dann nicht mehr weit.
    Als EPU, dessen ganze Familie von seinen Einkünften abhängt, kann man sich da nicht viele Spielchen leisten. Das weiß die gewaltmonopole Parteienmafia, die uns auspresst, ganz genau.
    Die ÖVP ist keine Partei für KMU und EPU. Banker, Bauern und Beamte – fertig. Unternehmer kommen da nicht vor. Die sind nur Melkkühe, vom Neid verfolgt, besonders wenn man trotz des Ablieferns von gut 50% des Umsatzes immer noch genug für ein Haus und ein Auto übrig behält, ungeachtet des weit jenseits des Normalangestellten liegenden Zeiteinsatzes für diese Arbeit.
    Mein einziger Steuerstreik sieht so aus, dass ich meine Arbeitsleistung nicht mehr am maximalen Gewinn, wie in jüngeren Jahren, sondern nur noch am notwendigen Gewinn orientiere. Meine Motivation, mehr zu tun als notwendig ist, wurde in kalter Progression, klassenkämpferischen Neidparolen und permanentem Auspressen erstickt. Mein Drang, eventuell einmal so “groß” zu werden, dass ich jemanden einstelle, um mich zu unterstützen, ist vorbei. Für einige extrem arbeitsreiche und umsatzstarke Jahre wurde ich so von Zahllasten erdrückt, die weit in umsatzschwächere Zeiten nachbebten, dass mir dieser Fehler, wirklich viel Umsatz zu lukrieren, nicht wieder passieren wird.
    Meine Familie dankt es mir. Ich habe mehr Zeit für meine wunderbaren Kinder. Und ich kann ihnen eines beibringen: vom Staat haben sie nichts zu erwarten.

  8. Daniel Flöckinger

    Nein, Steuerboykott geht in der Tat nicht. Die Finanz ist sehr schnell im Sanktionieren. Es sollte etwas mit mehr Gehalt sein.

    Ich denke da an ein zurücklegen der Gewerbeberechtigung für ein Monat bei gleichzeitiger Meldung beim AMS. Das AMS zahlt sowieso nix an uns aus, das bedeutet, dass wir legal weiterarbeiten könnten. Verrechnung einfach 2 Monate danach.

    Wenn das konzentriert, an einem Tag gemacht wird, dann würde das ein echtes Zeichen sein und es würde endlich darüber gesprochen, wie wir Selbstständigen hier gemolken werden.

    Wer ist dabei das per FB und Twitter zu organisieren? Hab Lust auf eine kleine Rebellion 🙂

  9. Thomas

    Hmm, es wird also nur das Parken von Geld (ankauf von Wertpapieren) nicht mehr steuerlich sonderbegünstigt … Real-Investitionen sind ja nach wie vor geltend zu machen.
    Weiters gilt das nur für Unternehmer mit mehr als 30.000 Euro Jahresgewinn – was für weit weit weit weniger als eine halbe Million Selbstständige gilt (wenn es überhaupt so viele geben sollte, was anzuzweifeln ist, ist ein Großteil Klein- oder Scheinunternehmer und bleibt unter dieser Grenze).

    Ein Streikaufruf auf Basis von Übertreibungen und Weglassen von “Details” lässt sich zum Glück tatsächlich nicht durchsetzen. Das meine ich als ein Selbständiger, der sich nicht vor jeden Karren spannen lassen will, nur weil es “gut” für die Unternehmer sein soll … am Ende lebe ich nicht außerhalb der Gesellschaft, sondern in und von ihr.

  10. Luke Lametta

    Mach dir nix draus. Der ganz normale vorauseilende Gehorsam im Mix mit k.u.k.-Defaitismus, wie er für österreichische Unterlasser so typisch is. Das entsprechende WKO-Personal und ihre genialen Ideen sind da wohl nur “sozial gerecht”.

  11. gms

    Thomas,

    “Hmm, es wird also nur das Parken von Geld (ankauf von Wertpapieren) nicht mehr steuerlich sonderbegünstigt …”

    Der Einwand greift aus zwei Gründen nicht: Erstens ist das sog. Parken eine entscheidende Entlastung bei über die Jahre hinweg stark schwankenden Einnahmen. Je mehr die Einnahmen fluktuieren, desto mehr leistet man Steuern verglichen mit jenen, deren Einkommen über die Jahre konstant ist.
    Zweitens waren die als Gewinnfreibetrag in Wertpapieren angelegten Beträge nach 4 Jahren steuerfrei. Nur dadurch kommt es zur Angleichung der Steuersätze zwischen Selbständigen und Angestellten (Stw. 1/6-Regelung).

    Last not least: Begrenzt wird laut Regierungsprogramm außerdem die Möglichkeit, Rückstellungen für Klagsrisken steuerlich geltend zu machen, was obigen Aspekt stark schwankender Gewinne mit der damit einhergehenden überzogenen Besteuerung noch verschärft.

  12. Christian

    Noch richtiger hätte die Schlagzeile lauten sollen – „DIE SELBSTSTÄNDIGEN DEPPEN“!

    Meine Empörung über die derzeitige Unternehmersituation ist so groß, das mir in der Tat gerade nichts einfällt, womit ich beginnen soll.

    Wir zahlen, während der Postenschacher munter weitergeht.
    Niemand der Großunternehmer steht auf.
    Steht einmal einer auf, wird jeder kleinste Fehler, von allen Medien sofort aufgegriffen und hoch Tausend aufgeblasen.
    Ich bin für die sofortige Gründung einer “Unternehmer-Gewerkschaft”.
    Auf die derzeitige Unternehmer-Interessensvertretung (Kammern) wird man gut und gerne mangels Durchsetzungsvermögen und mangels Unabhängigkeit, verzichten können.
    Mit einer “Unternehmer-Gewerkschaft”, gegründet von Einigen Jungen Unternehmern, die NOCH nicht gebrochen sind, lässt sich via Social Media & Sonstigen Foren, bestimmt etwas bewegen.

    Aufrufen zur Gründung, müsste allerdings ein Kaliber namens Christian Ortner, womit wir wieder bei der Frage, der absoluten Unabhängigkeit, wären?

    Zur Motivation noch ein paar Themen:
    Bawag
    Eurofighter
    Buwog
    Telekom
    Strasser
    Sämtliche Mensdorff-Pouilly Geschichten
    Hypo
    Lehrer

    Nicht wirklich aufgegriffene Themen:
    Beamtenpensionen.
    Nationalbankpensionen.
    ÖIAG Manager Pensionen.
    ÖIAG Manager Gehälter.
    Zusammenlegung von Sozialversicherungen.
    Überbesetzung – öffentlicher Posten.
    Bundesrat – Abschaffung.
    Verkleinerung des Nationalrats.
    Frühpensionen.
    Krankenstände von Arbeitern und Beamten, in welchen “Gepfuscht” wird.
    Krankenstände auf Grund von “Katern”.
    Pfusch am Bau – Und trotzdem gibt es Förderungen.
    Postenbesetzungspolitik in Gemeinden, Ländern und Bund.

    Claus Pandi (Redakteur Kronenzeitung) in einem Radio-Interview – zum politischen Interesse in Österreich:
    Sie ahnen ja nicht, „wie“ egal es den Menschen eigentlich ist.
    Blödsinn. Egal ist es nur denjenigen, die das Land nicht finanzieren.

    Das waren nur so ein paar Gedanken – ich könnte stundenlang schreiben – bitte nichts für Ungut Hr. Ortner – Ich danke Ihnen für Ihren Artikel.

    Christian (Noch kein Nachname) – (womit wir auch wieder bei der absoluten Unabhängigkeit wären 😉 )

  13. Thomas Holzer

    @Daniel Flöckinger
    Wenn Sie die Gewerbeberechtigung zurücklegen und trotzdem weiterarbeiten, bewegen Sie sich schon in der Illegalität 😉
    Die Politik hat Dank der Dummheit der Wähler vorgebaut

  14. Graf Berge von Grips

    Thomas Holzer
    @Daniel Flöckinger
    Bei Rückgabe des Gewerbescheins ergeht sofort eine Meldung an die SVA und damit erlischt die Sozialversicherung mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen.
    Eine etwas bessere Lösung wäre aber die folgende, sofern man einmal unselbständig erwerbstätig war und die besten Einkommensjahre bereits hinter einem liegen. Sollte man kapp vor der Pension stehen (so 3-4 Jahre) wäre dies nicht wirklich ein Nahteil: 🙂
    -Man lege den Gewerbeschein nicht zurück, sondern geht – in Absprache mit der SVA! – als “geringfügig beschäftigt” weiter seiner Tätigkeit nach.
    – Damit sind man maximal 30.000 Euronen pro Jahr Umsatz gstattet. Wenn man sein Büro zu Hause hat, kann man alle Kosten aliquot abschreiben und damit versuchen unter die 4.700 und ein paar Zerquetschte steuerpflichtiges Einkommen zu rutschen.
    – so 9 bis 3 Monate vor der Pension gehe man – immer noch mit dem aufrechten Gewerbeschein zur SVA und bittet diese um eine Bestätigung, dass man trotz Gewerbescheins nicht mehr bei ihr versichert ist.
    – mit dieser Bestätigung geht man zum AMS, meldet sich arbeitslos und kassiert (Achtung bei EPUs nur für 3 Monate anstatt sonst 6 Monate) für 3 Monate Arbeitslose. (Dies lässt sich mit “Fortbildungskursen” locker auf 9 Monate ausdehnen). In der Zeit ist man natürlich weiterhin “geringfügig” tätig. Man muss nur die Monatsmeldungen über Umsatz und steuerpflichtiges Einkommen pünktlichst abliefern. Ist normalerweise kein Problem :-). Man hat also AMS-Geld und Einkommen!
    – Dann geht man in Pension, erhält monatlich seine Pensionszahlung und arbeitet geringfügig, siehe oben – weiter. Ab 65 kann man dann ja wieder voll verdienen – mit allen “unangenehmen” Begleiterscheinung wie Sozialversicherung, Steuer etc. Aber man hat ja monatlich die Pension, die meist einen Grossteil der Fixkosten deckt.

  15. Graf Berge von Grips

    Ergänzung:
    Der letzte Absatz macht natürlich nur dann Sinn, wenn man früher als mit 65 in Pension geht (geht ab dem 60. Lebensjahr, vorausgesetzt man hat die Beitragsmonate)

  16. Daniel Flöckinger

    Sorry,
    ich habe kein Interesse an “in Pension gehen”. Pension ist wie langsam aufs sterben warten. Ich verstehe leider nicht warum Österreicher im speziellen die Pension als Paradies sehen. Das ist vielleicht auch unser größtes Problem.

  17. Graf Berge von Grips

    Daniel Flöckinger

    Lesen Sie bitte meinen Text nochmals durch!
    Es geht um das Weiterarbeiten und das ausreichende Einkommen und nicht um das Nichtstun in der Pension.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .