Zitat zum Tag

Liberale Gesellschaften sind Gesellschaften, in denen der Staat dem einzelnen die Verantwortung für sich selbst nicht abnimmt, wohl aber Mitverantwortung übernimmt, da, wo Bürger an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen. (Helmut Kohl)

6 comments

  1. Oliver H.

    Als ob es von Belang wäre, ob Österreicher sich mit zunehmend lauterer Kriegsrhetorik in die sich selbst Mitverantwortung anmaßende “Ever closer Union” prügeln ließen oder nicht. Dazu gefragt werden sie nämlich nicht, es reicht zur Erhebung der Stimmung im Lande das Zählen der Leitartikel. Oder?

    Wozu also dieser eklatante U-Turn, von den Segnungen individueller Freiheit hin zu den Vorzügen des Kollektivs? Die EU vom Kopf auf die Beine stellen, danach Zugtrassen sowie Chaos beim Bruch der Eurozone und nun staatliche Mitverantwortung.
    Nächster Halt: Sanftes Monster Brüssel, wir lieben dich und geloben, dich total demokratisch aufzubrezeln zweck Hortung liberaler Freiheiten und Schutz vor muslimischen Terrorbanden. Mission accomplished.

    Falls aber der Clou darin bestehen sollte, ausgerechnet der Staat würde den Einzelnen vor Übergriffen des angepeilten Superstaats beschützen und angesichts des Todes von Kohl könne man schon irgendwas von ihm zitieren, dann war’s wohl einmal mehr Paranoia, die einen konsequent breiter werdende und von selbstdeklarierten Antideutschen wie Gerhart Scheit explizit angekündigte Brüche in der Matrix erkennen ließ.

    Gerhart Scheit, „Europäischer Souverän als postnazistisches Tabu“

  2. Fragolin

    Liberale Gesellschaften sind Gesellschaften, die den Staat gar nicht so mächtig werden lassen, dass er solche Entscheidungen treffen kann, dem Individuum “Verantwortung abzunehmen”. In einer liberalen gesellschaft sind Liberale in der Mehrzahl oder haben zumindest die Schalthebel in der Hand.
    Lieberale Gesellschaften sind in der Demokratie unmöglich, weil nur eine kleine Minderheit überhaupt für irgendwas (und sei es das eigene Leben) verantwortlich sein will.

  3. mariuslupus

    Wie will die Gesellschaft wissen und entscheiden wann sie die Mitverantwortung für ein Individuum übernehmen soll. Liberal ist, Selbstverantwortung und nicht Mitverantwortung. Mitverantwortung macht aus dem Bürger einen vom Staat Abhängigen.
    Kohl war nie liberal, hat diese EU geformt, die jetzt bürgerliche Freiheiten bekämpft und war Merkels Mentor und Wegbereiter.

  4. Lisa

    Warum einen an sich klugen Gedanken gleich in die Pfanne hauen? Liberal heisst ja nicht losgelöst von allem, ist nicht sog, absolute Freiheit; denn wenns nicht der Staat ist, der dem einzelen Bürger eine zu schwere Verantwortung abnimmt – wer denn sonst? der liebe Gott?
    in tribalististischen Kulturen ist es eben der Klan, bzw. die Grossfamilie. Menschen leben nun einmal ion Gemeinschaften – ob Famlie, Klan, Gesinnungsgenossen, GEmeindemitglied, Staatsbürger. Nur sich selbst versorgende Eremiten leben ohne sozialen Bezug. Solange eine Gruppe nicht uniform à la Brave New World zusammengesetzt ist, braucht es nun mal Rückswichtnahme auf jene die vom Durchschnitt abweichen, ob das nun Behinderte seien, Randständige, Eigenbrötler, nicht gar so Helle und was sonst noch alle sich da tummelt. Und dies nur so am Rande: dassr ein Klan-Chef ganz bewusst “Fremde” auf unbestimmte Zeit oder gar dauernd aufnimmt, verköstigt, beherbergt, mit allem Lebensnotwendgen versorgt,das heisst, ihnen Selbstverantwortung von Anfang an abnimmt, ist und war eher unüblich…

  5. Oliver H.

    @Lisa

    “Warum einen an sich klugen Gedanken gleich in die Pfanne hauen?”

    Weil der Gedanke nicht klug, sondern, freundlich formuliert, Lötzinn ist, der von linken Gesellschaftsklempnern in die Köpfe der Bürger gebrannt wird. Konkret:

    Erstens ist das Konzept einer *Mit*-Verantwortung ansich schon mentaler Sondermüll, entsprungen basisdemokratischen Sesselkreisen, bei denen im Ernstfall jeder auf die Person an seiner Seite zeigt. Verantwortung ist entweder konkret und bidirektional eindeutig zuordbar, oder sie ist inexistent.

    Zweitens kann ein Abstraktum niemals Verantwortung tragen oder Rechtfertigung leisten. Das potentielle Gegenargument, der Staat seien wir alle, ändert daran erkennbar nichts, sondern macht im Gegenteil den Nonsens nur offensichtlicher.

    Drittens wurde der Gedanke auf der Metaebene in die Pfanne gehauen (“Wer zitiert?”), wie die analoge, fiktive Rede eines kommunistischen Parteivorsitzenden, man wolle Besserverdiener von der Steuer ausnehmen. Da stimmt dann nämlich offensichtlich etwas nicht, und dasselbe läßt sich festhalten, wenn Paradeliberale ausgerechnet die ‘Mitverantwortung des Staates’ erkennen wollen und damit in basale Überzeugungen plötzlich meilenbreite Einfallstore sprengen. Im neoliberalen Beliebighausen aber sind solche Volten offenbar kein Anlaß zur Irritation.

    Viertens, und das wurde im Thread eingangs schon genannt, scheint die hier neuentdeckte Liebe zum Kollektiv systematisch, gelte es doch liberale Überzeugungen abzuwerfen, weil wir uns im “Krieg!” befinden, etwas, das aus derselben Feder dem Leser im Minutentakt eingebläut wird.

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