Zeitungskrise: Nicht nur das Internet ist schuld

Von | 11. August 2014

“…..Die Zeitungen sind in der größten Krise ihrer Geschichte. Das liegt nicht nur am Internet. Anlass genug, über unsere eigene Branche nachzudenken….” (Selbstkritisches in der FAZ)

4 Gedanken zu „Zeitungskrise: Nicht nur das Internet ist schuld

  1. herbert manninger

    Habe ich da etwas überlesen, oder wurde nicht erwähnt, dass bis zu den kleinen Lokalblättchen hin die Redaktionen fast ausschließlich aus politisch korrekten Knechten bestehen, dass abweichende Meinungen flugs in der Hass&Hetze-Schublade verschwinden?
    Der Graben zwischen veröffentlichter und öffentlicher, zusehends insgeheimer Meinung war noch nie so groß.
    Wie soll man einem Journalisten glauben, der eh nur linksgrünen Dampf ablässt, unabhängig von der Faktenlage?

  2. gms

    FAZ: “Das Internet vermiest den Zeitungen nicht nur das Anzeigengeschäft, es untergräbt auch ihre Autorität. Wir Journalisten haben das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare ein für alle Mal verloren. Für die Leser ist die neue, vielfältige Welt großartig. Die Journalisten allerdings sind entmachtet. Ihre Hoffnung bleibt, dass sie doch noch gebraucht werden.”

    Der Artikel thematisiert zwar viele Aspekte der Zeitungskrise zutreffend, zugleich verdeutlicht er einmal mehr, wonach die Presse im Zentrum des Auges der Meinungsbildung selbst ausgerechnet jenen blinden Fleck darstellt, der ihre eigene erfolgreiche Selbsterkenntnis konsequent verhindert. Wer hierfür eines Beweises bedarf, der ermittle, wie oft das Wort “Fehler” oder ein Synonym hierfür im Artikel auftritt – wer auf den Wert Null kommt, hat richtig gezählt. Selbstkritik? – Pustekuchen!

    Die Welt quillt über vor unmittelbaren Quellen, die zur Wahrung ihrer ureigensten Interessen der Gesellschaft mittels endlos generierter Satz- und Bildanhäufungen eine ganz bestimmte Sicht auf die Dinge verklickern wollen. Was Leser daher zur richtigen Einordnung all dessen wollen, was sie als guten Journalismus verstehen und wofür sie gerne auch bezahlen, braucht man hier nicht nochmal detailliert runterbeten, ist doch mit Objektivität, Breite und Tiefgang der Themenauswahl und Analyse sowie der Tragfähigkeit dargereichter Begründungen alles von Relevanz genannt.
    Ebenso müßig ist die Aufzählung dessen, was Medienkonsumenten in Umkehrung definitiv nicht wollen, nämlich willfährige Sprachrohre für bestimmte Gruppen oder auch eigenmächtig handelnde Erziehungsorgane zur Schaffung eines fürs linke Utopia kompatiblen Menschen.

    Zwei monetäre Gründe für Journalismus liegen auf der Hand, sie sind diametral zueinander und bestimmen zugleich die jeweils verstärkt disjunkten Geldquellen: Entweder trägt die Rechnung derjenige, der einen Artikel (direkt als Verlagseigentümer oder indirekt als Werber) in Auftrag gibt, oder der Konsument am Kiosk..

    Was folgt nun daraus? — Wer als Journalist gebraucht werden will und es unbedingt darauf anlegt, kann und wird auch in 100 Jahren sein Brot mit Presstitution verdienen können, analog zu jenen bezahlten Hofnarren des Staates, die als Künstler und Intellektuelle die Beine breit und den Mund auf machen.

    Was sich demgemäß aktuell als Zeitungskrise darstellt, ist Folge der Wandlung eines vormaligen Meinungs- und Medienpluralismus’ hin zu einer sich intensivierenden Polarisierung. Auf der einen Seite bedienen sich zunehmend jene der Medien, die ihre sprichwörtliche Message an den Mann bringen wollen, auf der anderen Seite stehen jene Verlage, die tatsächlich noch echten Dienst am Leser betreiben. Definitiv schwerer haben es Letztgenannte, denn sie müssen mehr leisten als bloßes Reformatieren vorbereiteter Texte ihrer Geldgeber. Zugleich müssen sie Millionen von Individuen überzeugten, anstatt einigen wenigen Auftraggebern nach dem Mund zu reden.

    Krisen sind dem Wortsinn nach Zeiten der Bewährung. Die Verlockungen, das Falsche zu tun, sind dementsprechend groß, ebenso die Anreize zum fortgesetzten Selbstbetrug, wofür der vorliegende FAZ-Artikel ein veritables Beispiel liefert. Daß sie das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare verloren, hatten die Redakteure richtig erkannt. Daß dies aber maßgeblich durch den selbstverschuldeten Verlust ihrer Glaubwürdigkeit begründet ist, konnten oder wollten sie nicht erkennen.

  3. Rennziege

    11. August 2014 – 16:40 gms
    „Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)
    Zu den Zeiten dieser grande dame österreichischer Poesie waren die Tintenstrolche noch nicht so flächendeckend vertreten wie heute, aber Maries Aphorismus trifft (neben, sowieso, den Mainstream-Drehorglern) auch die FAZ-Redakteure, die sich ohne Not in die Sklaverei der Lobbies, der politischen Korrektheit und der wohlgefälligen Sprachregelung begeben haben.
    O.K., die FAZ wehrte sich bis vor etwa 10 Jahren noch dagegen, ließ den Mut aber zusehends sinken. Frank Schirrmacher, Gott hab’ ihn selig, hat wesentlich dazu beigetragen, wohl nicht nur aus herausgeberischer Panik ob der schwindenden Umsätze.
    Trotzdem kann man die FAZ (in der breiteren Print-Version) gelegentlich noch ohne Fremdscham lesen; dort schreibt bisweilen noch wer, der wider den Stachel löckt — wenn auch meist in derselben Ausgabe durch eine angepasste Stimme konterkariert, so aufgesetzt diese auch daherwankt.
    Im Vergleich mit der primär durch staatliche Bestechungen überlebenden Presse Österreichs ist die FAZ halt nur noch, aber immerhin, eine Einäugige unter den Blinden.

  4. Rennziege

    11. August 2014 – 17:34 Rennziege
    Ich füge einen letzten Satz zur Eherenrettung der Einäugigen hinzu:
    Österreichs umfassend gekaufte Journalisten tragen gelbe Armbinden mit drei schwarzen Punkterln, ziehen aber auch im Hochsommer eine Jacke drüber, damit der Anschein des Durchblicks gewahrt wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.