Zitat zum Tag

Von | 2. Februar 2016

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,
Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
Um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
Der Staat muß untergehen, früh oder spät,
Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet. (Friedrich Schiller)

10 Gedanken zu „Zitat zum Tag

  1. Fragolin

    “Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen”
    Ja, das wär’s…
    “Der Staat muß untergehen…”
    Nein. Der Staat wird zur Diktatur. Der geht nicht unter. Das Volk geht unter.
    Denn das Volk hat nie die Entscheidungsmacht. Es gibt nur Wahlspiele…

  2. Thomas Holzer

    Würde nicht tagtäglich von “unseren” Politikerdarstellern der Versuch unternommen werden, alles, wirklich alles, von der Wiege bis zur Bahre, zu demokratisieren und per Gesetz zu regeln, würden die vielen, sprich die Mehrheit, bei denen Verstand eben nicht vorhanden ist, nicht dauernd nach Demokratie rufen.
    Ein wesentlicher Bestandteil, ja eine Voraussetzung für Demokratie ist auch der Neid.

  3. Wanderer

    Schiller könnte man dieser Tage, in denen ein Tell auf sich warten lässt, oft zitieren. Die meisten verbinden den Namen mittlerweile aber mit dem B-(oder gar C-?)Promi-Milieu.

  4. Weninger

    Wer dem so freudig zustimmt, sollte auch die Alternativen “abwägen”. Heißen die Tell *oder* Geßler? Wer hatte da die Mehrheit? Wer das Recht auf seinerSeite?

  5. Lisa

    @ weninger: Das “Gewicht” entsteht durch die Werte, die man dem Einzelnen verleiht. Darum ist ja in der Demokratie, wo jeder, auch der letzte Depp, eine Stimme hat, vorgesehen, dass Mehrheitsbeschlüsse immer auch die Anliegen der Minderheit berücksichtigen und kompromissbereit sein müssen. Sonst gibts Zoff – schlimmstenfalls Bürgerkrieg.

  6. Weninger

    @Lisa
    Das ist eben so eine Sache, wer ist der letzte Depp? Der Handwerksmeister, der fleißig Steuern zahlt, aber sich für Politik wenig interessiert? Der Beamte, der nur Befehle vollzieht? Oder doch der hochintellektuelle Soziloge, der nur momentan leider keinen Job findet und bei Mama lebt? Oder doch die Aufräumefrau, die Überstunden macht, um über die Runden zu kommen? Oder der Arbeitslose, der sich sehr für die heimattreue Politik interessiert und auch mal gerne seine aufgestauten Aggressionen an den “Anderen” ablassen möchte? Richtig: Jeder ist des anderen letzter Depp und darum zählt auch jede Stimme gleich. Schlecht? Vielleicht, aber was wäre besser?

  7. Lisa

    @weninger: wer sich für Politik interesseirt, ist schon mal kein Depp. Das heisst aber nicht aufgestaute Aggressionen abreagieren, sondern sich informieren, vernünftig entscheiden, praktisch und weitsichtig denken, Also, wer aufgestaute Aggressionen hat, sollte eher zum Psychoanalytiker gehen als sich politisch betätigen.

  8. Weninger

    @Lisa
    Nun es war ja auch nur ein Beispiel und sollte die potenzielle Bandbreite des werten Wahlvolkes anzeigen. Übrigens gibt es wohl kaum jemanden, der nicht in irgendeiner Form aufgestaute Aggressionen hat, zumindest hier im Forum, wenn man so herumliest. Aber den Splitter im Auge des anderen …

  9. Falke

    Ich wäre ja auch durchaus dafür, die Stimmen bei Wahlen zu gewichten, je nach gewissen Kriterien, die der betreffende Wähler zu erfüllen hat. Früher war der Stand (Adel) entscheidend, später der Besitz. Heute könnte man teilen zwischen Besitzern und Nichtbesitzern von Maturazeugnissen :-), Ironie Ende. Soviel ich weiß, hat auch Ortner selbst in seiner “Prolokratie” so etwas Ähnliches vorgeschlagen. Eine tatsächliche Umsetzung ist in einer Welt, wo die Gleichmacherei das Allerwichtigste und allein Seligmachende zu sein scheint und mit “Demokratie” gleichgesetzt wird, wohl völlig unrealistisch.

  10. Rennziege

    Friedrich Schiller wird heutzutag’ nimmer unterrichtet. Elfriede Jelinek und Robert Menasse, dazu noch Karl Marx und der Standard-Gruftspion Robert Misik — das war’s auch schon mit literarischer und politischer Bildung.
    So wurden auch die jetzt auf die Schüler losgelassenen Pädagogen ausgebildet: ein weiterer Grund für unsere Familie, samt drei G’schrappen und Hund in ein Land auszuwandern, wo jugendliche Gehirne noch frei von Ideologien aller Art gedeihen dürfen.

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