Zielpunkt und die Heuchelei der Politik

(MAXIMILIAN FREI) Unternehmen werden gegründet, Unternehmen werden geschlossen. Manche davon geplant, manche aufgrund Insolvenz. Das ist der notwendige Kreislauf in einer Marktwirtschaft. Nur diesem Wechselspiel verdanken wir Wohlstand und Güterreichtum. Dafür bedarf es kreativer Menschen, die willens sind, Unternehmerrisiko zu übernehmen, Ideen umzusetzen und Projekte zu realisieren. Wo es Risiken gibt, da tun sich Chancen auf. Unternehmer spüren diese Möglichkeiten. Da sie oftmals Unterstützung bei der Durchführung benötigen, beschäftigen sie andere Menschen. Unternehmer schaffen Arbeitsplätze. Nur Unternehmer schaffen Arbeitsplätze.

Es können aber freilich nicht alle Unternehmen erfolgreich sein. Der Konsument entscheidet, wo er kaufen möchte. Er ist der König, er hat immer Recht. Oder möchte irgendjemand gar behaupten, die Kunden trügen an der Zielpunkt-Pleite Schuld, weil sie bei der Konkurrenz eingekauft haben? Wenn Unternehmen am Markt scheitern, dann haben sie meist einfach die Bedürfnisse der Kunden nicht befriedigen können. Für den Kunden ist dies nicht weiter schlimm. Andere Unternehmen, die den Kunden besser bedienen, schließen die entstandene Lücke rasch. Oder sie haben diese schon längst besetzt, was den Konkurs des Mitbewerbers erst verursacht hat. Am Ende profitiert dennoch die Allgemeinheit, weil sich die günstigsten oder besten Betriebe aus Sicht des Preis-Leistungs-Verhältnisses am Markt durchsetzen. Der Kunde kann sich am Ende des Tages für das gleiche Geld mehr oder bessere Waren und Dienstleistungen kaufen. Am Markt tätig sein ist Handeln unter Unsicherheit. Freiheit gibt es nur zum Preis der Unsicherheit.
An die 2.700 Beschäftigte sollen von der Zielpunkt-Insolvenz betroffen sein. Sofort setzen sich Politiker und Angestelltenvertreter medienwirksam in Szene, schelten Manager und Eigentümer und demonstrieren Solidarität mit den betroffenen Arbeitnehmern. Eine Bank hat gar angekündigt, einen zinsfreien Überziehungsrahmen in der Höhe von bis zu drei Monatsgehältern zu gewähren. Das Mitgefühl mit den knapp vor Weihnachten arbeitslos gewordenen Menschen ist nachvollziehbar, die Unterstützung erscheint redlich. Sie ist es aber nicht.
Laut KSV1870 hat es im Jahr 2014 österreichweit rd. 5.400 Unternehmensinsolvenzen gegeben. Rund 20.900 Dienstnehmer waren von den Insolvenzen betroffen, also im Schnitt drei bis vier Mitarbeiter pro Konkursfall. Wo ist die Politik bei diesen Insolvenzen zu finden? Wer macht sich für die Betroffenen der zahlreichen Konkurse bei kleinen und mittleren Unternehmen stark? Sind die Zielpunkt-Mitarbeiter etwa die besseren Menschen? Nein, natürlich nicht. Nur kann die Politik kein politisches Kapital aus der Insolvenz des Elektrofachgeschäftes mit fünf Angestellten schlagen, daher ruft sie sich hier selber nicht auf den Plan. Das ganze jetzt stattfindende medienwirksame Geschrei ist reine Heuchlerei. Ein Buhlen um Wählerstimmen.
Die scheinheilige Politik sollte sich heraushalten und die Marktmechanismen wirken lassen, das wäre für alle Beteiligte am besten und würde weder Neid noch Missgunst schüren. Die Zielpunkt-Mitarbeiter werden auch ohne Volksvertreter wieder einen Job finden. Mitbewerber werden einige Filialen samt Beschäftigten übernehmen, die übrigen Angestellten werden in anderen Branchen weiterarbeiten. Tatkräftige und motivierte Mitarbeiter werden überall gesucht. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, hat Hermann Hesse geschrieben. Blicken wir positiv in die Zukunft und vertrauen lieber auf unsere eigene Kreativität und Schaffenskraft, anstatt auf Augenauswischerei und vorgespielte Solidarität.

9 comments

  1. Reini

    … Firmen schließen und es werden neue Unternehmen gegründet – das ist der Lauf der Zeit – der Mensch fürchtet sich vor solchen Veränderungen. – und man sollte sich in nächster Zeit darauf einstellen das noch mehr Firmen schließen – Österreich ist in der freien Marktwirtschaft einfach zu teuer! – und wie viele Ausländischen Arbeitskräfte beschäftig Österreich, die täglich pendeln und den Lohn in Millionen, den die Wirtschaft zum Leben braucht, aus Österreich tragen! … das Wirtschaftswunder EU kann uns selbst den allgemeinen Wohlstand kosten!

  2. Lisa

    So etwas wie “alteingesessene Firmen”, Familienbetriebe und andere mitteständsiche Unternehmen gibt es heute allenfalls noch dem Namen nach, damit nach der Fusionierung noch der “Wiedererkennungseffekt” spielen kann. Der Markt ist global, denn die Käufer sind auf der ganzen Welt verstreut. Ich schätze mal, zehn Prozent aller Waren bei uns zuhause sind aus der Region – der ganze Rest kommt von Irgendwo.

  3. cmh

    Die Politik – allen voran die roten Lemuren aus ÖGB und AK – jault deswegen so laut auf und schlägt wüst um sich, weil jeder Konkurs ein Beweis für das Nichtfunktionieren des S(taatss)ozialismus ist.

    Zielpunkt ist eigentlich die Insolvenz der roten Wirtschaftspolitik.

    Und es stellt sich lediglich die Frage, warum diese Lemuren so schwer sterben können. Sind es etwa gar Untote oder Vampire?

  4. cmh

    Möglicherweise hat das etwas mit dem Bildungssystem zu tun. Werden von diesem ausschließlich “Akademiker” “produziert” und keine Handwerker, keine Kellner, keine Bauern oder Putzfrauen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es krachen geht.

  5. Johannes Scheibner

    Die Unternehmer wachsen nicht aud den Bäumen
    Wachstum könnte man nur dadurch erzeugen, indem man den Unternehmern eine Motivation liefert, sich zu entfalten und etwas zu riskieren, anstatt ständig mit Hackln tief zu werden.

    Eine Möglichkeit wäre, mal die Ungerechtigkeit zu beseitigen, die ein Selbständiger verglichen mit einem Sozialhilfeempfänger hat.

    Ein Selbständiger zahlt Mindestversicherungsbeiträge, und wenn er in einem Jahr unter 11.000 verdient zahlt er keine Steuern. Allerdings braucht er auch mindestens diesen Betrag, um seine Lebenserhaltungskosten quasi auf Kredit zu bestreiten.
    Sollte er dann das Tal der Tränen durchritten haben, und die Schwelle der Armut überschreiten, hauts Ihn gleich wieder zruck, durch Nachzahlungen, Vorauszahlungen, Steuerprogression und sonstige Grauslichkeiten.

    Der Transferleistungsbezieher, um das mal freundlicher zu titulieren, bekommt jeden Monat die Mindestsicherung oder mehr, ist versichert und wenn er mal die Soziale Hängematte verläßt, muß er keine Altlasten bereinigen, für die Zeit die er damit verbracht hat, ein tragfähiges Geschäft zu entwickeln.

    Meine Idee dafür wäre daher, einen fiktiven Verlustvortrag einzuführen, der nicht bei 0 sondern bei 11.000,- angesetzt wird.

    Sozusagen, wenn man einen Gewinn von 0 hat, kann man einen fiktiven Verlustvortrag von 11.000 kummulieren, um in besseren Folgejahren die verlorene Zeit zumindest progessionstechnisch abzufedern, und die SVA sollte sich diesbezüglich auch etwas einfallen lassen.
    Denn wer in einem Jahr nix verdient darf Mindestbeiträge löhnen, und in guten Jahren dann voll zahlen, wie soll sich die Rechnung denn jemals ausgehen?
    – Aber eine soziale Wirtschaftspolitik dieser Art wäre für unser Land wohl zu revolutionär.
    So wie es jetzt ist, wird das Herr der Arbeitslosen stetig wachsen und die Politiker sich bei Großpleiten ins Rampenlicht drängen, anstatt endlich vernünftige Rezepte umzusetzen.

  6. sokrates9

    Interessant die Diskussion im Zentrum: Die mediale Schlachtung des Unternehmers ging total daneben!Lächelnd argumentierte er nur gesetzeskonform zu handeln und da seien Interventionen, Auszahlung Weihnachtsgeld ( Bevorzugung eines Teils der Konkursmasse) einfach alles nicht erlaubt, wobei der Gewerkschafter schnell unter dem Teppich war. Alarmierend dass Österreich in einem Handelsrating von Platz 26 auf 59 – nur noch Venezuela liegt dahinter – abgesandelt ist! Auch da war vom Gewerkschaftler nichts zu sehen, und die Frage die jeder anständige Diskussionsleiter daraufhin dem Gewerkschaftler gestellt hätte, was den die Ursachen seien unterblieb von Turnherr selbstverständlich. Ob dies aus Naivität geschah oder es Tabu gibt linke zu schonen weiß ich nicht!”

  7. Christian Peter

    Genau so ist es. In Deutschland und Österreich gibt es jedes Jahr knapp 30.000 Unternehmensinsolvenzen (!!!) kleiner und mittelständischer Unternehmen – bloß darüber spricht kein Mensch.

  8. Selbstdenker

    Der Grundgedanke der Sozialpartnerschaft und der Selbstverwaltung war ja nicht schlecht: letztlich braucht es alle und es nützt niemanden, wenn eine andere Partei “überfahren” wird bzw. Unbeteiligte über Themen abstimmen, die jemand anderen betreffen.

    Erschreckend ist allerdings was aus dieser Sozialpartnerschaft inzwischen geworden ist. Speziell die AK übt sich regelmäßig in Grenzüberschreitungen und einem steten Absenken des Niveaus. Seitens der Wirtschaft und der Landwirtschaftskammer spielt man Spiel zum Teil sogar mit (z.B. WKO und AK gegen LWK oder LWK mit AK gegen WKO…).

    Ich gönne den Arbeitnehmern durchwegs eine funktionierende Interessensvertretung. Aber diese Proleten, die aktuell beim ÖGB und der AK das Sagen haben, sind wirklich das Allerletzte! Sie schädigen nicht nur andere Bereiche, sondern den Wirtschaftsstandort insgesamt. Ihr unterirdischer Aktionismus richtet sich sogar gegen jene Leute, die sie – zumindest dem rechtlichen Auftrag nach – eigentlich vertreten sollten.

    Mir tun die Zielpunktmitarbeiter durchwegs leid, ich empfinde aber auch Mitleid für Arbeitnehmer, die durch den ÖGB und der AK vertreten werden. Würden die ihr Geld nicht für Propaganda-Werbeeinschaltungen ausgeben, könnte man einen sehr opulenten Fonds zur Abfederung sozialer Härtefälle im Zuge von Insolvenzen einrichten.

  9. Lisa

    Kluge Analyse von Maximilian Frei. zit. “Tatkräftige und motivierte Mitarbeiter werden überall gesucht.” An denen fehlts eben schon bei einer verwöhnten, anspruchsvollen Jugend und einem Sozialssystem, das wenig leistungsmotivierend ist. Wenn ich Geld brauche, nehme ich fast jede Arbeit an, zu der ich körperlich und geistig fähig bin. Aber da tun sich gut Ausgebildete und G’studierte auf Kosten der Allgemeinheit am Arbeitslosengeld gütlich – und jammern auch noch hemmungslos – weil die Regel ja ist, dass man “unzumutbare” Arbeit ablehen darf. Juristen setzen doch sonst so auf klare Definitionen: aber “unzumutbar” ist schon etwas sehr interpretationsanfällig.

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