Zitat zum Tag

Zivilisation ist der Fortschritt hin zu einer Gesellschaft der Zurückgezogenheit. Des Wilden gesamte Existenz ist öffentlich, geregelt durch seine Stammesgesetze. Zivilisation ist die Entwicklung hin zur Befreiung des Menschen von seinen Mitmenschen. (Ayn Rand)

7 comments

  1. stiller Mitleser

    Privatsphäre und die Möglichkeit individueller Optionen sind verbunden mit dem Entstehen bürgerlicher Gesellschaften.

  2. Lisa

    @stiller Mitleser: allerdings wird durch die Technologisierung und möglichen Überwachung jedes Einzelenen (der “gläseren Bürger”) diese individuelle Wahlfreiheit auch wieder öffentlich. Der Big Brother sieht alles… (nur noch die Gedanken sind frei – aber die Neurologen-Hirnforscher-Psychologen schlafen nicht…)

  3. Fragolin

    @Lisa
    Deshalb betrachten freiheitsliebende Menschen die Bestrebungen zur lückenlosen Durchleuchtung aller Bürger als zivilisatorischen Rückschritt.

    @Waltraud Astl
    Interessante Ansage, aber ohne Begründung recht aussagefrei.

  4. gms

    stiller Mitleser,

    “Privatsphäre und die Möglichkeit individueller Optionen sind verbunden mit dem Entstehen bürgerlicher Gesellschaften.”

    Richtig. Maßgeblich hierfür wiederum sind der von Ayn Rand genannte Fortschritt und damit einhergehender Wohlstandsgewinn. Was initial für Privatheit gegünstigend ein so trivialer Aspekt wie Kleidung zur Verhüllung des eigenen Körpers darstellte, setzte sich später fort in der Schaffung abgetrennten Wohnraums und hierin wiederum abgetrennter Zimmer für einzelne Individuen.

    Fortschritt impliziert die Bildung von Rückzugsbereichen, deren Effekt wiederum zweischneidig und potentiell gegenläufig ist. Es entstehen Orte der Erholung, Muße und Konteplation und damit Katalysatoren für weiteren Wohlstandszuwachs, zugleich aber auch Möglichkeiten des sich Gehenlassens, des Versumperns, das man bei entsprechender Veranlagung hernach exemplarisch inform von Bekleidung mit Trainingshose und Unterhemd und dem Bekenntnis zur Leistungsverweigerung unpönalisiert hinaus in die Öffentlichkeit trägt.

    Der feudale Hof, als sprachliche Basis der ‘Höflichkeit’, war das exakte Gegenteil von Privatheit, das Regelwerk zum gedeihlichen Miteinander erforderte das sich Gebärden unter ständiger Beobachtung ohne Fehl und Tadel bei gleichzeitiger Auflage, bei anderen über all das hinwegzusehen, was entweder zutiefst menschlich respektive sonstwie unvermeidbar war oder trotz Inadäquatheit keinerlei Gefährdung darstellte.

    Weil technischer Fortschritt vermehrt die Möglichkeit zum privaten Verhalten brachte und dieses wiederum als vorgeblichen gesellschaftlichen Fortschritt in die Außenwelt schwappen ließ, ging die Gesellschaft der positiven Asymmetrie der Höflichkeit verlustig. Aus einem: “Be conservative in what you offer and liberal in what you accept”, wurde ein: “Offensive in every matter” mit frappanter Kohärenz in optischem Auftreten und rhetorischer Brutaliät. Monstrum in fronte, monstrum in animo.

    Fortschritt als Keim der Polarisierung und somit potentiell des zivilisatorischen Niedergangs? So zumindest ist er zu interpretieren, sobald man anerkennt, positive Weiterentwicklungen schafften auch Wahlmöglichkeiten, die im Guten wie Schlechten vollzogen werden können. Ayn Rand schickt im englischen Original dem hier eingangs gebrachten Zitat unmittelbar voraus: “It is an ancient conflict. Men have come close to truth, but it was destroyed each time and one civilization fell after another.”

    Das antizivilisatorische Wirken der Sozialisten liegt nicht bloß im deklarierten und deshalb gezielt praktiziertem Öffentlichmachen des Privaten, sondern zugleich in der Verprivatisierung des Öffentlichen und dem damit einhergehenden Verdrängen von Tugenden der Zivilisiertheit aus für alle einsehbaren Bereichen. Gingen Arbeiter in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch mit Anzug, Hut und Krawatte für ihre Anliegen demonstrierend auf die Straße und vermittelten dadurch schon optisch die Unlust zum Krawall, warfen sich bis kurzem und zum Teil noch heute deren selbsternannte Fürsprecher ostentativ unfrisiert und mit offenem Hemdkragen vor laufender Kamera bar jedweder Umgangsformen in die Schlacht.

    Heute putzt sich der Sozialist wieder zunehmend wie ein Aristokrat heraus, der Salonlinke trägt Nadelstreif und Manschettenknöpfe und überläßt das dreckige Treiben sogenannten Autonomen, wie auch feudale Höflinge sich selbst niemals die Hände schmutzig machten zur Wahrung persönlicher Vorteile. Unverändert in Auftreten und Verhalten aber blieben die tatsächlichen Träger des Fortschritts — die im besten Sinne Bürgerlichen.

  5. stiller Mitleser

    gms

    ein Essay für sich! Danke!
    .
    ja, im Feudalismus wurde öffentlich aufgestanden (lever du roi), beigewohnt, geboren und gestorben.
    Die Armen purzelten sowieso durcheinander.
    .
    Und ich stimme Ihnen zu: die Autonomen sind der öffentlich alimentierte, sozial im Grunde chancenlose, Mob der arrivierten Linken.

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