Zuhälter Staat

(ANDREAS TÖGEL) Während das unbewältigte griechische Schuldendebakel längst von der politischen Entwicklung in der Türkei, dem wichtigsten „Partner“ der EU im Orient, überdeckt und völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wird; Während Eurokrise und Schwierigkeiten mit dem vor uns liegende Brexit weiterhin schwelen und einer Lösung harren, gibt es andere wirtschaftlich relevante Themen, die kaum einmal aus dem Blick geraten. Die meisten davon haben mit „Gerechtigkeit“ zu tun.

Dazu muss man wissen, dass für die Sozialisten in allen Parteien (materielle) Gleichheit den höchsten Ausdruck irdischer Gerechtigkeit bedeutet. Nichts ist für sie schwerer zu ertragen, als eine ungleiche Verteilung des Wohlstands. Folgerichtig gilt Ihre Gleichheitsforderung auch für die Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit. Dass Einkommensungleichheiten, wie sie bei den Selbständigen ganz selbstverständlich auftreten, niemals Proteste der Gleichheitsfetischisten auslösen und dass die Hauptstromjournaille dazu beredt schweigt, sei nur am Rande angemerkt. Unsere weisen Führer könnten ja immerhin gleiche Gewinne und damit Unternehmerlöhne dekretieren. Anderseits: Unternehmer sind selber schuld – sie hätten ja schließlich etwas lernen und dann Beamte werden können.

Ein Dauerbrenner und besonders heißes Eisen sind die mutmaßlich oder tatsächlich vorhandenen Unterschiede bei der Entlohnung von Frauen und Männern. Wie das Ungeheuer von Loch Ness, so tauchen auch die angeblich abenteuerlich weit auseinanderklaffenden Einkommen, die allein der Geschlechtszugehörigkeit geschuldet seien, immer wieder in der Berichterstattung auf. Der „Weltfrauentag“ ist eine gute Gelegenheit, die alte Klamotte von der geringeren Bezahlung der Frauen wieder einmal auf die Bühne zu bringen. Bis zu 22 Prozent (!) Lohndifferenz soll es sein. Ein Skandal!

Wahr ist: Wer Äpfel mit Birnen vergleicht, findet auf Anhieb Unterschiede. Die (so gut wie immer aus der linken Ecke stammenden) Kritiker der geschlechterspezifischen Einkommensunterschiede, begnügen sich in aller Regel mit einem recht oberflächlichen Vergleich von Kollektiven. Klar, wie könnten Kollektivisten auch anders? Die Gründe, die zu unterschiedlich ausfallenden Arbeitseinkommen und Pensionen führen, werden selten analysiert.

► So wird etwa nicht berücksichtigt, dass Frauen, speziell die formal bestgebildeten unter ihnen, dazu neigen, „weiche“ Berufe zu wählen, deren Entlohnung aufgrund ihrer niedrigeren Wertschöpfung geringer ausfällt. Dass deutlich mehr Männer als Frauen den Weg in die berufliche Selbständigkeit wählen, ist ein Faktum. Frauen, die als Entwicklungsingenieure in den Hochlohnbranchen von Fahrzeug- oder Maschinenbauindustrie tätig sind, findet man ebenso selten wie solche, die als Techniker in der Rohstoffförderung oder in der EDV arbeiten. Frauen zieht es auch weniger in den „harten“ aber gut bezahlten Verkaufsaußendienst als Männer.

Frauen ziehen Sprachausbildungen oder etwa das Studium von Politikwissenschaften, Soziologie oder Publizistik vor. Damit sind aber nun einmal keine Spitzeneinkommen zu erzielen – es sei denn, man schafft es, bei der Staatsindustrie unterzukriechen oder einen Job als Spitzenbeamter, Minister oder Bundeskanzler zu ergattern.

Bei den Lehrberufen zieht es junge Frauen nach wie vor in den besonders niedrig entlohnten Handel und ins Friseurgewerbe – Branchen mit extrem geringer Wertschöpfung. Gut bezahlte Starkstrommonteurinnen, Kranführerinnen oder Werkzeugmacherinnen findet man dagegen so häufig wie Einhörner.

► Frauen gehen (außer im öffentlichen Dienst) nach wie vor früher in Pension als Männer und verlieren damit – dem von den Gewerkschaften mit Zähnen und Klauen verteidigten Senioritätsprinzip sei Dank – die einkommensstärkste Zeit, was auch für die Pensionshöhe von entscheidender Bedeutung ist.

► Nicht Männer, sondern Frauen – daran wird auch eine radikalfeministische Politik in den nächsten 100 Jahren nichts ändern können – bekommen nun einmal Kinder, was nicht ohne Bedeutung fürs Einkommen ist. Denn die für die Kinderbetreuung aufgewendete Zeit kann für die Berufskarriere entscheidende Nachteile bedeuten. Es liegt auf der Hand, dass nicht jedes Unternehmen seine Interessen stets mit denen seiner Dienstnehmerinnen in Einklang bringen kann. Daher können schon einmal Personalentscheidungen fallen, die zu Lasten einzelner Frauen gehen. Das mag aus der Perspektive der Betroffenen bitter sein, ist aber in betriebswirtschaftlicher Hinsicht billig und verständlich.

In jedem Fall ist es strikt abzulehnen, dass der Staat in private Betriebe hineinregiert, um ideologisch motivierten Gleichheitsphantasien Bahn zu brechen – etwa indem er Geschlechterquoten diktiert. Wenn also Harald Mahrer (Staatssekretär im Wirtschaftsministerium) Frauenquoten fordert – selbstverständlich nicht für Eisenbieger, Müllkutscher und Straßenpflasterer, sondern ausschließlich für Führungskräfte, so folgt das ausschließlich zeitgeistigen-linken Opportunitätsüberlegungen, die mit betrieblicher Realität nichts zu tun haben. Es handelt es sich um einen geradezu klassischen Fall einer Anmaßung von Wissen. Was weiß ein Staatssekretär, was für Betriebe, die er nicht gar kennt, gut ist? Das einzige für im Wettbewerb stehende Unternehmen relevante Kriterium bei der Personalauswahl ist die Qualifikation der/des Betreffenden. Ob ein(e) Stellenwerber(in) männlich, weiblich, groß oder klein, jüdisch oder christlich ist, spielt keine Rolle. Nur seine/ihre Eignung für die zu besetzende Stelle ist von Gewicht. Quotenregeln, gleich welcher Natur, stellen einen unerhörten Eingriff in das Vertragsrecht dar.

Sind Quoten, die auf die persönliche Eignung von Stellenwerbern naturgemäß keine Rücksicht nehmen, schon im öffentlichen Dienst mehr als fragwürdig, wird es gänzlich unerträglich, wenn es um private Betriebe geht, deren berechtigtes Interesse ausschließlich im Unternehmenserfolg besteht – ja bestehen muss!

Es mag noch so banal klingen: Kein Mensch auf der Welt kann alles zugleich haben. Die gesamte, eng begrenzte Zeit des Lebens, besteht daher aus einer Abfolge von Präferenzentscheidungen. Risikolose, anstrengungsfreie (Innendienst)Tätigkeit, Mutterglück und ein hohes Einkommen sind eben nicht oder nur sehr schwer im selben Leben zu haben. Die gute Nachricht ist: Die Frauen haben die Wahl. Sie können frei darüber entscheiden, was ihnen wichtiger ist: Die sichere, ruhige Kugel mit mäßigem Salär oder der risikoreiche Stressjob mit hohem Entgelt. Mutterschaft oder berufliche Karriere.

In welchen Stein steht gemeißelt, dass es Staatsaufgabe wäre, den eitlen Versuch zu unternehmen, weiblichen Angestellten das alles zur selben Zeit zu garantieren?

Der Gouvernantenstaat leistet den Interessen karriereorientierter Frauen langfristig einen Bärendienst, wenn er der Bildung einer Kaste von Quotentrampeln Vorschub leistet. Tüchtige Frauen haben es nicht verdient, ihre Erfolge deshalb relativiert zu sehen, weil sie auf eine staatliche Affirmative-action-Politik zurückgeführt werden. Tüchtige Frauen stehen auch ohne den Staat als Zuhälter ihren Mann. Auch unter harten Wettbewerbsbedingungen.

Tagebuch

15 comments

  1. waldsee

    im text:”””Dazu muss man wissen, dass für die Sozialisten in allen Parteien (materielle) Gleichheit den höchsten Ausdruck irdischer Gerechtigkeit bedeutet.”””
    Sozialismus -war -ist -wird immerzu Neid als Politik sein.

  2. Gaudium

    Wie war nochmal der vielzitierte Wahlspruch?
    Berfuf und Familie dürfen kein Wiederspruch sein….
    …manchmal dauert halt Erkenntniss etwas länger….

  3. sokrates9

    Das Jammern von über 20% Differenz zum Frauentag ist eigentlich schon Standard! Neu ist dass die gesamten Medien diese Aussage völlig unreflektiert übernommen habe und kein einziger Kommentator es wagt diese Zahl in Frage zu stellen!

  4. Falke

    Laut Agenda Austria ist der “echte”, also nicht logisch nachvollziehbare Einkommensunterschied etwa 3-10%. Wobei ja immer beklagt wird, dass bei gleicher Ausbildung, Berufserfahrung usw. Männer meist mehr verdienen als Frauen (was übrigens, meiner jahrzehntelangen Berufserfahrung nach, gar nicht stimmt). Was nie, wirklich nie angesprochen wird, ist der Faktor “Leistung”. Der Arbeitgeber bezahlt logischerweise die erbrachte Leistung, und nicht (oder jedenfalls weniger) die Ausbildung und Erfahrung. Abgesehen davon, dass im Durchschnitt die Männer leistungswilliger sind, also eher zu Überstunden, Sonntagsarbeit, Auslandseinsätzen usw. bereit sind (auch, und vor allem, weil sich Frauen von Natur aus eher um die Kinder kümmern wollen), sind die Männer auch “leistungsfähiger”, nämlich in Berufen, die physische Arbeit erfordern – niemand bestreitet, dass Männer körperlich kräftiger sind als Frauen. Und kein Unternehmer kann es sich leisten, für eine Arbeit mehr zu bezahlen, als sie wert ist – auch wenn das für Frauen “ungerecht” erscheinen mag. Männer und Frauen sind halt von Natur aus anders beschaffen – diese Tatsache wollen zwar Feministinnen, Grüne, Linke usw. nicht wahrhaben, können aber schwerlich natürliche Gegebenheiten – wie etwa Schwangerschaft – negieren.

  5. Gerald

    Das können unsere linken PO-litiker leider nicht verstehen! Wie bei einem Alkoholiker ist der Bezug auf die eigenen Bedürfnisse alles überwiegend. Die Steigerung sind da nur noch linke Alk POlitiker.

  6. Mourawetz

    Vom Nonsens des Pay gap schon oft gelesen, aber dieses Mal ist es super geschrieben! “In welchen Stein steht gemeißelt”… Jedes Jahr reißen die GleichmacherInnen diese Neiddebatte vom Zaun und bringen die Fake News vom Gender Pay Gap. Aber davon wird es nicht glaubwürdiger, im Gegenteil das Publikum bekommt das große Gähnen und die Repliken werden immer geschliffener.

  7. mariuslupus

    Ein überflüssige Macho Diskussion. Es stimmt Frauen verdienen weniger als Männer. Ein Exempel. Merkel verdient als Staatsratsvorsitzende weniger als Schulz als Vorsteher des Obersten Sowjets der EU verdient hat, Juncker als Kommissar aller Kommissare, verdient auch mehr, plus Spesen. Das was Schulz un Juncker mehr verdienen, plus Spesen, plus Pension wird Merkel nie verdienen könenn. Vorschlag, Schulz und Juncker gründen einen Ausgleichschfond und finanzieren Merkel. Das ist soziale Gerechtigkeit.
    Es gibt aber auch arme Männer. Beispiel: Donald Trump, arbeitet das ganze Jahr für einen greenback. Wenn Trump von diesen Gehalt, mit Familie, leben kann, sollten auch z.B. Kern, Fandebelen, Häupl davon leben können. Plus Naturalien, freie Fahrkarten auf der Geisterbahn oder geführte Wanderung auf Ötzis Spuren, gratis, als Impuls für die zukünftige Regierungsarbeit

  8. Mona Rieboldt

    Kinder bekommen nun mal die Frauen, was Mann dazu tut, lässt ihm mehr Zeit für Beruf und Karriere. Und Frauen sind nun mal lieber bei ihren kleinen Kindern als an der Kasse bei Aldi zu sitzen. Die wenigsten Menschen haben ihren Traumberuf.
    Dazu kommt, dass Frauen Technik eher als kalt empfinden, lieber etwas mit Menschen machen, daran hat auch ein seit Jahren veranstalteter girl’s day nichts geändert, bei dem Mädchen für technische Berufe interessiert werden sollen.
    Und als Verkäuferin verdient man nunmal weniger als ein Automechaniker.

  9. Falke

    @Mona Rieboldt
    Schön, dass Sie diese Tatsache als Frau nochmals bestätigen. Die Natur (oder Gott – je nach Glauben) hat Männer und Frauen absichtlich anders – keinesfalls besser oder schlechter – gemacht, weil sie (er) ihnen verschiedene Aufgaben zugedacht hat. Sagen Sie das aber einer Feministin bzw. einer (oder auch einem) Grünen, und Sie werden sofort als rückständiges Dummerchen abgekanzelt. Ich kann diese Abneigung der Frauen gegen Technik bereits aus meiner Schulzeit bestätigen: Ich selbst habe ein technisches Gymnasium absolviert (jeden Tag Mathematik, darstellende Geometrie ab der 5. Klasse). In der Maturaklasse waren wir dann 18 Schüler: 17 Burschen und 1 Mädchen. Und das Mädchen hat dann erst recht – erfolgreich – Medizin studiert. Ich selbst habe letztlich auch keinen technischen Beruf ergriffen.

  10. Urban Galler

    wenn Frauen bei gleicher Leistung weniger verdienen als Männer, würde ich als Unternehmer nur Frauen einstellen, hätte aber vermutlich mit der AK oder GW bald Schwierigkeiten wegen nicht Einhaltung des KV. Im öffentlichen Dienst habe ich keine Gehaltstabelle registriert, wo ein Unterschied besteht zwischen M/W. Das Frauen jedoch früher in Pension gehen bzw. Jobs mit geringeren Gehälter wählen und daher weniger Lebensverdienst erzielen als ein vergleichbarer Mann, ist nun wirklich nicht die Schuld der Männer.

  11. Mona Rieboldt

    Falke
    Was sich so Feministin nennt, da ist das Wort inzwischen negativ besetzt. Und wenn ich mir die deutschen Grünen ansehe wie Katrin Göring-E. und Claudia Roth, bei denen ist sicher weder Intelligenz noch Klugheit vorhanden.

  12. Rennziege

    10. März 2017 – 18:42 — Mona Rieboldt
    Wie recht Sie haben, Mona! Ob das vom Kampfemanzentum oder von Mutter Natur stammt, wer weiß?
    Jedenfalls schauen die genannten Frauenzimmer eher wie Mannsbilder aus, und da wüsste ich noch ein paar andere, die man allesamt als “Damer” gendern sollte. Es fehlt ihnen schon optisch alles, was Weiblichkeit ausmacht; geistig und sprachlich wirken sie eh wie uralte Drehorgelkurbler.

  13. Mona Rieboldt

    Rennziege
    “uralte Drehorgelkurbler” hier musste ich lachen. Es passt sehr genau auf viele grüne Frauen. Dazu kommt, dass die Grünen ein stark autoritärer Haufen ist.

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