Zypern: Warum nicht gleich?

Von | 25. März 2013

Good News aus Brüssel: Erstmals in der Finanzkrise werden die Verluste einzelner Banken nicht mehr oder weniger komplett den Steuerzahlern aufgebürdet, in Zypern werden jetzt  statt dessen vor allem die Eigentümer und Gläubiger der beiden insolventen Grossbanken zur Kasse gebeten, ohne dass die Einlagensicherung (für Guthaben bis 100.000 Euro) ausgehebelt wird. Warum nicht gleich?

42 Gedanken zu „Zypern: Warum nicht gleich?

  1. Roms

    Für jeden Euro, den Zypern jetzt aufbringen muß, dürfen die Europäischen Steuerzahler zwei Euro dazulegen.
    Den Zyprioten wird es wie schon den Griechen zuvor gelingen, sich aus ihren Eigenleistungen hinauszuwinden und hinauszulügen (vermutlich mit mitternächtlichen Verhandlungsrunden mit Liveticker auf allen Nachrichtensendern). Den österreichischen Steuerzahlern wird das aber nicht gelingen. Sie werden aus Brüssel verhöhnt werden und sogar die eigenen Abeordneten, die sie dorthingewählt haben werden wieder ihr Lied aus dem Fernsehen flöten: “Wir brauchen mehr Europa”.
    Das soll “Good News” sein? Geh bitte!

  2. FDominicus

    Nun wieviel konnten die Gläubiger und Eigentümer mitreden? Gar nicht. Was daran zu bejubeln ist, entzieht sich meiner Kenntniss. Speziell wenn man als Bankkunde von der “falschen” Bank (von jetzt auf gleich um 40 % enteignet wurde).

    Was ist jetzt mit den Sicherheiten bei der EZB, werden die abgeschrieben?

    Ich kann hier nur eins sehen, eklatante Gesetzesbrüche und Eigentumsdelikte….

  3. FDominicus

    Ich habe gleich mal ein paar Fragen. Was ist mit den Eigenkapitalhaltern der Bank von Cypern, was mit den Eigentümern der Lakia?.

    Was ist mit den Anleihen die als Sicherheit bei der EZB liegen? Wo werden die “abgeschrieben”?

    Und warum muß die EU für diese “Rettung” auch mal eben 11 Mrd übernehmen? Wirklich ich kann diesen Jubel nicht verstehen.

  4. Thomas Holzer

    @FDominicus
    angeblicher Weise werden die Guthaben über EUR 100.000 welche auf der Bank of Cyprus auf Konten liegen, in Aktien der Bank of Cyprus umgewandelt werden.

    Ich sehe auch keinen Grund für Jubel

  5. Herr Karl jun.

    Beim ganzen Hype um die zypriotischen Banken ist in den Hintergrund getreten, dass die politische Elite des Landes seit Jahren einen bizarren Kampf gegen die Anerkennung von wirtschaftlichen Realitäten focht (und ficht) und dass der zypriotische Staat und die Bank of Cyprus (BoC) jetzt nicht nur faktisch bankrott, sondern schon zuvor disfunktional und ausgesprochen hypertroph war. Trotz der Kapitalverkehrsperre und des angeordneten Bankbetriebsstillstandes, sind in der letzten Woche Milliarden außer Landes gebracht worden, abzulesen an den Target2-Salden und (in einigen Wochen) in den Statistiken der BoC (sofern diese geliefert werden, worauf bei der BoC nicht immer Verlass ist).

  6. FDominicus

    Herr Karl jun. :
    Trotz der Kapitalverkehrsperre und des angeordneten Bankbetriebsstillstandes, sind in der letzten Woche Milliarden außer Landes gebracht worden, abzulesen an den Target2-Salden und (in einigen Wochen) in den Statistiken der BoC (sofern diese geliefert werden, worauf bei der BoC nicht immer Verlass ist).

    Das interessierte mich auch brennend. Wie bekommt man sein Eigentum trotzdem von der Bank. Haben Sie da irgendwelche Ideen? Links?

  7. Klaus Kastner

    Warum nicht gleich? Könnte die Antwort darauf vielleicht etwas mit der Finanzkompetenz der EU-Politiker zu tun haben? Wir nähern uns dem 3. Jahrestag des ersten ‘Rettungspaketes’ für Griechenland. Hätten man damals unsere guten mitteleuropäischen Großbanken in die Schadensbehebung eingebunden, dann hätten sich Steuerzahler eine ganze Menge Geld gespart.

  8. Christian Peter

    Die einzigen, die zur Kasse gebeten werden, sind die europäischen Steuerzah –
    ler. Die Gläubiger der Banken durch Umwandeln eines kleinen Teils der Forder-
    rungen in Aktien ein wenig zu beteiligen, ist nichts als Kosmetik. Denn eines
    ist klar : Neben den 10 Milliarden Euro werden in weiterer Folge noch viele
    weitere Milliarden europäischen Steuergelds nach Zypern fließen.

  9. FDominicus

    @Klaus Kastner

    Da habe ich eine kleine Frage. Warum müssen wir dann trotzdem 11 Mrd da runter schicken? Wo wird uns das etwas gepart? Und was passiert bitte mit den “Sicherheiten” bei der EZB? Werden die Anleihen abgeschrieben? Wenn ja wie geht sich das mit der Nichtfinanzierung von Staatshaushalten mit der EZB aus.

    Was hier gemacht wird ist ein in demokratischen Staaten beispielloser Diebstahl der Leute. Und zwar alles um dieses diktatorische Ungetüm EU am Laufen zu halten.

    Rechtsstaaten? Das ist eine Verhöhnung von allem was in jedem Rechtsstaat Recht ist.

  10. karl berger

    In Ihrem Presse-Kommentar haben Sie noch über die Zwangsabgabe bei den Sparern gewettert. Aber wir sind uns hoffentlich alle einig: das ist die erste gute Idee im Zuge der Euro-Rettung!

  11. FDominicus

    @karl berger
    Ich frage mich welchen Wortbestandteil an Enteignung ist mißverständlich.
    Und ich frage noch einmal (auch wenn ich nich mehr mit einer substantiellen Antwort rechne)

    Was ist mit den EK Gebern und den Anleihehalter der zypriotischen Banken?

    Wieso es auch auf einmal ok sein sollte, Kontoinhaber mit mehr als 100 00 0 zu enteignen, kann mir wohl niemand erklären oder?

    Selbstverständlich kann es auch die Kontoinhaber treffen, aber doch NUR nachdem alle anderen vorher Ihren Teil bezahlt haben.

  12. Der Unternehmer

    @Klaus Kastner
    Sie begehen leider einen Denkfehler. Es wurden nicht Banken gerettet, sondern Staaten.

    Hätte man die Banken, die große Mengen Staatsanleihen (ebenso z.B. Lebensversicherungen und andere Kapitalsammelstellen, die nach den Basel-Kriterien 60 % ihrer Kundengelder in Staatsanleihen anlegen müssen)in “die Schadensbehebung eingebunden” wie Sie schreiben, wäre das Experiment Euro damals schon zu Ende gewesen und etliche Länder der Eurozone damals bereits bankrott gewesen.

  13. Roms

    @Der Unternehmer
    Es wurde genaugenommen niemand “gerettet”. Es ist als ob man eine Leiche an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen hat. Das Verwesen kann man aber auch mit der teuersten Salbe nicht ewig hinauszögern.

  14. Kaiser Bill's Batman

    @FDominicus
    Diese Fragestellung ist wohl mehr rhetorischer Natur! Es handelt sich um Transaktionen, die auf höchster Verantwortungsebene freigegeben wurden und werden.

  15. FDominicus

    Einen Teil meiner Fragen wurde auf zerhedge beantwortet:

    Overnight it became clear that the ECB and IMF were insistent that the ELA must be moved from Laiki bank to the Bank of Cyprus as part of the deal. The main reason for this must be to avoid the Cypriot Central Bank taking losses on the ELA, which would have been counterproductive as it would have to have been recapped by the Cypriot government, a cost which would need to be added to the bailout bill. This episode does highlight that the assets pledged as collateral at the ELA are basically worthless and that avoiding central bank losses will always be a key objective in any bailout negotiations. ”

    http://www.zerohedge.com/news/2013-03-25/think-tank-cyprus-saved-what-cost

    Ergo die EZB hat “wieder” nicht einen Staat finanziert. Jedenfalls rechtlich nicht. Und so geht es immer weiter faktisch eine Finanzierung, nur rechtlich nicht.

    Wer Geschäfte mit der EZB macht ist wirklich sowas von geliefert.

  16. Klaus Kastner

    @Der Unternehmer
    Nein, der Denkfehler ist nicht auf meiner Seite. Ich vermute, dass es eher einen Interpretationsfehler Ihrerseits gibt. Sie vermuten vielleicht, ich hätte argumentiert, Banken à la Deutsche einfach pleite gehen zu lassen. Habe ich selbstverständlich nicht.

    Die Politik eines Landes wie Deutschland (Frankreich gleich danach) hätte allerdings seinen Großbanken sinngemäß sagen müssen: “Freunde, Ihr seid in Wirklichkeit ein Sanierungsfall. Ihre habt ein Mehrfaches Eures Eigenkapitals in Staatsanleihen investiert, die nicht mehr ganz so werthaltig erscheinen. Ergo: unsere Bankenaufsicht wird Euch eine kurzes Schreiben übermitteln, in dem Ihr angewiesen werdet, ausreichend Vorsorge für diese neuen Risken (d. h. Wertberichtigungen) zu machen. Falls Euch das Probleme macht, lasst uns bitte wissen”.

    Selbst wenn diese Wertberichtungen nur 25% vom Nominale gewesen wären, wären die meisten Großbanken ganz deutlich unter ihre EK-Grenze gefallen und hätten sich ganz höflich bei der Politik um einen Bail-out bewerben müssen. Und dann hätte die Politik sinngemäß sagen müssen: “Kein Problem. Wir steigen mit ausreichend Kapital ein. Eure Aktionäre werden dadurch natürlich erheblich verwässert. Und, bitte schön, so lange wir beteiligt sind, keine Dividenden und einstimmige AR-Bewilligung für alle Sonderkompensationen für Führungsrkräfte”.

    Schauen Sie sich bitte ein paar Bilanzen von Großbanken an und checken Sie, wieviele Milliarden seit 2009 für Dividenden und Boni ausgegeben wurden!

    Krasses Beispiel: die Deutsche Bank ist eine Zockerbude ungeahnten Ausmaßes. Sie hat eine Leverage von 40:1. Selbst bei einem Hedge Fund würde man dies als ‘highly leveraged’ betrachten. Im Vergleich: die Leverage von Citibank oder JP Morgan bewegt sich um die 10:1. Warum hat die Deutsche trotzdem gute EK-Quoten gemäß Basel-2? Weil sie eben so gigantische Volumina in sogenannten ‘risikofreien Aktiva’ hat (z. B. Staatsanleihen).

    Leverage von 40:1 bedeutet, dass die Verbindlichkeiten 4.000 sind und das EK nur 100. Lassen Sie 5% der Aktiva kaputt gehen, und die Bank hat ein negatives EK von 100. Lassen Sie nur 1% kaputt gehen, und die Bank hat fast die Hälfte ihres EK verloren. Sie verstehen?

    Alles was ich meinte, ist, dass man bei diesen Großbanken die Aktionäre einbeziehen hätte können und MÜSSEN! Wir haben doch noch den Kapitalismus, nicht wahr? Warum braucht man z. B. in Deutschland eine Linke, die dem Establishment ununterbrochen erklären muss, dass im Kapitalismus der Aktionär das größte Risiko trägt (bzw. tragen sollte)?

    Natürlich wäre so etwas nicht spurlos am ‘Endverbraucher’ vorbeigegangen (Banken hätten wohl Personal und Versicherungen hätten wohl Renditen reduzieren müssen). Aber bitte, in keinem Verhältnis zu jenem Ausmaß, in dem die Steuerzahler seither zur Kasse gebeten wurden!

  17. Klaus Kastner

    @FDominicus
    Warum ‘wir’ überhaupt Geld schicken bzw. geschickt haben? Noch dazu, wenn das gegen das ‘no-bail-out’ Prinzip verstößt?

    Am Beispeil von Griechenland sind knapp 80% aller Gelder, die dorthin geschickt wurden, postwendend wieder zurück an Banken geflossen als Zahlung für fällige Schulden und Zinsen. Für das Primärdefizit im Haushalt (d. h. vor Zinsen) brauchte Griechenland seit Beginn der Krise ‘nur’ 45 Mrd. EUR.

    Warum aber überhaupt die 45 Mrd. EUR schicken? Weil sich inzwischen 17 Staaten entschlossen haben, ihre Landeswährung (die sie drucken konnten) aufzugeben und sie mit einer Fremdwährung (Euro; den keines der 17 Länder drucken kann) zu ersetzen. Ohne diese 45 Mrd. EUR hätte Griechenland Gehälter und Pensionen nicht bezahlen können.

    Warum sollte uns das stören? Na ja, darüber könnte man streiten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, was passiert wäre, wenn in den Peripherieländern keine Gehälter/Pensionen mehr bezahlt werden hätte können. Das hätte wahrscheinlich zu mehr geführt als häufige Streiks und Proteste.

  18. Der Unternehmer

    @Klaus Kastner
    Verzeihung, aber Ihre Einlassungen sind Milchmädchenökonomie.

    Welche Regierung würde bitte der Öffentlichkeit und dem Wahlvolk freiwillig erklären, dass ausgegebene Anleihen des Staates unter dem Nominalwert liegen?

    Dass US-Banken in ihrer Bilanz weniger toxische Staatsanleihen halten, liegt daran, dass in den USA zur Finanzierung des Defizits weniger der Umweg über Banken gegangen wird, sondern direkt über die Fed finanziert wird. In Europa und insbesondere in Deutschland wäre das dem Stimmvieh
    nicht zu vermitteln.

    Nein, die Banken sind nichts als Handlanger der Politik zur Weiterführung der Verschuldungsorgie. Für das Bashing der Politik dürfen sie Kasse machen, und auf Kreditgeld reale Zinsen kassieren.

    Sie behaupten ferner, dass wir im Kapitalismus leben. Wie kommen Sie denn darauf? Ihr Blick muss wirklich sehr getrübt sein. Sie machen einen großen Fehler: Sie schauen auf das Etikett, aber nicht auf den Inhalt. Bleiben wir bei Ihrem Fallbeispiel der größten europäischen Volkswirtschaft, Deutschland, das heute eine tatsächliche Staatsquote von ca. 70 % hat. Oder sich eine “Energiewende” leistet, die zu 100 %
    sozialistische Planwirtschaft a la DDR ist, um hier nur zwei Faktoren zu nennen. Das soll Kapitalismis sein?

    Sie sind ein Opfer politischer und medialer Propaganda. Das ist genau das Ziel der Mächtigen in den Regierungs- und Parteizentralen und deren marxistischer und linksfaschister Hintermänner an der “Wallstreet”, die aktuelle Krise dem Kapitalismus in die Schuhe zu schieben und so die freie Gesellschaftsordnung bei den Menschen zu diskreditieren, damit sie ihre Macht behalten und ausbauen können und sich am normalen und arbeitenden Bürger schonungslos zu bereichern. Das ist kein Kapitalismus, sondern das genaue Gegenteil.

  19. Reinhard

    @Klaus Kastner
    Erst sagt Ihre Politik: “Ihr habt ein Mehrfaches Eures Eigenkapitals in Staatsanleihen investiert, die nicht mehr ganz so werthaltig erscheinen.”
    Ich frage mal jetzt nicht, wer diese Staatsanleihen ausgegeben, für sicher erklärt und dann das Geld verbladert hat. Ich frage jetzt nicht, wer die Vorstände in diesen Geldinstituten mit Exkollegen durchseucht.
    Ihre Politik sagt weiterhin: “Kein Problem. Wir steigen mit ausreichend Kapital ein.”
    Erstmal frage ich mich, mit welchem Kapital, denn wenn die Politik welches hätte, hätte sie sich nicht über immer unsicherere Anleihen finanzieren müssen.
    Nach Ihrer Logik kommt der Hauptschuldner, dessen Deklarierung der eigenen Sicherheiten zu Schrottpapieren die Bank erst ins Schleudern gebracht hat und kauft sich dann mit Kapital, das er über den organisierten Betrug mit weiteren Schrottpapieren beschafft oder sich einfach aus der Druckerpresse zaubert wie ein Kaninchen aus dem Hut Anteile an dieser Bank.
    Und Ihnen fällt dabei nicht einmal etwas auf.
    Unser Bildungssystem hat wirklich schon ganze Arbeit geleistet…

  20. Christian Peter

    Good News aus Brüssel ? Mit Zypern hängt ein weiterer Staat am Tropf der
    europäischen Steuerzahler. Wenn man nicht einmal fähig ist, ein Mini-Land
    wie Zypern geordnet abzuwickeln, dann ist Hopfen und Malz verloren.

  21. Der Unternehmer

    @Klaus Kastner
    Dann lesen Sie Ihren eigenen Kommentar #21 noch einmal durch. Dann kommen Sie vielleicht darauf.

  22. Klaus Kastner

    @Reinhard
    Ich weiß nicht, ob es unser Bildungssystem war, die praktische Erfahrung im Bankwesen allerdings sehr wohl. Ich empfehle, nachzulesen, was die US Regierung mit ihren Großbanken nach Lehman gemacht hat (vor allem Citibank). Oder auch bei AIG.

    Zugegeben, es wird schwieriger, wenn ein Land – wie Österreich – keine eigene Währung mehr hat, aber es sollte trotzdem kein großes Problem sein, die Konstruktion so zu gestalten, dass der Staat immer über Möglichkeiten verfügt, Problembanken auf Zeit zu verstaatlichen, um sie dann später wieder zu privatisieren (hoffentlich mit gutem Gewinn; siehe AIG).

    Crux der ganzen Geschichte ist: man muss die Aktionäre der Banken in die Verantwortung nehmen, wenn bei ihrer Bank etwas schief geht. Das ist bei Privatunternehmen so und das muss auch bei Banken so sein. Googlen sie ‘Continental Bank of Chicago 1984’ und sie werden ein Paradebeispiel sehen.

  23. Klaus Kastner

    @Der Unternehmer
    “Welche Regierung würde bitte der Öffentlichkeit und dem Wahlvolk freiwillig erklären, dass ausgegebene Anleihen des Staates unter dem Nominalwert liegen?”

    In einem Fürsorgestaat müsste das in der Tat die Regierung dem Wahlvolk erklären. Der mündige Bürger schaut einfach in die Zeitung und sieht nach, zu welchen Kursen Staatsanleihen gehandelt werden.

    Eine der größten Fiktionen – von Basel-2 befeuert – ist, dass Staatsanleihen (zumindest Staatsanleihen aus den meisten europäischen Staaten) ‘risikofrei’ sind. Ich glaube, Inhaber von griechischen Staatsanleihen durften letztes Jahr erfahren, dass das Gegenteil der Fall ist.

    Richtig ist, dass Anleihen eines Staates, der seine eigene Währung hat und welche Anleihen in dieser Währung begeben sind, nahezu risikolos sind. Warum? Weil dieser Staat immer die Währung drucken könnte, wenn ein Kredit fällig wird. Aber ich betone das Wort ‘nahezu’. Ein Restrisiko gibt es immer.

    Wenn überhaupt, dass wären wohl US Treasuries die einzigen Anleihen, die man wirklich als ‘risikofrei’ betrachten kann. Sie sind in einer Reservewährung denominiert; der Emittent kann diese Währung drucken; und der Emittent hat alle seine Staatsschulden in dieser Währung.

    Zahlen werden die US deswegen immer können. Ob bei Bezahlung der USD noch das wert ist, was sich der Anleger erhofft hat, ist eine andere Frage.

  24. Reinhard

    @Klaus Kastner
    Nochmal zum Mitschreiben:
    Erst ist es der Staat, der bei der Bank mehr Geld holt, als diese hergeben kann. Damit das passiert, erlässt der Staat die dafür notwendigen Gesetze und besetzt die Vorstände mit Parteisoldaten. Da dies in rein privaten Instituten schwer fällt, schafft man sich seine eigenen Tummelplätze: Falls es noch nicht aufgefallen ist, es sind meist kommunale oder Länderbanken bzw. solche mit besonderer Parteinähe, die krachen.
    Wenn der Staat (das Land, die Kommune, die Politik…) die Bank dann ausgeflöht und mit seinen eigenen Papieren zugemüllt hat, erkennt er plötzlich, dass seine Anleihen, eben noch das sicherste Ding der Welt, leider immer wertloser werden. Zur Not hilft ihm bei dieser Selbsterkenntnis, um das Gesicht zu wahren, eine Rating-Agentur.
    Dann bietet er der selbst zerwirtschafteten Bank großzügig “Rettung” an, aber mit dem erhobenen Zeigefinger, als Gegenleistung Miteigentümer zu werden.
    Kleiner Tipp: Versuchen Sie das mal in der Privatwirtschaft; bringen Sie erst einen Lieferanten durch Zahlungsverweigerung an den Rand des Ruins, und wenn er dann fast kaputt ist, übernehmen Sie ihn mit dem Kapital, dass Sie sich durch Nichtzahlung seiner Rechnungen erspart haben. Sie können sich der Aufmerksamkeit der Behörden sicher sein.

    Aber wie immer ist der Staat, also jene elitäre Führung aus den feudal strukturierten Parteihäusern, die sich für die Personifizierung des Staates halten, ein über seinen eigenen Gesetzen und Regeln stehendes, göttliches Überwesen, das sich jedes Recht herausnehmen kann, das er seinen restlichen Bürgern bei härtester Strafe verbietet.
    Eine solche kaltschnäuzige Übernahme der Banken durch den Staat ist nichts als eine Verstaatlichung durch die Hintertür. Dem Hauptschuldner mit den größten Verbindlichkeiten und der schlechtesten Zahlungsmoral wird jetzt das ruinierte Unternehmen am silbernen Tablett übergeben und er kann sich noch als “Retter” hinstellen. Geht es schief, verkaufen wir die voraussichtliche Arbeitsleistung der Enkel als wertloses Spekulationspapier an die nächste hörige politikdurchseuchte Marionettenbank und Verpfänden damit weiter das dem Volk abgepresste Eigentum, geht es gut, füllen sich die Genossen im Vorstand die Taschen.

    Und Leute wie Sie fallen drauf rein!
    Wenn der Staat jemanden retten will, soll er sich um Einlagensicherungen für den unteren Rand der Kleinsparergemeinde kümmern, aber nicht um die Bank, nicht um die Aktionäre (stimmt, die sollen das Risiko tragen, aber das volle!) und vor Allem nicht um die Geldgeschäfte, denn dass der Staat bzw. die sich als solcher betrachtende Parteinomenklatura nicht mit Geld umgehen kann hat uns die ganze Misere gerade erst eingebrockt.
    Lieber ein paar ordentliche Bankenpleiten mit nachfolgender Flurbereinigung als dieses ständige Drängeln der Böcke auf den Posten des Gärtners. Unter dem Jubel der Schafe.

  25. Eiserner

    Ich warte schon auf das große Heulen beim Bekanntwerden der Tatsache, dass alle reichen Zyperninvestoren ihr Geld über die offenen Filialen der betroffenen zyprischen Banken in London abgezogen haben.
    Bin schon gespannt, welcher Eigenbeitrag dann noch übrigbleibt und welche scheinheiligen Ausreden der dortigen Politiker wir dann hören werden, wenn sie jammern, dass doch nicht so viel wie geplant zusammenkommt.
    Aber unsere tolle Währungsunion wird schon einspringen…

  26. Der Unternehmer

    @Klaus Kastner
    Sie sprechen hier folgende Dinge an: Fürsorgestaat, mündiger Bürger, US- Treasuries.

    1. Fürsogestaat

    Der Fürsorgestaat ist nichts als eine große Fiktion. Immanuel Kant hielt staatliche Fürsorge für die größtmögliche Form der Despotie. Der Staat, oder der Fürsorgestaat wie Sie ihn nennen, ist nicht dazu erkoren, den Menschen etwas Gutes zu tun. Parteien wollen den Menschen nichts Gutes (Fürsorge) tun, sondern Macht. Aus dem Traum, dass der Staat auf unsere “Fürsorge” bedacht ist, werden wohl die allermeisten sehr brutal aufgeweckt werden. Der Fürsorgestaat will unser Bestes: unsere Freiheit und unser Geld.

    2. Mündiger Bürger

    Ein mündiger Bürger ist derjenige, der sich vor dem Zugriff des Staates auf sein Eigentum durch indirekten Diebstahl (Inflation) oder direkten Diebstahl zur Wehr setzt. An diesem mündigen Bürger hat der Staat keinerlei Interesse. Die meisten Menschen sind Untertanen, und das auch noch freiwillig.

    3. US-Treasuries

    Das Spiel geht nur solange gut, solange der US Dollar die Weltleitwährung ist. Diese Epoche neigt sich sichtbar dem Ende zu. Die USA sind faktisch genauso pleite wie Griechenland. Mit Ihren US-Treasuries können Sie dann Ihren Ofen anheizen, weil das Papier wertvoller ist als der aufgedruckte Nominalwert.

    Traümen Sie weiter. Der Weckruf wird bald erschallen.

  27. Zaungast

    @Klaus Kastner
    “… nahezu risikolos … Weil dieser Staat immer die Währung drucken könnte…”

    Ebensogut bin ich (und jeder andere) immer zahlungsfähig, weil ich stets neue Schuldscheine ausstellen kann. So gesehen sind auch die Schuldscheine eines Sandlers “nahezu risikolos”.

    Aber die implizite Einschränkung deuten Sie ein paar Zeilen weiter auch an: Ob diese Schuldscheine einen akzeptierten Wert darstellen…

  28. FDominicus

    Und Leute wie Sie fallen drauf rein!
    Wenn der Staat jemanden retten will, soll er sich um Einlagensicherungen für den unteren Rand der Kleinsparergemeinde kümmern, aber nicht um die Bank, nicht um die Aktionäre (stimmt, die sollen das Risiko tragen, aber das volle!) und vor Allem nicht um die Geldgeschäfte, denn dass der Staat bzw. die sich als solcher betrachtende Parteinomenklatura nicht mit Geld umgehen kann hat uns die ganze Misere gerade erst eingebrockt.
    Lieber ein paar ordentliche Bankenpleiten mit nachfolgender Flurbereinigung als dieses ständige Drängeln der Böcke auf den Posten des Gärtners. Unter dem Jubel der Schafe.

    Genau, und darum ist der Jubel über Zypern völlig ungerechtfertigt.

  29. Der Unternehmer

    @FDominicus
    Gerne.

    Leider verstehen viele nicht oder wollen nicht verstehen, dass unser Fiat-Geld, das Teilreservebanksystem und die parlamentarische Demokratie
    drei Säulen des Machtsystems sind. Der Mensch in der modernen Demokratie ist nichts anderes als ein atomisiertes Ameisenwesen, aber bestimmt nicht der Souverän.

    Es ist wohl damit zu rechnen, dass der von westlichen Medien so hochgelobte Obama demnächst in den Krieg gegen den Iran ziehen wird – ein Kriegsgrund lässt sich immer finden.

    Wie man hört, arbeiten China und Russland bereits an einer neuen Weltwährungsordnung, wahrscheinlich eine gedeckte Währung.
    Mit dem Ende des Fiatgeldes wird auch die parlamentarische Demokratie
    verschwinden.

    Das Armageddon des Westens kommt. Die USA, ein weitestgehend deindustrialisiertes Land, sind dann Weltmacht gewesen.
    Bürgerkrieg im eigenen Land und in Europa vorprogrammiert.

  30. Prinz Eugen von Savoyen

    @FDominicus

    Eine Bank, die pleite ist, kann nicht “enteignet” werden. Besser wäre, alles abwickeln.

  31. FDominicus

    Prinz Eugen von Savoyen :
    @FDominicus
    Eine Bank, die pleite ist, kann nicht “enteignet” werden. Besser wäre, alles abwickeln.

    Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Nur was passiert denn hier die eine Bank wir abgewickelt und die Schulden der abewickelten Bank gehalten von der EZB still und heimlich auf die überlebende Bank tranferiert. In einer normalen Pleite, gehen die EK Halter leer aus, die FK Halter müssen entsprechend abschreiben. Passiert das hier?

    Nein Schulden fangen einheitlich an und wenn die EZB kommt wird daraus etwas besonders.

    Ich redete auch nicht von Enteignung wenn es all Sparer träfe. Aber nein es trifft diejenigen die mehr als 100 00 € haben die andere Sparguthaben werden transferiert.

    Es kotzt mich wirklich an, mir durchlesen zu müssen, es sei schon alles mit “rechten” Dingen zugegangen. Es ist Ihnen vielleicht auch entgangen, daß daneben mal eben 11 Mrd neue Schulden auf den zypriotischen Staat “aufeschlagen” werden und weil es offenbar viele nicht kapieren, das sind mehr als 15 000 € pro Zypriot. Jetzt reden Sie bitte nicht von “keiner Enteignung”.

    Wieso muß irgendein euroäischer Bürger außer denjenigen die in Zypern investiert sind oder sogar leben, Geld dorthin überweisen und bekommt dafür im Gegenzug gar nichts. Nein die eine andere marode Bank die genaus o Pleite ist wird verhätschelt. Das nennt man Willkür. Wenn Sie das nicht verstehen wollen, habe ich wirklich keine Lust mehr mich mit demejenigen der so blind ist das nicht zu sehen auseinanderzusetzen.

    Wenn Sie das so toll finden, dann verdammt nochmal schicken Sie den Zyprioten eine Einzugsermächtigung über Ihr Bankkonto.

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