Zitat zum Tage

Von | 23. Mai 2016

Dass es der Mensch als schwaches und in vielerlei Hinsicht unfertiges Geschöpf überhaupt geschafft hat, über Jahrmillionen in einer ungemütlichen Welt zu überleben, verdankt er dem Markt, dem intelligentesten Weg zur Überwindung von Knappheiten. Die Entdeckung der Vorzüge des mehr oder weniger weiträumigen unpersönlichen Austausches, war wohl die wichtigste Kulturleistung. Denn sie erfordert die Überwindung des angeborenen Gruppenegoismus und der natürlichen Fremdenfeindlichkeit. Vorbehalte gegenüber der Marktwirtschaft, gegenüber den Orientierungsleistungen des freien Wechselspiels von Angebot und Nachfrage zeugen meist von beschämenden Bildungslücken, wenn nicht von Sympathien für die Barbarei. (Edgar Gärtner)

6 Gedanken zu „Zitat zum Tage

  1. Lisa

    nicht ganz zu Ende gedacht: wenn wer beim Tausch nicht willig ist, so braucht man eben Gewalt. Wer die wertvolleren, begehrteren Güter hat, ist im Vorteil, egal, ob er sie von Mutter Natur geschenkt bekommen oder im Kampf erobert hat. Ohne Fairness ist Handel Krieg mit andern Waffen. Nun ist ja aber der “Krieg der Vater aller Dinge”… ergo…

  2. FDominicus

    @Lisa. So viel zum Thema Freiwiligkeit und na klar die Fairness kommt gleich noch oben drauf. Die Fairness von Staaten ist die Fairness umzubringen wenn man gerade nicht mag.

  3. Thomas Holzer

    @Lisa
    Als vernunftbegabtes Wesen sollten Ihnen bewußt sein, daß nichts, aber auch gar nichts, was der Mensch macht, je perfekt war, ist und sein wird.
    Nur Utopisten träumen von dem perfekten, fehlerlosen, niemals irrenden, altruistischen Menschen. Und die Utopisten, welche ihre Träume schneller Realität werden lassen wollen, setzen alle! ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ein, um dies zu erreichen; auch und vor allem das Leben anderer.

  4. gms

    Lisa,

    “nicht ganz zu Ende gedacht: wenn wer beim Tausch nicht willig ist, so braucht man eben Gewalt.”

    So what. Gewalt hat auch ein Preisschild für den Ausübenden, das noch dazu weit über die unmittelbar hierfür nötigen Mittel hinausgeht. Das banale Sprichwort ‘ethics pays’ ist mitterdings sogar wissenschaftlich recht gut abgesichert.

    “Wer die wertvolleren, begehrteren Güter hat, ist im Vorteil, egal, ob er sie von Mutter Natur geschenkt bekommen oder im Kampf erobert hat.”

    Das kann schon sein, doch in einer marktwirtschaftlich orientierten Soziotät kommt ein ganz entscheidender Faktor hinzu: Der Wert eines Gutes bemißt sich nicht ausschließlich am unmittelbaren Nutzen für den Inhaber selbst, sondern auch daran, wie wertvoll dieses Gut für andere ist. Folge dessen, was Edgar Gärtner ‘Orientierungsleistung’ nennt, ist intensivierte Arbeitsteilung und selbige wiederum Motor für Innovationen und Wohlstandszuwachs.

    “Nun ist ja aber der „Krieg der Vater aller Dinge“”

    Dieser Sager ist so verbreitet wie falsch. Alternativ lassen sich auch Meteoriteneinschläge, Atombomen-Abwürfe oder Tsunamis dergestalt anpreisen, die Betroffene in die Zwangslage bringt, alles von Scratch weg wieder aufzubauen. Aufgekommen ist der Spruch durch die ersten Großmanufakturen zur Herstellung identer Ausstattungen für Soldaten, wobei wiederum der Staat nach der Einführung der Wehrpflicht der erste war, der in die Position kam, derartiges überhaupt nachzufragen. Zugegeben — Angst respektive Aggression mögen brauchbare Motivatoren sein für Neuerungen, doch einmal mehr unterliegt deren naheliegende Überbewertung dem Fehler des Verkennens, was ohne diese niederen Antriebe möglich gewesen wäre.

    Wenn der Krieg der Vater aller Dinge sein soll, dann einzig aus der Perspektive von Linken mit deren Hang zu von oben induzierten Patchwork-Konstellationen. Daß sie damit oftmals durchkommen, ändert nichts an der Falschheit dieses Zuganges.

  5. Lisa

    Das Wort ist von Heraklit, also etwas älter als Sie vermuten. zudem wird “Krieg” da in einem umfassenderen Sinn verstanden. Macht und Gegenmacht, also Dynamik. Das Beispiel hatten Sie ja kürzlich bei den Wahlen, wo von “gesiegt” und “verloren” geredet wird. Auch der Krieg zwischen den Zuwanderern und den Einheimischen, zwischen ablehnenden, zustimmenden und gleichgültigen Einheimischen, zwischen Generationen und sozialen Schichten, zwischen Produzenten untereinander und zwischen Produzenten und Konsumenten usw usf – ohne Dynamik der Kräfte steht alles still.

  6. gms

    Lisa,

    Zustimmung zum Verweis auf Heraklit, der unvermeidbare Spannungen selbst zwischen positiven Prinzipien und das dadurch ableitbare permanente Ringen um bessere Lösungen als Quell aller menschlichen Handlungen beschrieb. Alles bewußte Leben ist ein Abwägen, ein Begünstigen und Verwerfen, Zuspruch und Negation und damit fraglos in erster Lesung ein intraindividueller Kampf, der in und mit der Außenwelt fortgeführt wird.

    Ist das aber Krieg? Ist das jener Krieg, den Sie eingangs mit ‘Gewalt’ respektive ‘im Kampf erobert’ und ‘Waffen’ thematisieren wollten? Diesen Krieg hatte Heraklit definitiv nicht im Sinn, was spätestens dann klar wird, wenn man am griechischen Originaltext bleibt, der weniger auf das generell Hervorbringbare abzielt, welches aus dem empfundenen Zwiespalt entstünde, denn vielmehr auf den Grund, weshalb es überhaupt Akteure gibt. Sie nämlich sind die Kinder, deren Vater ist das Ringen, ungeachtet dessen, was hieraus fürs Zwischenmenschliche resultiert.
    Erst wahrgenommene innere Spannung macht uns zu handlungsfähigen Menschen, egal ob man ein 7×24 von außen sozial Eingehegter oder am anderen Ende der Skala ein lebenslanger Eremit ist.

    Gegen Dummheit (no offense) kämpfen selbst Götter vergebens, durchleben doch auch diese nach Heraklit wie Menschen einen ständigen inneren Kampf im Wechelspiel eigener Bedürfnisse, aufgedoppelt um umvermeidbare Unsicherheit. Wären Götter allwissend, stellten sie entweder einen aussichtslosen Kampf ein oder besiegten Dummheit mit wirksamen Mitteln. Weil aber jeder zuerst mal mit sich selbst kämpft, tut sich überhaupt etwas in der Welt.

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